Neujahrskonzert: Die Bergkapelle startet flott ins neue Jahr

Neujahrskonzert : Die Bergkapelle startet flott ins neue Jahr

Das erste Blatt des jährlichen St. Ingberter Kulturkalenders präsentiert stets das Neujahrskonzert der Bergkapelle St. Ingbert.

Das Neujahrskonzert der Bergkapelle ist immer etwas ganz Besonderes und das nicht allein wegen des Sektempfangs im Foyer der Stadthalle und der Tatsache, dass damit das erste Blatt des jährlichen St. Ingberter Kulturkalenders aufgeschlagen wird. Während einige wohl noch ihren Silvesterkater ausgeschlafen haben, freuten sich die Musikliebhaber schon lange auf dieses Ereignis, bei dem es trotz der bewährten Mischung aus Opern-, Operetten- oder Musicalmelodien immer wieder Überraschungen gibt.

Die Musikauswahl, die Dirigent Matthias Weißenauer manchmal durchaus zu nächtlicher Stunde im Bett ereilte, forderte die Musiker des Traditionsvereins. Viel Fingerfertigkeit der Blechbläser war vonnöten, um beispielsweise die Samba „Tico Tico“ des Brasilianers Zequinha Abreu so leicht klingen zu lassen, wie es die Zuhörer erlebten. Nicht weniger temporeich war der feurige Tanz „Conga del fuego nuevo“ des Mexikaners Arturo Márquez oder „Garôto“, einer der 88 von Ernesto Nazareth komponierten Tangos. Hier trafen beim Konzert der Bergkapelle die „wahre Verkörperung der brasilianischen Seele“, wie Nazareth einmal genannt wurde, das lateinamerikanische Temperament mit dem Wiener Musikanten-Blut zusammen.

Für dieses standen beim Konzert stellvertretend die „Tik-Tak-Polka“ und die „Furioso Polka“ von Johann Strauß Sohn und der „Cachucha Galopp“ von dessen Vater. Doch auch der Galopp, an sich schon ein schneller Rundtanz, geht auf den zur damaligen Zeit sehr populären andalusischen Tanz Cachucha zurück, der mit seiner schnellen Notenfolge ebenfalls zum „Feuerwerk der Musik“ am Neujahrstag beitrug.

Nicht nur die Mischung der verschiedenen Stücke sorgte für ein unterhaltsames und kurzweiliges Konzert, sondern neben der spielfreudigen ortseigenen Bergkapelle auch die solistischen Gastsänger aus dem Saarländischen Staatstheater, Herdís Anna Jónasdóttir (Sopran), Judith Braun (Mezzosopran), Sung Min Song (Tenor) und Vadim Volkov (Bariton), die ihre Brillanz nicht nur beim Einzelvortrag hervorkehrten, sondern auch im Duett oder Quartett gesanglich hervorragend harmonierten.

Ihre Qualitäten zeigten sich besonders im ersten Teil, in dem die Bergkapelle bunte melodische Blumensträuße an die Gäste verteilte. Den Blumenreigen eröffnete das Orchester mit dem Marsch „The white rose“ von John Philip Sousa, sowie „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauß Sohn. Die Blumenarie aus Bizets Oper „Carmen“, das Blumenduett „Viens Mallika“ aus Léo Delibes Oper „Lakmé“ und auch Carl Millöckers „Dunkelrote Rosen“ aus der Operette „Gasparone“ war nicht nur ein (Hör-)Genuß für Blumenfans. Doch der eigentliche Höhepunkt des Neujahrskonzerts waren wohl die sechs musikalischen Szenen aus Leonard Bernsteins Musical „Candide“, in denen auch die schauspielerischen Talente der Sängerinnen und Sänger zum Tragen kamen.

Die abenteuerliche Geschichte, die auf einem Text von Voltaire basiert und von Liebe, Krieg, Entführungen, Unglücken - also dem ganz „normalen“ Leben - handelt, wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Operette geschrieben und zum Flop. Erst 1974 als Musical arrangiert kam der Erfolg. Heute wird es eher selten gespielt. In der Stadthalle fungierte Bariton Volkov auch als Erzähler, die deutsche Übersetzung des Textes lief auf Leinwand mit.

Die von der Bergkapelle und den Sängern musikalisch und in aller Kürze erzählte Version der verworrenen, aber sehr amüsanten Story des Edelmanns Candide, die in Westfalen beginnt und in Portugal, Spanien, Kolumbien und Uruguay ihren weiteren Verlauf nimmt, „war ganz großes Theater“, wie ein Gast sagte. Er sei mit den Akteuren auf „Weltreise“ gegangen und für die Zeit dieses Auftritts gedanklich ganz weit weg gewesen. Dies war als Riesenkompliment an die Adresse der Aufführenden gemeint, denn mehr als die Erzeugung einer Illusion mittels Musik können Künstler kaum erreichen. Einige Stücke aus „Der Maske in Blau“ von Fred Raymond und dem „Feuerstrom der Reben“ aus Strauß‘ „Fledermaus“ machten den Abend so richtig rund. Es war ein Abend, der nur bei jenen für Verdruss sorgen dürfte, die ihn nicht erlebt haben.

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