Das war fast das schönere Stadtfest

Der Weihnachtsmarkt in St. Ingbert am Wochenende hat bewiesen, dass eine solche Veranstaltung auch bei eher frühlingshaften Temperaturen die Sympathie der Besucher wecken kann. An liebevoll dekorierten Häuschen stellte sich eine passende Stimmung ein.

 Viel zu entdecken war an diesem Stand mit Handarbeiten, Pop-Up-Karten und Handtaschen aus Südostasien.
Viel zu entdecken war an diesem Stand mit Handarbeiten, Pop-Up-Karten und Handtaschen aus Südostasien.

. Es wird wohl immer Menschen geben, die am St. Ingberter Weihnachtsmarkt das Haar in der Suppe finden, denen er zu klein ist oder denen er zu spät im Dezember stattfindet. Doch der diesjährige, der vom vergangenen Freitag bis Sonntag in der Fußgängerzone über die Bühne ging, war ein echter Sympathieträger, dem sogar in sozialen Netzwerken im Internet gewünscht wurde, dass es ihn noch lange gibt. Und dabei fühlte er sich rein temperaturmäßig gar nicht wie Weihnachten an. Doch es spielte ihm unter anderem in die Karten, dass er trockenen Fußes abgelaufen werden konnte, was nicht jeder saarländische Weihnachtsmarkt in den vergangenen Wochen für sich verbuchen konnte. Das Wetter brachte sehenswerte Anzugsordnungen mit, hier ein Pärchen mit Weihnachtsmannmützen, Mantel und Schal, dort eine junge Frau mit T-Shirt. Durch den schönen Weihnachtsbaum vor der Engelbertskiche schimmerte nicht der Stern von Bethlehem, sondern die Dezembersonne. Die Frage bei 15 Grad lautete auch nicht, ob es überhaupt Glühwein geben sollte, sondern eigentlich nur, ob er rot oder weiß getrunken wird. Das kalte Weihnachtsbier schien ebenso gut zu munden wie die heiße Schokolade, der heiße Backfisch hatte neben dem kalten Fischbrötchen seine Berechtigung, genauso wie die heißen Crêpes neben dem kalten Hund. "Das ist ja fast das schönere Stadtfest", war eine Einschätzung, die von Marktbesuchern so oder ähnlich nicht nur einmal zu hören war.

Trotzdem kamen angesichts der Musik, der Deko und der Düfte, die um einige Häuschen "zogen", Weihnachtsgefühle auf. Vor der Bühne an der Alten Kirche wurde es bereits am Freitagabend eng, denn beim Christmas-Open-Air wurden nicht nur Songs aus den aktuellen Charts geboten, sondern auch die Pop-Klassiker zum Fest. Im Inneren des Gotteshauses suchten derzeit viele Marktgänger bei "Night-Fever" Entschleunigung. Die von den Besuchern entzündeten Kerzen, Musik und Gesang schienen zeitweise wie aus einer anderen Welt. Sobald man durch das Kirchenportal wieder nach außen trat, stimmte einen die Weihnachtsbeleuchtung festlich. Aber auch die Dekoration der Häuschen und die angebotenen Waren trugen zum Weihnachtsfeeling bei.

Während eine Anbieterin in ihrem Holzhaus alles "Handmade in Dengmert" verkaufte, bot die "Multipe Sklerose Selbsthilfegruppe" Holzengel, -elche, -krippen und noch einiges mehr an. Die Inhaberin des Ateliers Flolina hatte ihr Häuschen in Fleißarbeit mit zahlreichen Lebkuchen aus Salzteig verziert. Selbst gehäkelte und gestrickte Mützen, selbst genähte Schals, selbst hergestellte Liköre, Marmeladen, Chutneys, Öle, Seifen, Adventssterne, Schmuck, Karten waren längst noch nicht alles, was es zu schauen und zu kaufen gab. Einiges davon wird wohl als Geschenk unterm Christbaum wiederzufinden sein. Die St. Ingberter nutzten den Markt aber auch als Treffpunkt mit Familie und Freunden, um sich kurz vor den Feiertagen zu sehen und vor einem geplanten Urlaub bereits einen "Guten Rutsch" zu wünschen. Den syrischen Flüchtlingen, die erstmals den St. Ingberter Markt besuchten, schien er zu gefallen. Da bekam der Wunsch nach "Friedvollen Festtagen" nochmal eine neue Dimension.