Bienensterben: Was unseren Bienen wirklich hilft

Tipps eines saarländischen Imkers : Was Wild- und Honigbienen wirklich hilft

Das Bienensterben schockt seit Jahren. Doch was kann man ganz konkret tun, um den Bienen zu helfen? Unser Autor Benno Weiskircher ist Imker. Er gibt wertvolle Tipps.

Für die Imker brachten schon einige Tage im Frühling mit reichlich Sonnenschein und mit Temperaturen über der 20-Grad-Marke Hoffnung auf ein gutes Bienenjahr. Eine erfreuliche Nachricht – doch wie steht es mit dem Schutz der Fluginsekten im Allgemeinen? Neben der Honigbiene ist eine Vielzahl von Fluginsekten unterwegs, bestäubt Obstbäume, Sträucher und sammelt Honig und Pollen für ihren Nachwuchs. Die Insekten haben damit eine wichtige ökonomische Bedeutung als Blütenbestäuber und nehmen eine ökologische Schlüsselrolle ein.

Das Thema Insektensterben beschäftigt Imker und andere naturverbundene Menschen gleichermaßen. Die Folgen des Insektensterbens gehen weit über die „Bestäubungskrise“ hinaus. Auch Vogelarten wie Blaukehlchen, Mehlschwalbe oder Dorngrasmücke, die ohnehin schon unter der Zerstörung ihrer Lebensräume zu leiden haben, werden bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme bekommen, genügend Nachwuchs aufzuziehen. Keine schöne Perspektive, zumal auch in anderen Regionen Deutschlands die Bestandsentwicklung bei den Fluginsekten rückläufig ist.

Was ist zu tun? Während die Imker dem Bienensterben durch gezielte Maßnahmen bei ihren Honigbienen entgegenwirken können, sind Wildbienen und andere Fluginsekten auf sich allein gestellt. Die von Menschen errichteten Bienen- und Insektenhotels sind eine willkommene künstlich geschaffene Nist- und Überwinterungshilfe für Wildbienen, Hummeln und Wespen. Dies reicht aber angesichts der weiter schwindenden Insekten nicht aus. Eine Möglichkeit, dem Insektensterben entgegenzuwirken, könnte in der zusätzlichen Anpflanzung geeigneter Insektennahrung liegen. Nicht nur wir Menschen schlemmen gern, auch Insekten brauchen reichlich Nahrung. Leider gibt es in unserer Landschaft für Biene, Hummel und Co. immer weniger Nahrungsangebote – Zeit, das zu ändern. Dafür kann jeder etwas tun, zum Beispiel mit einem blütenreichen Insektenbuffet für Balkon oder Garten. Um den kleinen Brummern und Summern etwas Gutes zu tun, eignen sich für den Garten sogenannte Bienenweiden.

Ein mit Drohnenbrut besetzter Rahmen, auf dem im oberen Teil frischer Honig eingetragen wurde. Foto: Benno Weiskircher

Es muss nicht immer der große Garten sein, der unseren Bienen und Insekten einen Lebensraum und ausreichend Nahrung bieten kann. Ein bienenfreundlicher Balkon kann Mensch und Insekt erfreuen. Auf die richtigen Pflanzen kommt es aber an (siehe Info). Bei der Auswahl der Balkonpflanzen sollten drei Grundregeln beachtet werden: Sortenvielfalt statt Monokultur, sowohl früh, mittel, als auch spät blühende Arten anpflanzen, nicht alles was schön ist und duftet, schmeckt den Insekten auch. So stillen nur Pflanzen mit ungefüllten Blüten den Hunger unserer Bienen. Gefüllte Blumensorten wie Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen bieten keine oder nur wenig Nahrung für die Bienen.

Der elfjährige Luis Weyrich interessiert sich seit dem vergangenen Jahr für die Imkerei und gehört auch der Bienen-AG seiner Schule an. Kenntnisse sammelt er bei einem Imker. Hier prüft er den Zustand eines Drohnenrähmchens. Foto: Benno Weiskircher

Fenstersims und Balkonkasten können ein geeigneter Standplatz für das Nahrungsangebot sein. Küchenkräuter im Pflanzkasten auf dem Sims verfeinern nicht nur die Mahlzeiten der Bienen, sie sind auch eine tolle Nahrungsquelle für den Menschen.

Das steigende Interesse und die Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit zum Bienen- und Insektensterben hat viele Händler veranlasst, Pflanzen auch mit einem Bienensymbol und damit als insektenfreundlich zu kennzeichnen. Also beim Pflanzenkauf auf Insektenfreundlichkeit achten.

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