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Die Oysterband verwandelte den Homburger Musikpark in einen großen Pub

Im Musikpark Homburg : Feiern mit der Oysterband wurde zum Abend unter Freunden

Es gibt Konzertmomente, da fühlt man sich ab dem ersten Ton einfach zu Hause. Genau einen solchen Moment erlebten rund 200 Gäste am Samstagabend im Homburger Musikpark zusammen mit der Oysterband. Seit mehr als 40 Jahren ist die Formation um ihren charismatischen Frontmann John Jones auf den Bühnen der Welt unterwegs, mit ihrem einzigartigen Folk-Rock, der auch beim Auftritt in Homburg immer wieder Genre-Grenzen überwand.

Grenzen, leider neue, waren dann auch ganz kurz im Spotlight, als Gründungsmitglied Ian Telfer, der Geiger der Band, den nun vollzogenen Brexit seiner Heimat mit einem Schlag gegen den Kopf kommentierte. Vielmehr brauchte es da nicht um zu wissen, was man bei der Oysterband von der Abkehr Großbritanniens von Europa hält.

Überhaupt hielten sich John Jones (Gesang und Melodeon), Alan Prosser (Gitarre und Gesang), Ian Telfer (Violine, Keyboard und Concertina), Al Scott (Bass, Gitarre und Mandoline), Adrian Oxaal (Cello, Bass und Gitarre) sowie Pete Flood (Schlagzeug) nicht wirklich viel mit Worten auf, zumindest nicht mit gesprochenen. Ein kurze Anmoderation hier, ein paar einleitende Wort hier – und dann wurde gefeiert, auf und vor der Bühne. Dabei wirklich faszinierend: Eine Aufwärmphase zwischen Band und Zuhörern gab es keine Sekunde lang, ab dem ersten Ton ging das Publikum mit, es wurde mitgeklatscht, mitgetanzt. Ein Gast brachte es so auf den Punkt: „Das ist wie in einem großen englischen Pub.“ Ein andere nannte den Abend ein „echtes Bierkonzert“. Tatsächlich war es schwierig, die einzigartige Stimmung, die die Oysterband bei ihrem erneuten Auftritt im Musikpark verbreitete, zu beschreiben. Man fühlte sich einfach vom ersten Moment an wohl, war irgendwie unter Freunden, auch wenn man den Nebenmann oder die Nebenfrau nun gar nicht kannte. Das hatte was.

John Jones und seine Band lieferten den Soundtrack zu diesem „Abend unter Freunden“ – und das in der gewohnt mitreißenden Manier einer Band, die seit ihrer Gründung 1976 ihren Weg an die Spitze der Folk-Rock- und Roots-Rock-Szene gemacht hat. Mehrstimming im Gesang mit hohem Gänsehaut-Faktor, melodisch immer wieder geprägt von Ian Telfers charakteristischem Geigenspiel, mehr als einmal kraftvoll nach vorne getrieben von Alan Prossers Gitarre und getragen von John Jones fast schon magischer Stimme. Die drei Gründungsmitglieder der Oysterband gaben, ohne die Profession ihrer Mitmusiker in Abrede zu stellen, den Ton an. Und der war vielfältig. Bis auf Schlagzeuger Pete Flood und Alan Prosser waren alle multiinstrumental unterwegs. Das schaffte immer wieder neue Klangbetten, in die man sich hineinlegen konnte. Mal melancholisch, mal rockig, in den Texten nie belanglos, immer buchstäblich bewegend.

Was die Oysterband ausmacht, das ist natürlich auch das Gewicht ihrer Themen. Auch wenn man es sich bei einem Oysterband-Konzert bestens mit einem Bier irgdnwo im Saal bequem machen kann, die Texte selbst zeugen immer wieder von Sozialkritik, so bei „Here comes the Flood“, der mit John Jones Stimme deutliche Worte findet für das Heute. „Factories in the Phillipines, cutting holes in brand new jeans. For cutting edge consumers. Rich kids in the West you see, they have no sense of irony. And I‘m losing my sense of humour.“ Von Fabriken auf den Phillipinen sang Jones da am Samstag, die Löcher in nagelneue Jean schnitten – für „innovative Konsumenten“, für reiche Kids im Westen. Und wenn es nicht um Kritik an den herrschenden Zuständen ging, dann ging es ums pure Leben. Und was der Samstag auch klar machte: Die zahlreichen Wechsel in der Besetzung rund um die Gründungsmitglieder Jones, Telfer und Prosser haben mit zu einer erstaunlichen Entwicklung der Band in den vergangenen mehr als vier Jahrzehnten beigetragen. Von den Anfängen als „The Oyster Ceilidh Band“ (Unter Ceilidh versteht man heute in Irland und Schottland meist eine besondere Tanzveranstaltung) bis heute hat die Formation unglaublich an Musikalität und Tiefe hinzugewonnen.