1. Saarland

Retten, was noch zu retten ist

Retten, was noch zu retten ist

Ich wollte immer schon mal an einer nicht-öffentlichen Sitzung teilnehmen. Das ist mir am Donnerstagabend gelungen. Ausnahmsweise im großen Saal des Dudweiler Bürgerhauses tagte - eigentlich öffentlich - der Bezirksrat. Bloß, man verstand nichts. Somit war die Veranstaltung ziemlich geheim. In schöner Eintracht saßen die Fraktionen beisammen, jedes Mitglied ein Mikrofon vor der Nase

Ich wollte immer schon mal an einer nicht-öffentlichen Sitzung teilnehmen. Das ist mir am Donnerstagabend gelungen. Ausnahmsweise im großen Saal des Dudweiler Bürgerhauses tagte - eigentlich öffentlich - der Bezirksrat. Bloß, man verstand nichts. Somit war die Veranstaltung ziemlich geheim. In schöner Eintracht saßen die Fraktionen beisammen, jedes Mitglied ein Mikrofon vor der Nase. Die Vertreter der Presse durften derweil an einem Tisch wenige Meter dahinter Platz nehmen. Nun kamen aber an diesem Tisch - wenn überhaupt - nur Wortfetzen an. Man wünscht sich in einem solchen Moment Ohren groß wie Fleischplatten, weil es ungeheuer anstrengend ist, einen zusammenhängenden Satz zu verstehen. Die Akustik im Bürgerhaus ist dermaßen lausig, dass man vielleicht mal einen Fachmann bestellen sollte, der es richtet.So viel allerdings war während der Sitzung zu hören: Auf Gemeinwesenarbeit, wie sie in anderen Stadtteilen längst etabliert ist, muss Dudweiler offenbar noch lange warten, obwohl betrübliche Fakten geradezu danach schreien, ein solches Projekt im Stadtbezirk zu realisieren. Denn wie auch am Donnerstag Bezirksbürgermeister Walter Rodermann meinte, ist die Armut im Zentrum von Dudweiler kaum zu übersehen. Der Anteil insbesondere der arbeitslosen Jugendlichen ist alarmierend, lediglich in Burbach ist er höher. Unverhältnismäßig viele Leute sind von Sozialhilfe abhängig, und es gibt nicht wenige Kinder, die man als "seelisch behindert" einstuft. Der Bedarf an Leistungen der Jugendhilfe hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, weil Eltern überfordert sind oder sich nicht kümmern.

All dies verlangt nach finanziellem Engagement der Landeshauptstadt. Um Fachleute zu bezahlen, die vor Ort Hilfe leisten, um zu retten, was noch zu retten ist. Der Bezirksrat will nun noch einmal insistieren, um die Gemeinwesenarbeit durchzusetzen. Denn Sparen am falschen Ende kann gewiss nicht die Lösung sein.