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Danke, Schwester Ulrika
Tränenreicher Abschied von Hüttigweiler

Der Abschied von Schwester Ulrika ist schwer gefallen. Tränen flossen im Hüttigweiler Gasthaus Bamert. Von Benno Weiskircher

Hüttigweiler  44 Jahre hat die Mainzer Ordensschwester Ulrika in Hüttigweiler gewirkt, nun kehrt sie in ihr Mutterhaus nach Mainz zurück. „Ich komme nicht zum Packen, den ganzen Tag kommen Leute, die sich verabschieden wollen“, erzählte Schwester Ulrika am Donnerstagabend bevor sie sich zur Feier begab. Der Ortsrat hatte ins Gasthaus Bamert eingeladen und viele kamen, um ihr Tschüss zu sagen. Eine Verabschiedung, wie sie Hüttigweiler wohl nur selten erlebt hat.


Bereits vor der Gaststätte hatten sich Menschen versammelt, die sich bei der Ordensfrau für die geleistete Hilfe in all den Jahren bedankten. Nicht nur Hüttigweiler Bürger waren zahlreich erschienen, um sich von ihr zu verabschieden. Schwester Ulrika musste viele Hände schütteln, sich drücken lassen, wurde reich beschenkt und nahm die guten Wünsche für ihre Zukunft entgegen. Als sie anschließend den Saal betrat, der Mandolinenclub die Veranstaltung mit einem Musikstück eröffnete, die Gäste im überfüllten Raum ihr herzlich applaudierten, musste Schwester Ulrika ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Weinend nahm sie Platz und lauschte gerührt den Klängen des Orchesters.

In seiner Begrüßung stellte der Hüttigweiler Ortsvorsteher Guido Jost noch einmal die Verdienste der Schwester heraus, die sie insbesondere in der Sozial- und Seniorenarbeit geleistet hat. „Aber vor allem ihre Hilfe im Stillen, bei ihrer Arbeit in der Sterbebegleitung und die Nachtwachen waren für so vielen Menschen in schweren Stunden eine wertvolle Unterstützung,“ dankte Jost der Ordensfrau für ihre segensreiche Tätigkeit. Jost hielt sich auch mit Kritik an Pfarrer Dietmar Bell nicht zurück. Er sprach von Unwahrheiten, Verleumdungen, übler Nachrede - und dass er sich schäme, dieser Pfarrgemeinde anzugehören. Jenseits allen Ärgers schlossen sich dem Dank Josts auch die Fraktionen im Ortsrat an. Für die SPD überreichte Thomas Schaller einen Präsentkorb. „Sie waren eine Person, die immer zur Stelle war, wenn sie gerufen wurden. Vergessen werden wir sie nie“, sagte Waldemar Dörr (CDU) und schenkte ihr zum Abschied ein Holzkruzifix. „Mit ihrem Wirken haben sie die Welt in unserer Gemeinde heller gemacht“, stellte Bürgermeister Armin König fest. Mit einer Ehrenurkunde wurde Sr. Ulrika von Ortsvorsteher Guido Jost und dem Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins für ihre besonderen Verdienste um den Ort ausgezeichnet.



Überwältigt von den vielen guten Wünschen und dem vielfachen Dank war die Ordensfrau zunächst nicht in der Lage zu den Menschen im Saal zu reden. Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Ich kann nichts sagen, es fällt mir so schwer.“ Und dann stellte sie mit Tränen erstickender Stimme fest: „Ich will nicht, dass man etwas nachträgt, das kann ich nicht. Ich bin froh, dass der ganze Spuk vorbei ist, und freue ich jetzt auch auf das Mutterhaus.“ Ein Satz, der nach den Querelen in der Vergangenheit von den Abschiedsgästen mit kräftigem Applaus bedacht wurde.

In der für sie eigenen Art fügte Schwester Ulrika wieder etwas gefasster hinzu: „Ich war 44 Jahre in Hüttigweiler mein eigener Herr, in Mainz werden es meine Mitschwestern mit mir nicht leicht haben.“ Als die Menschen im Saal diese Bemerkung mit lautem Lachen honorierten, kehrte auch das Lachen in ihr Gesicht zurück. Sie beschloss damit den offiziellen Teil der Verabschiedung. Für Ortsvorsteher Guido Jost blieb nur noch die Feststellung: „Wir vergessen sie nicht und bleiben auch in Verbindung mit Ihnen.“