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Jugendliche leben Demokratie:
Junge Menschen entwickeln Visionen

 Die Teilnehmer am Projekt „Meine (neue) Heimat“ mit Projektleiterin Anne Aussem.
Die Teilnehmer am Projekt „Meine (neue) Heimat“ mit Projektleiterin Anne Aussem. FOTO: Katha Janoschek / Katja Janoschek
Spiesen-Elversberg. Im Projekt „Meine (neue) Heimat“ in Spiesen-Elversberg werden Jugendliche dazu motiviert, ihre Bedürfnisse in der eigenen Gemeinde darzustellen und sich dafür einzusetzen.

Der Wasserhahn tropft schon ewig, das Silikon im Bad müsste erneuert werden, der Keller aufgeräumt. Wir alle kennen die Schwachstellen in unserer Umgebung, brauchen aber zuweilen einen Anstoß oder Motivationsschub, um die Dinge anzugehen. Nicht anders ist es in der eigenen Gemeinde. Um sowohl den einheimischen als auch den zugezogenen Jugendlichen in Spiesen-Elversberg die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrem (neuen) Heimatort konkret auseinanderzusetzen, Missstände von Orten und Plätzen aufzuzeigen, und Veränderungsvorschläge direkt an die Politik weiterzugeben, wurde das Projekt „Meine (neue) Heimat“ vom Sozialpädagogischen Netzwerk der Arbeiterwohlfahrt ins Leben gerufen, gefördert im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


In fünf Gruppen schwärmten die Jugendlichen, die meisten Besucher des Jugendtreffs und Schüler der Albert-Schweizer-Schule, mit Kameras aus, um ihre Umgebung zu ergründen und die Orte ihrer Heimat nach verschiedenen Kriterien und aus unterschiedlichen Perspektiven zu begutachten und zu dokumentieren. So kristallisierten sich Lieblingsplätze, hässliche Orte, die gemieden werden und Verbesserungspotenzial haben sowie Erinnerungsareale heraus, welche zu Schwerpunktthemen führten, wie Maßnahmen gegen die Vermüllung verschiedener Flecken in der Gemeinde, die Planung einer Skaterbahn oder eines Graffitwettbewerbs an der langen, nicht einladenden Wand der Unterführung am Kaufpark.

Der Galgenbergturm als leider zumindest teilweise verwahrlostes Wahrzeichen von Spiesen-Elversberg ergab großes Diskussionspotential, da er als Freizeitort attraktiv wäre, aber für die Öffentlichkeit kaum noch zugänglich und ungepflegt ist. Andererseits steht eine wunderschöne, hochwertige Wellenbank zum Verweilen und Genießen direkt an der verkehrsreichen Hauptstraße mit Aussicht auf den Hundekotmülleimer. Da hätte man sicherlich einen besseren Platz finden können, ist die einhellige Meinung der Jugendlichen. Dagegen ist ein anderer Ort durchweg als positiv empfunden worden – es ist überraschenderweise der Friedhof in Spiesen mit seiner schönen Aussicht und der einladenden Atmosphäre. Auch die Waldstrecken um das CFK-Freizeitzentrum mit Geocachingmöglichkeiten werden von den jungen Leuten geschätzt.



Geplant ist, die entstandenen Bilder auf Leinwand zu drucken und mit Visionen und Veränderungsvorschlägen in einer Ausstellung im Rathaus zu zeigen und zu diskutieren, unter anderem mit den Kandidaten der 2019 anstehenden Bürgermeisterwahl. Mit dem positiven Erleben der eigenen politischen Beteiligung liegt die Zukunftsvision auf der Bildung eines Jugendbeirates der Gemeinde Spiesen-Elversberg, der sich aktiv und nachhaltig für die Belange der jungen Generation einsetzen kann. Denn nur durch Partizipation, also über die Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten, ist Demokratie erfahrbar.

Mit dem Ziel, demokratische Prozesse zu erleben und mitzugestalten werden die Jugendlichen ermutigt, ihre Themen und Interessen einzubringen, mit anderen zu diskutieren und gemeinsam mit der Kommunalpolitik Lösungen zu erarbeiten. Demokratische Beteiligung befähigt zur Selbstbestimmung sowie zur gesellschaftlichen Mitverantwortung und sozialem Engagement – für unsere Zukunft.