Blühende Landschaften

Die „Neuerfindung der Bergmannskuh“ ist ein Symbol für eine Rückkehr zur kleinflächigen Landwirtschaft. Für diese Zwecke kauft der Zweckverband Lik.Nord geeignete Grundstücke im Raum Stennweiler.

Die Augen von Uli Heintz strahlen bei diesem Anblick: eine lila blühende Wiese, so groß wie ein Fußballfeld, ein Eldorado für Wildbienen und Schmetterlinge. Der Geschäftsführer von Lik.Nord hat die SZ kurzfristig zum Ortstermin "Blühende Landschaften" eingeladen. Denn nur noch ein paar Tage ist diese Pracht, im Fachjargon Borstgrasrasen, zu bewundern. Dann wird diese Wiese unterhalb des Stennweiler Wohngebiets In der Schlanggasse mit dem lila blühenden Teufelsabbiss gemäht sein. Das einzige Mal in diesem Jahr. Total unüblich in der modernen Landwirtschaft, erklärt Heintz. "Der Druck auf die Landwirte wächst, früher und öfter zu mähen, um mehr Ertrag zu haben." Dazu müssen die Wiesen gedüngt werden. "Dünger ist tödlich für den Artenreichtum ." Das soll kein Vorwurf an die Landwirte sein, die haben es angesichts fallender Milch- und Getreidepreise ohnehin schwer genug.

Ein Ziel von Lik.Nord, dem Zweckverband Landschaft der Industriekultur Nord, ist es aber auch, für das Projekt interessante Grundstücke zu erwerben und sie bei Bedarf gegen andere auszutauschen. "Wir entziehen den Landwirten keine Flächen. Es wird im Gegenteil mehr Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden können", sagt Heintz. So werden im Herbst etliche verbrachte Obstbaumwiesen freigestellt. Allein im Raum Schiffweiler sollen rund 50 000 Quadratmeter vom Unterholz befreit und somit wieder nutzbar werden. Schade nur, dass es schon lange kein einträgliches Geschäft mehr ist, die Äpfel, Birnen und Zwetschgen zu ernten und zu verarbeiten. "Das ist einfach zu zeitintensiv", bestätigt Michael Klein. Mit seinem Sohn Simon bewirtschaftet Klein den Zeisweiler Hof. Seit Generationen, "bestimmt schon 150 Jahre", sei der Hof in Familienbesitz, erzählt Michael Klein stolz. Vater und Sohn nutzen den Termin mit dem Lik-Geschäftsführer, um das weitere Vorgehen beim zweiten Schwerpunkt des Projektes "Neuerfindung der Bergmannskuh" (siehe Info) zu besprechen. Hier stehen die Fließgewässer im Mittelpunkt. Hindernisse wie etwa Fichten, die dort nichts zu suchen haben, werden beseitigt, Raum für ursprüngliche Arten geschaffen.

Allmählich bekommt die Arbeit von Lik.Nord ein Gesicht, wird für die Menschen konkreter. "Wir wollen nicht im Verborgenen arbeiten", nennt Heintz eine "wichtige Botschaft". So genannte Entdeckerpfade - einer davon wird auch an der lila Blumenwiese vorbeiführen - sollen den Menschen zeigen, welches Potenzial in der Region steckt. Übrigens kommen viele Arten wieder, die Jahrzehnte lang verschwunden waren. Die Samen sorgen dann für "Blühende Landschaften."

Zum Thema:

Landwirt Simon Klein, Lik.Nord-Geschäftsführer Uli Heintz und Schiffweilers Bürgermeister Markus Fuchs (von links) schauen auf der Landschaftskarte nach, wo demnächst Obstbaumwiesen von Unterholz befreit werden sollen.

Hintergrund Neuerfindung der Bergmannskuh: Fast jeder Bergmann im Saarland hatte früher einen eigenen kleinen Gemüsegarten und meist auch ein paar Tiere zur Selbstversorgung. Die Bergmannskuh, eigentlich eine Ziege, steht symbolisch für die Wiederbelebung dieser Tradition. Hobby-und Berufslandwirte und Tierhalter werden benötigt, um das fruchtbare 424 Hektar große Land rund um die ehemaligen Bergbaustandorte Schiffweiler, Landsweiler, Stennweiler und Heiligenwald mit seinem Artenreichtum zu bewirtschaften. Die so gewonnenen, regional erzeugten Produkte sollen auch verkauft werden. Quelle: Lik.Nord