Kein Pieps zu hören

Neunkirchen · Die Vogelhäuschen und Futterplätze in den Gärten sind in diesem Jahr fast überall verwaist. Heimische Singvögel gibt es kaum. Vogel- und Naturschützer kennen den Grund dafür, wissen aber auch, woran es nicht liegt.

 Ein seltenes Bild dieser Tage: Eine Kohlmeise sucht am Vogelhäuschen nach Futter. Foto: Holger Hollemann/dpa

Ein seltenes Bild dieser Tage: Eine Kohlmeise sucht am Vogelhäuschen nach Futter. Foto: Holger Hollemann/dpa

Foto: Holger Hollemann/dpa

Es ist schon ein trauriges Bild in vielen Gärten. Denn wo sich sonst Vögel tummeln, um Sonnenblumenkerne, Haferflocken und andere Körner zu futtern, ist es in diesem Jahr vielerorts still. Das Futter in den Vogelhäuschen muss nicht nachgefüllt werden, die Meisenknödel sind noch immer prall gefüllt, denn es sind kaum Vögel da. Arten wie Blaumeise, Buchfink und Kohlmeise, die sich normalerweise zu dieser Jahreszeit in Hülle und Fülle in den Gärten tummeln, glänzen in diesem Jahr durch Abwesenheit. Kein regionales Phänomen, wie der Nabu auf seiner Internetseite erklärt, sondern im ganzen Land seien derzeit auffallend wenig Vögel zu sehen.

Das hat man auch beim Natur- und Vogelschutzverein Ludwigsthal bemerkt. "Wir haben beim Säubern der Brutkästen im vergangenen Jahr festgestellt, dass die Brut häufig verlassen oder aufgegeben wurde", erklärt Robert Pillong von den Ludwigsthaler Vogelschützern. Die Eier wurden also entweder nicht bis zum Ende ausgebrütet, oder die jungen Vögel wurden zurückgelassen. Die Vögel hätten zu wenig Nahrung für den Nachwuchs gefunden, fügt Pillong hinzu. "Es war im März, April und Mai zu kalt und zu nass, sodass es zu dieser Zeit zu wenig Insekten gab, die die Vögel hätten verfüttern können. Und auch sonst fanden sie kaum Nahrung", weiß der Experte, der auch festgestellt hat, dass die Anzahl der Buchfinken und Kernbeißer abgenommen hat. Pillong kann sich nicht erinnern, dass es schon einmal ein Jahr gab, in der es derart wenig Vögel gab, mit Ausnahme von Amseln. Von denen gebe es nach wie vor viele.

Dass der Rückgang der heimischen Singvögel auch mit einer wachsenden Population von Krähen zusammenhängt, ist für SZ-Leser Fred Heck "nicht von der Hand zu weisen". Er wohnt in der Nähe des Zentralfriedhofs in Furpach und hat festgestellt, dass sich dort "die Zahl der Krähen seit Frühjahr letzten Jahres drastisch erhöht hat". Bei der Stadt Neunkirchen kenne man die Problematik mit den Krähen am Friedhof zwar, sagt Stadtpressesprecher Markus Müller, genaue Daten über die Anzahl gibt es allerdings nicht. Vonseiten der Stadt wird darauf hingewiesen, dass das Füttern der Krähen verboten ist, denn das lockt die Tiere an. Bei Zuwiderhandlung droht ein Platzverbot für den gesamten Friedhof.

Dass die Vielzahl der Krähen dort auf Singvögel Einfluss hat, will Robert Pillo ng nicht ausschließen. "Krähen und auch Elstern sind Nesträuber und haben keine natürlichen Feinde, abgesehen vom Milan. Und der kommt bei uns nicht vor", so Pillong.

Wie der Nabu online mitteilt, werde häufig die Vogelgrippe oder das Usutu-Virus als Ursache für den Rückgang vieler Vogelarten vermutet. "Die Vogelgrippe kann aber ausgeschlossen werden, denn bisher wurde sie nicht an Singvögeln nachgewiesen", heißt es beim Nabu. Betroffen davon seien vor allem Wasservögel, daneben Aasfresser wie Möwen und Greifvögel. "Selbst diese sterben nur in so geringer Zahl, dass sie keinen Einfluss auf die Populationsgrößen haben", heißt es weiter. Robert Pillong hofft auf besseres Wetter in diesem Frühjahr, damit im Winter rund um die Vogelhäuschen wieder ordentlich was los ist.