| 20:39 Uhr

Eulenspiegel
Ein Abend voller Premieren

Knorze und Storze alias Dieter Halter (rechts) und Siegfried Ahr hatten Probleme mit einem Anzug mit zwei Hosen.
Knorze und Storze alias Dieter Halter (rechts) und Siegfried Ahr hatten Probleme mit einem Anzug mit zwei Hosen. FOTO: Jörg Jacobi
Furpach. Die Furpacher Eulenspiegel haben sich neu aufgestellt. An diesem Samstag ist die zweite Sitzung. Von Elke Jacobi

Flöhe hüten ist leichter. Das ist gewiss. Allerdings macht es lange nicht so viel Spaß wie neun putzige Zwerge zum Gruppenbild zu arrangieren. Selina Kist und „Schneewittchen“ Natascha Simon jedenfalls sind die Geduld in Person, als es darum geht, die kleine Rasselbande für die Ewigkeit zu arrangieren. Im vierten Jahr bereits kümmern sich die jungen Trainerinnen um die Jüngsten des Furpacher Karnevalsvereins Die Eulenspiegel – nix Neues also für sie, die jungen Damen zu händeln. Die sind zwischen drei und sieben Jahre alt.


Für die kleine Jolie, mit süßen drei die jüngste im Aktivenbunde der Karnevalsgesellschaft, ist es der erste Auftritt. Sie nimmt’s gelassen. Als die kleinen Tänzerinnen später um 20.11 Uhr den Eisbrecher machen, merkt man ihr an, welchen Spaß ihr das Ganze macht. Auch, wenn sie mal hier und da oder auch nach dem am Bühnenrand knieenden Schneewittchen schielen muss – nicht nur mit ihrem Purzelbaum erobert sie die Herzen der Besucher in der Hirschberghalle im Sturm.

Wie im Übrigen alle neun Zwerge – die sich gleich schon mal vorm offiziellen Einmarsch der Akteure nicht nur eine Tüte Gummibärchen pro Zwerg, sondern gleich auch schon die erste Rakete des Abends verdienen.



Mit Sitzungspräsident Fabian Müller ist der zweite Neuling des Abends auf der Bühne. „Ich wünsche allen Narren heut eine schöne Narrenzeit“, geht es dem ehemaligen Prinzen und jüngsten Sitzungspräsidenten des Neunkircher Karnevalsausschusses (NKA) die erste Begrüßung locker über die Lippen.

Einmarsch, Ausmarsch – und es wird laut. Vom Bruderverein KUV aus Wiebelskirchen ist die Gruppe Hörsturz gekommen – da hält es am Prominententisch auch Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried nicht auf dem Sitz. Währenddessen nutzt der ein oder andere Gast die Gelegenheit, ein lecker Hackschnittchen im Foyer zu verdrücken. Hier wie überall: jede Menge neue Gesichter. Der Vorsitzende der Eulenspiegel erklärt’s der SZ: „Wir haben ein neues Team, das seit Mai letzten Jahres den Vorstand führt.“ Alles sozusagen noch in der Kennenlern- und Übungsphase. Flätchen ist stolz auf den Sitzungspräsidenten und seine Truppe. „Wir wachsen von Tag zu Tag mehr zusammen und wachsen mit unseren neuen Aufgaben.“

Im Saal wächst derweil die Stimmung. Nach dem Marschtanz der zehn Tänzerinnen aus Jugend- und Juniorengruppe kommt Premiere Nummer drei.

Der zehnjährige Collin Scherer hält die erste Büttenrede seines Lebens. Das ist den Besuchern aller Ehren und Fabian Müller eine Rakete wert. Nach den vier Mariechentänzerinnen kommt dann Premiere Nummer vier. Der alte Hase Dieter Halter („seit 55 Jahren in der Bütt“) kommt gemeinsam mit Siegfried Ahr. Der Elferratssprecher verrät dem Publikum: „Da musste ich 64 Jahre alt werden, um zum ersten Mal in die Bütt zu gehen.“ Trainiert werden die beiden im Übrigen von Urgestein Patrick Schreier. Eulenspiegel-Fans beziehungsweise -Historiker werden sich erinnern, dass Schreier nicht nur lange Jahre Sitzungspräsident war, sondern auch durch seine grandiosen Büttenreden (unvergessen die Krankenschwester mit der „Spritz, hinne dick unn vorne spitz“) unvergessen bleibt.

Unvergessen ob seines aktiven Einsatzes mag auch OB Fried die erste Eulenspiegel-Kappensitzung der Session bleiben. Denn das Geschehen mit Schautänzen, Märschen und Musik spielte sich längst nicht nur auf der Bühne ab. Dort sorgten ein Pilgervater, eine Pilgermutter, eine Piratin, zwei Elferräte und ein Clown – alias die Katastrophoniker – für Schunkellaune, sangen das Sessionslied 2018: „Ich wart’ seit Wochen auf diesen Tag, weil ich die Fasnacht beim Eulenspiegel mag“, und ließen die Eulenspiegel-Elferräte und die Gäste vom Bruderverein Rote Funken nicht nur den OB schnappen zur Polonäse durch den Saal. Der halbe Saal war auf den Beinen und gröhlte mit „Kein Ende in Sicht“.

Auch in der zweiten Hälfte gab es es der Neuerungen und Überraschungen noch einige. Das Männerballett des Kneipp-Vereins trat 16 Mann hoch als neues Mitglied und neue Sparte den Eulenspiegeln bei – das gab’s auch noch nie. Sein Können als Büttenredner hatte Schreier auch an Isabelle Flätchen (5-Sterne-Klofrau) und Melanie Scherer weitergegeben. Letztere war dann mit ihrem ersten Auftritt in der Bütt die siebte und  letzte Premiere des Abends. Nach Sketch, Büttenreden, Männerballett kamen die Sänger nach der Pause noch einmal, bevor dann die Tillgarde zum großen Finale überleitete. Und alle dem Moment entgegenfieberten, als sich der Vorhang des roten Kastens in der Ecke hinten rechts öffnete und die Sektbar eröffnet war.

Eine zweite Sitzung findet an diesem Samstag statt – und wie Vorsitzender Flätchen der SZ verraten hat, hat die dann sogar noch zwei, drei Programmpunkte mehr.