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Auch in Neunkirchen gibt es „Flirt-Feiglinge“

Auch in Neunkirchen gibt es „Flirt-Feiglinge“

Jemanden ausfindig machen, den man sich im echten Leben nicht anzusprechen traute, Informationen zu den unglaublichsten Dingen suchen: So genannte „Spotted“-Seiten auf Facebook werden immer beliebter.

Hi, ich hab dich heute am 21. September am brunnen in nk gesehen...du warst barfuss und hast eis gegessen...ich war n bisschen geflashed von dir = wuerd dich ja schon gern kennen lernen.vielleicht ja bis bald." Das ist ein unbearbeiteter aktueller Eintrag aus der Facebook-Gruppe "Spotted Neunkirchen Saar", der mitgliederstärksten Gemeinschaft dieser Art im Landkreis. Aktuell wird in dieser Gruppe noch eine "3-4 zkb Wohnung bis 480 euro warm in ottweiler oder wiebelskirchen" ebenso gesucht wie jemand, der "nächstes Jahr nach dem Abitur oder Abschluss work and travel in Australien oder Amerika" macht.

Die drei Beispiele geben eine Idee, worum es bei "Spotted" geht. Vom englischen Verb to spot, zu deutsch orten, abgeleitet, dienen die Internet-Gemeinschaften dazu, jemanden mit der Hilfe anderer Internetnutzer ausfindig zu machen: einen heimlichen Schwarm, einen alten Schulfreund oder Menschen mit ähnlichen Interessen. "Flirt-Feiglinge", nannte der Spiegel solche Leute deshalb einmal etwas gehässig. Seit Jahren schon erfreuen sich diese Facebook-Seiten großer Beliebtheit. In den insgesamt vier "Spotted"-Gemeinschaften im Landkreis tummeln sich mittlerweile mehr als 20 000 Personen, so viele wie in keinen anderen lokalen Facebook-Gemeinschaften.

Unter den von den ehrenamtlichen Verwaltern der Seiten in der Regel anonym eingestellten Beiträgen findet sich auch so manches Kurioses. Eine junge Frau sucht da zum Beispiel eine 20- 38 Jahre alte "Treuetesterin", 1,70 Meter groß mit "normaler Figur". Die Verfasserin des Beitrags hegt nämlich den "Verdacht, dass mein Freund mir fremd gehen würde". Die Treuetesterin solle deshalb "Beweise bringen" und "aufs Ganze" gehen. Ein Nutzer, der sich hinter einem Pseudonym verbirgt, schreibt: "Hallo, Ich bin auf der Suche nach einer Frau 30+ für Spaß zu haben. Keine Verpflichtungen nix." Die Reaktionen darauf sind vor allem hämisch. "Der ist notgeil, bekommt keine Frauen ab", schreibt ein Nutzer. "Geh in den Puff", empfiehlt ein anderer, ein Dritter rät zu einem Besuch im Neunkircher Pornokino.

Allgemein scheint es, dass die meisten Nutzer, die sich obszön äußern oder andere Menschen in den Gruppen belästigen, durch andere, oft ironisch, kritisiert werden. Andere Anfragen, etwa nach einem guten Friseur oder einem besonderen Tatoostudio, sind dagegen eher nachvollziehbar. Branchenverzeichnisse liefern nicht immer die gefragten Infos und keine Nutzerbewertungen.

Manche Anfragen wirken völlig überflüssig. Wenn etwa jemand nach der Telefonnummer eines Kleingartenvereins fragt, hätte es sicher ein Besuch vor Ort oder eine kurze Internetrecherche getan. Manch einer fragt sich bestimmt auch, warum heute immer mehr erwachsene Menschen offensichtlich Probleme haben, einander von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Wie denkt ihr über Spotted-Gruppen? Nutzt ihr sie vielleicht sogar selbst? Diskutiert mit uns darüber auf unserer Facebook-Seite:

facebook.com/

saarbrueckerzeitung.nk/