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Neunkirchen eröffnet die Darmkrebswoche

Neunkirchen eröffnet die Darmkrebswoche

Landrat Sören Meng hat gestern im Neunkircher Kreisgesundheitsamt die Darmkrebswoche eröffnet. Ziel ist es, Aufklärung zu leisten.

"Leider wird über das Thema viel zu oft geschwiegen", sagte Landrat Sören Meng bei der gestrigen Eröffnung der Darmkrebswoche im Kreisgesundheitsamt Neunkirchen . Jährlich würden in Deutschland rund 70 000 Menschen neu an Darmkrebs erkranken. Oft merke man es nicht früh genug. "Hier kann Vorsorge Leben retten", betonte Meng. Deshalb freue er sich besonders, dass das Team des Gesundheitsamtes in der Initiative "Das Saarland lebt gesund" Menschen für dieses Thema sensibilisiere.

Ein Info-Angebot für jedermann wird es die ganze Woche über im Foyer des Kreisgesundheitsamtes in der Neunkircher Lindenallee geben. Ein Info-Terminal, das nach und nach allen Teilnehmern von "Das Saarland lebt gesund" zur Verfügung gestellt wird, bietet leicht verständliche Informationen rund um Früherkennung, Diagnose und Behandlung. Es gibt einen virtuellen Flug durch den Darm und Mitschnitte endoskopischer Untersuchungen. Die Aufnahmen zeigen den Unterschied zwischen Polyp und Krebsgeschwür. Wer will, kann diesen auch gleich nebenan in einer nicht einsehbaren Box anhand von Plastikmodellen ertasten. "Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Menschen das Angebot annehmen und sich unverbindlich informieren", schloss Meng.

Klaus Becker (Darmkrebs-Selbsthilfe-Gruppe Saar) und Peter Britz von der Ilco (einer Selbsthilfegruppe für Träger eines künstlichen Darmausgangs nach verschiedenen Erkrankungen) haben Info-Material bereitgestellt. Die nach eigenen Angaben einzige Selbsthilfegruppe für Darmkrebspatienten im Saarland trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat um 16 Uhr in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (Kiss) in der Saarbrücker Futterstraße. Die Ilco - Vereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs hat mehrere Gruppen im Saarland verteilt. Infos gibt es hier unter www.ilco.de .

Dr. Bernd Kotterbach vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Illingen führte in die Materie ein. Zwar liege der Schwerpunkt der Erkrankungen in der Altersgruppe zwischen 65 und 75 Jahren. Die Entwicklung vom harmlosen Polypen zum Karzinom dauere allerdings bis zu zehn Jahren. "Deshalb gibt es für Menschen ab 55 Jahren das Vorsorgeprogramm", erklärte Kotterbach, "bei entsprechender familiärer Vorgeschichte auch früher". Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren, bietet laut Kotterbach der eigene Lebensstil. Fettleibigkeit, eine ballaststoffarme Ernährung, ein hoher Fleischkonsum, Rauchen und Alkoholgenuss, aber auch zu wenig Bewegung und Sport seien Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen. Eine Darmspiegelung biete über 99 Prozent Erkenntniswahrscheinlichkeit. "Die meisten Patienten sind dabei ruhiggestellt und schlafen", betont der Mediziner. Komplikationen wie Blutungen oder Durchstöße der Darmwand kommen nur in einem Promillebereich vor. 50 Prozent der Tumore liegen im letzten Bereich des Darmes, der je nach Fall auch endoskopisch operiert werden könne. An anderen Stellen müsse der Chirurg ran. Bei einer frühen Erkennung liege die Heilungsrate bei 90 Prozent. Unverständlich sei es, warum nicht jeder zur Vorsorge gehe.

Zum Thema:

Hintergrund Die Darmkrebswoche will die Bürger im Kreis für das Thema sensibilisieren. Das Info-Terminal im Foyer kann zu den regulären Öffnungszeiten des Gesundheitsamtes besucht werden. Diese sind Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Es wird keine Anmeldung benötigt. Adresse: Gesundheitsamt des Landkreises Neunkirchen , Lindenallee 13, Neunkirchen . Die Darmkrebswoche wird in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie unterstützt.