Millionen-Projekt für bessere Versorgung in Saar-Pflegeheimen

Gesundheit : Millionen-Projekt für bessere Versorgung in Saar-Pflegeheimen

Pilotmodell soll in den nächsten zwei Jahren auf möglichst viele der 150 stationären Pflegeeinrichtungen im Land ausgeweitet werden.

 Mehr Arztkontakte am Senioren-Pflegebett – notfalls auch abends und an Wochenenden, weniger Einweisungen ins Krankenhaus und möglichst keine gefährlichen Tablettencocktails mit 20 und mehr Pillen am Tag für die Bewohner: An sechs Saarbrücker Pflegeheimen läuft seit knapp einem Jahr unter dem Kürzel „SaarPHIR“ ein bundesweites Pilotprojekt zur besseren medizinischen Versorgung von Pflegeheimbewohnern, das nun nach erfolgreicher Startphase in den nächsten zwei Jahren auf möglichst viele der 150 stationären Pflegeeinrichtungen im Land ausgeweitet werden soll. Die Krankenkasse Barmer (BEK), die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Saarlandes, die Saarländische Pflegegesellschaft und weitere Kooperationspartner stellten das Modellprojekt jetzt im  Saarbrücker Johanna-Kirchner-Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) vor. Finanziert wird es bis März 2021 mit 5,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes.

„Das Projekt ist entstanden auf Grund der Entwicklung in der Bevölkerung und in der Ärzteschaft“, sagte Initiaitor Dr. Joachim Meiser vom KV-Vorstand. „Wir haben im Saarland inzwischen 14 000 Pflegeheimbewohner, mit steigender Tendenz, und noch etwa 650 Hausärzte, die mittlerweile aber bei weitem nicht mehr alle 150 Pflegeheime betreuen können“. Um dennoch die medizinische Versorgung der Heimbewohner sicherzustellen und zu optimieren, würden nun zielorientierte multifunktionelle Teams von Ärzten und Pflegekräften gebildet, die eine bessere Erreichbarkeit bestimmter Ärzte von 8 bis 21 Uhr und Visiten an Wochenenden für die Pflegeheim-Insassen sicherstellen, damit diese nicht unnötig in eine Klinik eingewiesen werden müssten. „Dazu gehört eine regelmäßige Fallbesprechung des multifunktionalen Teams“, sagte Meiser. „Es geht um Behandlungsstandards und auch Fragen wie Ernährung und Trinken, Haut- und Wundpflege der Heimbewohner“. Angelaufen sei zudem eine Arzneimittel-Optimierung in den Heimen. Zwar bräuchten Patienten mit mehreren Krankheiten mehr Medikamente, aber wegen deren Neben- und Wechselwirkungen mit größerer Sturzanfälligkeit bis hin zu Knochenbrüchen müssten gefährliche Tablettencocktails vermieden werden.

Laut Ärztesprecher Meiser und dem Chef der Saarländischen Pflegegesellschaft, Harald Kilian, hat sich die Teambildung zwischen  heimversorgenden Ärzten und deutlich arbeitszufriedener Pflegekräfte bei bislang 345 Versicherten in sechs Pflegeheimen Saarbrückens in der Startphase „sehr gut bewährt“. Am Johanna-Kirchner-Haus (mit 300 Betten eines der größten Pflegeheime im Saarland) wurden nach Angaben des Arztes für Innere Medizin, Wolfgang Hoch, auch Visitenzettel für Patienten eingeführt. Noch stehen die Ergebnisse von Heimpatientenbefragungen und ihren Angehörigen aus. Daten dazu gibt es – wissenschaftlich begleitet von den Unis in Wuppertal und Saarbrücken sowie der HTW – erst nach Ende der Modellphase in drei Jahren. So wird es unter anderem eine genaue  Vergleichsuntersuchung mit jeweils 23 Pflegeheimen und rund 2300 Pflegeheimbewohnern mit und ohne „SaarPHIR“-Projekt  geben. 

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