Deutschland-Premiere an der Saar

Fischen für Menschen mit Behinderung – 30 Angler aus Hessen, Westfalen, dem Saarland hatten viel Spaß bei der Veranstaltung bei Dreisbach.

Angleridylle pur und eine Deutschland-Premiere erlebten die Ausflugsgäste aus ganz Deutschland am Samstag an der Saar bei Dreisbach: Hier hatten rund 30 Angler aus Hessen, Westfalen und dem Saarland beim ersten Fischen für Menschen mit Behinderung, veranstaltet vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) und dem Referat Fischen des Fischereiverbandes Saar, drei Stunden lang an einer ein Kilometer langen Uferstrecke ihre Angelruten ausgeworfen.

Mit dabei war der wohl im Saarland, vielleicht sogar deutschlandweit, älteste aktive Angler, der 101-jährige Willi Stein vom ASV Brotdorf. Willi Stein, der als 17-Jähriger bei einem Arbeitsunfall den rechten Arm verlor, zählt zu den Mitbegründern des ASV Brotdorf. Vereinsvorsitzender Johann Trinkaus und dessen Sohn Boris begleiteten den rüstigen Senior beim Angeln an der Unteren Saar.

Jürgen Rosenthal vom DAFV, Referat für Behinderte, und Andreas Schneiderlöchner, Präsident des Fischereiverbandes Saar, konnten nur staunen, wie geschickt der 101- Jährige die Köder, er bevorzugt Mehlwürmer, montierte und die Angelrute auslegte. Leider bissen nur Grundeln an, die zusammen 450 Gramm auf die Waagschale brachten.

Mehr Glück hatte Andreas Reiland aus Besseringen. Er landete eine 3465 Gramm schwere Brachse und hatte im separaten Köcher noch 435 Gramm an Grundeln, ein Fisch, der vom Schwarzen Meer aus in Deutschland eingewandert ist, sich hier in den Flüssen explosionsartig vermehrt und eine Gefahr für die Ökologie in den Gewässern darstellt. Platz eins war ihm damit sicher. Franz-Josef Bauer aus Schwemlingen, der die kleine räuberische Grundel nach eigenem Bekunden "einfach nur hässlich" findet, belegte mit dem Tagesrekord von 3450 Gramm Grundeln Platz zwei, gefolgt von Helmut Langen mit 3185 Gramm Grundeln.

Peter Schönfließ vom ASV Merzig freute sich mächtig, dass an diesem Morgen so viele der von den Anglern inzwischen verhassten Grundeln anbissen.

Werner Broßette fing drei Rotaugen und überzeugte damit die Gäste, dass neben dem ungeliebten Raubfisch in der Saar sich auch friedliche Fischarten tummeln.

Eine generelle Anglerpremiere erlebte Doris Becker (58) aus Bielefeld. Sie konnte erstmals ihr theoretisches Wissen beim ersten Saarlandbesuch am Fuße der Cloef an der Saar in der Praxis testen. Auch bei ihr bissen die Schwarzmundgrundeln gut an. Dass Rotaugen und Brachsen einen Bogen um die Angelanfängerin machten, störte sie nicht. Stattdessen freute sie sich über die Entenfamilie und die Ausflugsschiffe in der Nachbarschaft ihres Angelplatzes. Doris Becker gehörte zu den fünf Anglern vom westfälischen Angelfischerverband, die mit Erika und Günter Wurm im Wohnmobil angereist waren.

Mit einer kleinen Feier klang auf dem Schulungsschiff des saarländischen Fischereiverbandes "Annaleonie" im Merziger Hafen das erste Fischen für Menschen mit Behinderung harmonisch aus. Jürgen Rosenthal vom DAFV war voll des Lobes für die gute Ausrichtung.

"Es hat einfach alles gestimmt , das Wetter, die Umgebung, das Umfeld und die Atmosphäre", schwärmte der Berliner, als er sich für die herzliche Gastfreundschaft der Saarländer bei diesem gelungenen ersten Fischen für Menschen mit Behinderung, dem ersten seiner Art in ganz Deutschland, bedankte.

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Schulungsschiff ist jetzt auch barrierefrei Die "Anna Leonie", das Museums-, Schulungs- und Veranstaltungsschiff des Fischereiverbands Saar im Merziger Hafen, hat nun einen Treppenlift und ist somit auch für gehbehinderte Menschen zugänglich. Die Lift wurde vor wenigen Tagen von Sozialministerin Monika Bachmann (siehe Foto) im Beisein von Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld, MdL Stefan Thielen, dem Präsidenten des Fischereiverbandes, Andreas Schneiderlöchner, und dem Vizepräsidenten Bernd Hoen seiner Bestimmung übergeben.