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Dagstuhler Bahnhof: einst von vielseitiger Bedeutung

Dagstuhler Bahnhof: einst von vielseitiger Bedeutung

Schade, dass er nun abgerissen werden soll" bedauert auch Hans Ludwig aus Mettlach den geplanten Abriss des denkmalgeschützten Bahnhofs Dagstuhl

Schade, dass er nun abgerissen werden soll" bedauert auch Hans Ludwig aus Mettlach den geplanten Abriss des denkmalgeschützten Bahnhofs Dagstuhl. Wenn er schon nicht zu retten, also zu sanieren sei, sollte vielleicht im Zentrum des geplanten Kreisels eine Tafel vorgesehen werden, die daran erinnert, dass hier einmal eine sozial- und wirtschaftsgeschichtlich bedeutsame Einrichtung gestanden hat, lautet sein Vorschlag. Ludwig schreibt weiter: "Über den Bahnhof Wadern wurde nicht nur der spätere saarländische' Hochwaldraum verkehrstechnisch erschlossen, gelangte neues Saatgut und Kunstdünger in die Landwirtschaft, wurden Absatzmärkte erschlossen. Auch die im Hochwaldraum im Überfluss vorhandene menschliche Arbeit, die durch die Mechanisierung der Landwirtschaft dort nicht mehr gebraucht wurde, konnte sich neue Verdienst- und Überlebensmöglichkeiten erschließen."Dr. Waltraud Schiffels von der VHS Saarbrücken, deren Vorfahren aus Wadrill stammten, beschreibt in Band 5 der "Familien- und Dorfgeschichten aus dem Hochwald" das Schicksal der Wochenpendler am Beispiel seines Großvaters, der als Eisenbahner bereits in Saarbrücken wohnte, ganz anschaulich: "Dann geht er mit seiner neuen Frau wieder durch den Wald zurück. In jeder Nacht vom Sonntag zum Montag ist der voll von schwarzen Männergestalten: den Bergleuten und Hüttenarbeitern aus dem Hochwald, die wie Michael Geiger aus Wadrill oder Kastel oder Sitzerath kommen und in Wadern oder Nonnweiler in den Zug steigen, bis Völklingen oder Saarbrücken fahren, dort unter Tage einfahren oder vor dem Hochofen schwitzen, die Wochen über im Schlafhaus' nächtigen und am Sonntag kurz zu ihrer Familie und einem knappen Bettglück zurückkehren und schon wieder fahren müssen."Hans Ludwig selbst fuhr während seiner Lehrzeit von 1955 bis 1958 in Lebach als Tagespendler vier Mal in der Woche morgens um 5,15 Uhr weg, um abends um 20 Uhr nach Hause zu kommen. Zwei Mal die Woche zur Berufsschule nach Saarbrücken ging es morgens schon um 4,15 los, anschließend zur Lehrstelle zurück und abends ebenfalls um 20 Uhr nach Hause, einschließlich samstags. "Die acht Kilometer von Wadrill nach Dagstuhl und zurück wurden mangels Busverbindung Sommers wie Winter mit dem Fahrrad zurückgelegt, in Wadern zur Abkürzung mitten durch den Wald, am Hals'. Wenn die Waldarbeiter Holz gefällt hatten, sind wir im Dunkeln über die gefällten Bäume gestolpert. Im Winter waren die heiß ersehnten hoffentlich schon vorgeheizten Waggons ein Segen. Und eines morgens stand da ein ganz neuer Zug, kunststoffgepolstert, keine Holzpritschen, wir trauten uns zunächst gar nicht rein, weil wir 1. Klasse vermuteten. Ein neues Zugzeitalter hatte begonnen. Gott sei Dank, sind diese Zeiten Geschichte. Trotzdem wäre es schade, wenn nichts mehr an sie erinnern würde." Haben auch Sie Erinnerungen an den Bahnhof Dagstuhl. Oder haben Sie alte Fotos von dem Gebäude, dem nun die Abrissbirne droht? Die SZ veröffentlicht in einer Reihe die persönlichen Rückblicke ihrer Leser auf die guten Tage des Bahnhofes im Waderner Stadtteil. Wenn Sie mailen wollen - mzg@sz-sb.de. Die Postanschrift: Saarbrücker Zeitung, Poststraße 47, 66663 Merzig. "Über den Bahnhof wurde der Hochwaldraum verkehrstechnisch erschlossen."Hans Ludwig