1. Saarland

Hauptsache, der Verkehr rollt

Hauptsache, der Verkehr rollt

BahnHof DagstuhlHauptsache, der Verkehr rolltZu mehreren Artikeln zum geplanten Abriss des denkmalgeschützten Bahnhofs in Dagstuhl

BahnHof DagstuhlHauptsache, der Verkehr rolltZu mehreren Artikeln zum geplanten Abriss des denkmalgeschützten Bahnhofs in Dagstuhl. Mit Sätzen wie "Das Gebäude ist nicht mehr zu retten", es sei nur noch ein "Schandfleck", "niemand weint diesem Gebäude mehr eine Träne nach" wird zurzeit versucht, den Bürgerinnen und Bürgern den geplanten Abriss eines für die Stadt Wadern historischen und einmaligen Gebäudes schmackhaft zu machen, nämlich des Waderner Bahnhofs. Während in benachbarten Gemeinden aus Eisenbahnhallen Veranstaltungsgebäude werden und Bahnhofsgaststätten zu Kulturzentren avancieren, scheinen sich die Politiker in Wadern, allen voran der Ortsvorsteher von Dagstuhl, Horst Albert, und Bürgermeister Fredi Dewald, einig zu sein, dass hier Geschichte mit der Abrissbirne gemacht werden soll. Denn mit dem Abriss des Waderner Bahnhofs wird unwiederbringlich ein Stück Waderner Geschichte verschwinden. Erstaunlich ist hierbei, dass sich aus der Bevölkerung kein Widerstand dagegen regt. Dabei müsste man doch dazu gelernt haben. Denn schon einmal ist im Bereich des Bahnhofes historische Bausubstanz widerstandslos beseitigt worden. Bereits in den achtziger Jahren wurde ein historisch einmaliges und vom Ansehen her wunderschönes Gebäude des Bahnhofsensembles abgerissen, nämlich die ehemalige Gastwirtschaft Thome. Dieses Gebäude, das um die Jahrhundertwende erbaut wurde und mit einem Fachwerkgiebel verziert war, ist damals ein Opfer der Verkehrssituation geworden. Die Straße im Einmündungsbereich Bahnhofsstraße-Noswendeler Straße sollte verbreitert werden. Seither hat die Bahnhofsstraße, von Wadern kommend, eine Linksabbiegerspur. Auf dem Rest des Abrissgrundstückes hat sich das ortsansässige Autohaus ausgedehnt. Das Gleiche scheint sich nun zu wiederholen. Machen wir uns nichts vor: Auch die Bahnhofsgebäude werden zerstört, hauptsächlich wegen des geplanten Verkehrskreisels. Ernsthaft gemeinte Rettungs- und Erhaltungsversuche dieses Gebäudetraktes hat es all die Jahre nicht gegeben. Ob die Gebäude nicht mehr sanierungsfähig sind, muss bezweifelt werden. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen anderer Städte und Gemeinden sich ihrer Geschichte und Kultur mehr bewusst sind als die in Wadern. Denn überall sind die Bemühungen, die in unserer Region noch wenigen historischen Bauwerke für die Nachwelt erhalten zu wollen, deutlicher zu spüren als hier. In Wadern scheint allein der Leitsatz zu gelten: Hauptsache, der Verkehr rollt. Volker Morbe, Noswendel