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Kultur in St. Ingbert
Neue Generation bereichert die Kulturszene

Im Juni bekommt die Stadt St. Ingbert ein eigenes Filmfestival – gemacht von jungen Kulturschaffenden wie Jörn Michaely, die noch nicht geboren waren, als die St. Ingberter Pfanne und das Jazz-Festival starteten.
Tobias Fuchs

Jörn Michaely braucht nicht viele Worte, um seine Zuhörer zu begeistern. Das gehört zum Handwerk eines Filmemachers. Will der St. Ingberter einen neuen Streifen produzieren, muss er versiert Fördergelder einwerben. Das gelang Michaely zuletzt für einen Kurzfilm, an dem der 23-Jährige schon eine Weile arbeitet. Doch im Moment muss die eigene Kunst ein wenig warten.


Michaely stellt mit Freunden ein Filmfestival in seiner Heimatstadt auf die Beine – in diesem, wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren. Im Juni findet „Filmreif! – Das Bundesfestival junger Film“ erstmals in St. Ingbert statt, vier Tage lang. Spricht Michaely über dieses Vorhaben, tut er das offen und einnehmend, mit reichlich Begeisterung und einer Prise Ironie. Mit ihm tritt in St. Ingbert eine neue Generation von Kulturschaffenden ins Rampenlicht. Sie bereichert die Kulturszene in der Mittelstadt.

St. Ingbert könnte sich dank der Jungen zu einem Anziehungspunkt für Nachwuchs-Regisseure aus ganz Deutschland entwickeln. 303 Kurzfilme gingen bis zum Einsendeschluss in dieser Woche bei den Festivalmachern ein. 80 Produktionen werden es in den Wettbewerb schaffen. Und wer teilnehmen möchte, muss im Sommer ins Saarland kommen, sich hier präsentieren. Weil die Organisatoren wissen: Ein solches Festival lebt von den Filmen, aber mehr noch von seiner Atmosphäre. Deshalb soll es Freiluft-Kino vor der Stadthalle geben, mehrere Veranstaltungsorte – um auch die St. Ingberter für sich zu gewinnen.



Lange galt St. Ingbert als die heimliche Kulturhauptstadt des Saarlandes. Der Kleinkunstpreis St. Ingberter Pfanne, das Jazz-Festival – diese Events bescherten der Mittelstadt bundesweit Aufmerksamkeit, verliehen ihr in der Region einen feinen Glanz. Beide Veranstaltungsreihen starteten in den Achtzigerjahren, vor mehr als dreißig Jahren. Das ist eine Zeitspanne, die den Abstand zwischen zwei Generationen markiert. Mit dem Filmfestival bringt sich nun die nächste Generation ins Spiel. Ganz bewusst in St. Ingbert, obwohl kreative Mittzwanziger ansonsten eher in die Großstadt drängen – und sei es nur die nahe Landeshauptstadt Saarbrücken.

Das ist bemerkenswert, weil in der Nachbarschaft immer mehr Kommunen auf Kultur als Standortfaktor setzen – allen voran Neunkirchen. Darüber hinaus bieten die jungen Kulturschaffenden einer lokalen Institution die Chance, sich neu in Szene zu setzen: dem „Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in der Mittelstadt St. Ingbert“. Dessen politische Vergangenheit als „Spendenverein“ ist weithin bekannt. Nun engagiert er sich als Hauptsponsor des Nachwuchsfestivals. Und das ist eine gute Nachricht, eine neue Chance.

Jörn Michaely und seine Mitstreiter haben sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. Fragt sich, ob es ihnen und der Stadt gelingt, „Filmreif!“ zu etablieren, auf Dauer zu halten. Denn klar ist: Ein Kreativer wie Michaely wird sich irgendwann in der Welt umschauen wollen. Doch sein Festival sollte möglichst lange bleiben.