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Erinnern an Euthanasie-Opfer

Seit Samstag erinnert dieser Stolperstein vor der Hauptstraße 16 in Limbach an das Schicksal von Joachim Hirsch, der 1941 von den Nazis ermordet wurde. Foto: Thorsten Wolf
Seit Samstag erinnert dieser Stolperstein vor der Hauptstraße 16 in Limbach an das Schicksal von Joachim Hirsch, der 1941 von den Nazis ermordet wurde. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Limbach. Ein sogenannter Stolperstein in der Limbacher Hauptstraße 16 soll daran erinnern, dass dort Joachim Hirsch wohnte. Nach einer Hirnhautentzündung wurde Hirsch Opfer der grausamen Euthanasie-Morde der Nazis. Thorsten Wolf

"Es ist schon ein seltsames Gefühl." Als Joachim Hirsch am vergangenen Samstag auf die kleine Messingplatte im Bürgersteig vor der Hausnummer 16 in der Limbacher Hauptstraße blickt, kommen augenscheinlich sehr unterschiedliche Gefühle in ihm hoch. Kein Wunder, steht doch auf dem "Stolperstein" des Künstlers Gunter Demnig auch "Joachim Hirsch". Dieser Hirsch war Bruder des Großvaters des "heutigen" Joachim Hirschs - und wurde 1941 von den Nazis verschleppt und ermordet.

Über seinen Verwandten sei in der eigenen Familie nicht oft gesprochen worden, erzählt Joachim Hirsch, der heute auf dem Bliesberger Hof wohnt. "Es hieß immer immer nur, dass er krank sei und zur gesundheitlichen Verbesserung behandelt wurde." Dann habe man ein Schreiben erhalten, das den Eindruck erwecken sollte, Joachim Hirsch sei auf dem Weg der Besserung. "Kurz danach wurde mitgeteilt, dass er an einer Lungenentzündung gestorben sei." Ein Lüge - wie alles, was die Hirschs über ihren Verwandten erfuhren. Tatsächlich wurde Joachim Hirsch Opfer der Euthanasie-Morde des Dritten Reichs, so wie viele tausend Andere auch. Sein Makel in den Augen der Nazis: Nach einer Hirnhautentzündung sei er "etwas langsam" gewesen, wie Joachim Hirsch schildert.

An das Schicksal dieses anderen Joachim Hirsch erinnert nun seit dem vergangenen Samstag einer der so genannten "Stolpersteine", mit denen der Künstler Gunter Demnig seit 1997 an Gräueltaten des Nazi-Terror-Regimes erinnert: Vor den letzten selbst gewählten Wohnorten von Menschen, die von Nazis verschleppt und ermordet wurden, lässt er Messingtafeln in den Gehwegen ein und ruft so dazu auf, nicht zu vergessen - in Kirkel nun an drei Orten. Neben dem Stolperstein vor dem letzten Wohnort von Joachim Hirsch in Limbach erinnert nun eine weitere Messingplatte in der Ludwigsthaler Straße 12 an Albrecht Binkle. Auch er wurde wie Hirsch 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet, ebenso wie Heinrich Alfons Schneider aus Kirkel-Neuhäusel, dessen Schicksal - wie die beiden anderen auch recherchiert von Schülern der Gemeinschaftsschule Kirkel - nun von einem Stein vor der Blieskasteler Straße 55 aus dem Vergessen gerissen wird.

Mit der Aktion vom Samstag ist nun auch Kirkel Teil des Demnig-Projekts, das mit inzwischen über 46 000 Stolpersteinen an über 1100 Orten in Deutschland und Europa der Opfer Nazi-Deutschlands erinnert. Demnigs Partner in Kirkel waren neben der Gemeinschaftsschule Kirkel in Limbach auch das Adolf-Bender-Zentrum. Dabei kam der Schule mit ihrer Geschichts-Arbeitsgemeinschaft die Aufgabe zu, die Schicksale zu recherchieren und die Geschichte aufzuarbeiten. Folgerichtig sind es am Samstag nicht nur die Stolpersteine, die an die Opfer des Naziregimes erinnern, sondern auch kurze Vorträge zu den Hintergründen der Leidensgeschichte.

"Wir möchten heute mit den Stolpersteinen an diese drei Opfer des Euthanasie-Programms erinnern. Die Euthanasie war Teil der Rassenideologie der Nazis, die Menschen in höherwertig und minderwertig eingeteilt hat. Menschen, die nicht in diese Ideologie passten, wurden als lebensunwert definiert, ihnen wurde das Recht zu leben aberkannt. Dazu zählten Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung", schildert Schülerin Lena König.