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Studenten der Saar-Uni fanden heraus, wie die alten Römer Bier brauten

Der etwas andere Blick auf die Antike : Wie vor 2000 Jahren Bier gebraut wurde

„Nunc est bibendum“ – „Jetzt lasst uns trinken“, schrieb der römische Dichter Horaz schon im Jahr 30 vor Christus. Auf welche Weise die Römer den Gerstensaft herstellten, haben Studenten der Universität des Saarlandes im Labor getestet.

Ein barbarisches Getränk, das nach Ziegenbock stinkt und nur von der Unterschicht getrunken wurde: Im alten Rom war es um das Image des Bieres nicht allzu gut bestellt. Das belegen die historischen Quellen, die Studenten im Rahmen des interdisziplinären Kooperations-Seminares „Bier im Altertum – archäologisch fassbar?“ an der Universität des Saarlandes übersetzten. Gemeinsam mit Dozenten der Alten Geschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie der Klassischen Philologie und Chemie beschäftigten sie sich mit der Geschichte des Bieres und des Bierbrauens in römischer Zeit.

Dabei waren nicht nur Latein- und Griechisch-Kenntnisse gefragt, sondern auch Wissen zur Herstellung des Gerstensaftes. „Wir haben im Rahmen des Seminars verschiedene Lernorte miteinander verknüpft“, berichtet Chemie-Lehramtsstudentin Isabel Schmoll, die das Seminar als studentische Hilfskraft begleitete. Unter anderem besuchten die Studenten die Bruch-Brauerei in Saarbrücken und durften im Schülerlabor der Saar-Uni selbst brauen. Zudem entstand ein „Multitouch Learning Book“, eine Art digitales Schulbuch, das theoretische Inhalte, Erklärvideos und Übungsaufgaben zum Thema bietet.

Die Ergebnisse ihrer Nachforschungen haben die neun Studenten jetzt im Saarbrücker Museum für Vor- und Frühgeschichte präsentiert. Ihre Quellenanalyse bestätigte den schlechten Ruf des Bieres in der Antike. Der Geschichtsschreiber Dionysios von Halikarnassos, der um Christi Geburt in Rom lebte, bezeichnete es etwa als „faulig riechende Flüssigkeit, die aus verrotteter Gerste gewonnen wurde“. Im Höchstpreis-Edikt, das vom römischen Kaiser Diokletian Ende 301 erlassen wurde, um die Inflation zu bekämpfen, war Bier deutlich billiger als Wein.

Spannend war die Frage, ob der antike Brauprozess mit oder ohne Zugabe von Hefe stattgefunden hat. Drei verschiedene Biere entstanden bei den Brauexperimenten im Schülerlabor. Zwar durften diese aus rechtlichen Gründen nicht probiert werden, woran sich alle Beteiligten nach eigenen Angaben auch hielten, aber Geruch, Aussehen und Kohlensäure-Gehalt gaben Aufschluss über Erfolg oder Misserfolg.

Sowohl das Bier, das mit modernen Hilfsmitteln erzeugt wurde, als auch das, das nach antikem Rezept unter Zugabe von Sauerteigbrot und Brauhefe hergestellt wurde, konnten in Geruch und Aussehen überzeugen. Nur die Gruppe, die beim Brauen lediglich Sauerteigbrot verwendete, um die alkoholische Gärung in Gang zu bringen, wurde enttäuscht: Die Flüssigkeit in der Amphore schimmelte, roch unangenehm und war frei von Kohlendioxid.

Für die beiden Biere nach antikem Rezept standen den Studenten unglasierte römische Gefäßrepliken, hergestellt von der römischen Villa Borg, zur Verfügung. Das Rezept, das Christoph Catrein vom Institut für Klassische Philologie zuvor neu übersetzt hatte, stammte aus der römischen Spätantike. Es hatte die Frage nach der Zugabe der Hefe nicht eindeutig beantwortet. Die Antwort – auch in der Antike war Hefe zur Bierherstellung vonnöten – musste deshalb im Labor ermittelt werden.

Ein positives Fazit zog Lehramtsstudent Mario Lovisa nach dem Seminar. „Besonders interessant war die praktische Umsetzung der theoretischen Inhalte. Solche Projekte sind gut dazu geeignet, Schüler für Geschichte zu begeistern“, erklärte der angehende Geschichtslehrer.

Zufrieden mit den Ergebnissen war auch Christine van Hoof, Dozentin für Alte Geschichte und Initiatorin des Seminars: „Es war für die Studenten ein hoher Aufwand, aber die, die bis zum Schluss dabeigeblieben sind, haben toll gearbeitet.“ Sie denke bereits über eine Fortsetzung des Projektes nach, in der es um die Bier-Kultur bei den Kelten, unter anderem auch in unserer Region, gehen soll.

Dass hierzulande bereits früh gebraut wurde, belegen vielerlei Funde, zum Beispiel der „Bierbrauer aus dem Vicus Schwarzenacker“, der im Rahmen der Projektpräsentation „Bier im Altertum“ vorgestellt wurde. Die kleine Bronzestatuette stammt aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus und wurde bei Ausgrabungen in der alten römischen Siedlung in Homburg entdeckt. Da dort auch Werkzeug zur Herstellung von Fässern gefunden wurde, handelt es sich bei der Statuette allerdings wohl nicht um einen Brauer, sondern vermutlich um einen Küfer, wie Thomas Martin, Sammlungsleiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte, erklärt. Auch die steife Schürze und die Armhaltung lassen darauf schließen. Die Figur wird noch bis Ostern in einer Sondervitrine ausgestellt.