1. Saarland

"Goddesdienschd im Name vum dreiäänische Godd"

"Goddesdienschd im Name vum dreiäänische Godd"

Bosen. "Mir feiere Goddesdienschd im Name vum dreiäänische Godd." Mit diesen Worten eröffnete der Prädikant (Prediger) der evangelischen Kirche, Peter Eckert, am Sonntag den Mundartgottesdienst an der Bosener Mühle. Die Feier war der Auftakt zum 20-jährigen Bestehen des Mundart-Symposiums des Landkreises

Bosen. "Mir feiere Goddesdienschd im Name vum dreiäänische Godd." Mit diesen Worten eröffnete der Prädikant (Prediger) der evangelischen Kirche, Peter Eckert, am Sonntag den Mundartgottesdienst an der Bosener Mühle.Die Feier war der Auftakt zum 20-jährigen Bestehen des Mundart-Symposiums des Landkreises. Dass der Geistliche auch Mundartdichter ist, merkten die 100 Gläubigen daran, dass er die rheinfränkischen Texte fehlerfrei interpretierte. Er schuf damit eine Atmosphäre, die man in Gottesdiensten so nicht kennt. Irgendwie fühlten sich die Mitfeiernden näher beisammen. "Vun dòò, wo die Sunn uffgehd, bis dord, wo se nidderschdeid, soll gelobd sinn de Name vun unserm Godd", kam es aus dem Mund des Pfarrers, der aus Psalm 113 zitierte. Und im Tagesgebet hieß es: "Bring unser ingeroschde Gedangge in Gang unn mach uns Muud, wem'má váschregge dòòdriwwer, dass má sinn, wie má sinn."

Seine Predigt stellte Peter Eckert unter das Thema "E Word, wo's nidd gebbd". Gemeint war das Wort Liebe, das man in der Mundart vergeblich sucht. Deshalb sollten die Menschen aber nicht "verzwaddere", sondern sie müssten es ihrem Gegenüber eben "annerschd saan". Die Sängerin Conny Froboess zum Beispiel habe 1958 geträllert "I love you", in Mundart hätte sie "Ich hann dich gäär, Bobbelche" singen müssen.

Unter der Orgelbegleitung von Marietta Prätzlich sangen die Gläubigen vier Lieder in Mundart. Zahlreiche Mundartdichter und -schriftsteller, die in den zurückliegenden Jahren die Mundartsymposien in Bosen bereicherten, waren zur Geburtstagsfeier gekommen.

Unter ihnen war der Schriftsteller und Maler Georg Fox, der beim Start 1993 dabei war. "Die Veranstaltung war damals mehr in Richtung Versuch angelegt", erzählte er. "Wir waren sechs Männer. Frauen wollte man vorsichtshalber mal nicht dabei haben."

Im Mittelpunkt habe der Mythos Bostalsee gestanden. Unter den Künstlern sei die Frage aufgetaucht, ob es im See nicht vielleicht ein Loch-Ness-Ungeheuer gebe. "Auch Wendelin und seine Bedeutung als Heiliger für die Region war seinerzeit ein Thema." Gisela Bell aus Überherrn war 1994 in der Mühle. Noch heute spricht sie ganz begeistert von dieser Woche: "Ich habe mich damals sehr wohl gefühlt, es war einer meiner schönsten Urlaube. Viele Eindrücke habe ich in Mundartgedichten festgehalten." Mit Rodener "Platt", also moselfränkisch, trat Ursula Kerber aus Altforweiler 2007 auf. "Heute noch einmal nach Bosen zu kommen, war für mich eine Herzenssache", sagte die Künstlerin gegenüber der SZ. Sie gehört zur so genannten "Bosener Gruppe" und kommt zweimal im Jahr an den See.

Der aus Ottweiler stammende Ruhestandspfarrer Walther Henßen reiste eigens aus Essen zur Mühle. Während des Mundartgottesdienstes trug er zwei Lesungen vor. Eine stammte aus dem "Alde Teschdamend" und beschäftigte sich mit dem Turmbau zu Babel. Die Menschen hätten sich damals gesagt: "Dann baue mir uns e Stadt un e großer Turm, so hoch bis in de Himmel, wie's noch känner gebb gehadd hat. Un dann kann jeder siehn, was mir uff die Bään gestelld han." Schmunzeln rief sein Zitat aus dem Neuen Testament hervor. Bei der Ausgießung des heiligen Geistes hätten, so der Evangelist, viele Menschen das Ereignis nicht verstehen können. "Doch e paar von ihne ware schnell ferdisch mit der Sach: Do misse-ner nix druff genn, die sinn doch allegar besoff", las Walther Henßen. Landrat Udo Recktenwald (CDU) eröffnete das Symposium in "Määbinger Platt". Mundart stärke, so sagte er, das Selbstbewusstsein der Menschen und klinge in jedem Ort "annerschd".

Susanne Wachs von SR 3 Saarlandwelle sprach auf der Bühne mit verschiedenen Autoren, die auch Lesungen hielten. Hinzu kamen weitere Mundartbeiträge, einige von ihnen wirkungsvoll in Noten verpackt. "Heute nach Bosen zu kommen, war für mich eine Herzens-

sache."

Ursula Kerber, Künstlerin