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Experte: Dörings Wechsel zur SPD "moralisch höchst problematisch"

Experte: Dörings Wechsel zur SPD "moralisch höchst problematisch"

Saarbrücken. Die Landtagsabgeordnete Pia Döring gerät nach ihrem überraschenden Wechsel von der Linken zur SPD auch außerhalb ihrer früheren Partei in die Kritik. Der Bonner Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth sagte der SZ: "Es ist rechtlich erlaubt, weil es ein freies Mandat ist, aber moralisch ist das höchst problematisch

Saarbrücken. Die Landtagsabgeordnete Pia Döring gerät nach ihrem überraschenden Wechsel von der Linken zur SPD auch außerhalb ihrer früheren Partei in die Kritik. Der Bonner Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth sagte der SZ: "Es ist rechtlich erlaubt, weil es ein freies Mandat ist, aber moralisch ist das höchst problematisch." Dass die Linke Döring auffordere, ihr Mandat zurückzugeben, sei für ihn plausibel: "Wenn es so gewesen wäre, dass es nach einer gewissen Zeit im Parlament zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung gekommen wäre, dann wäre das etwas Anderes", sagte er. Aber einen Übertritt unter den gegebenen Umständen halte er für "unmoralisch". Ihm sei aus der bundesdeutschen Geschichte auch kein ähnlicher Fall bekannt. Von "Wahlbetrug" zu reden, sei zwar "ein hartes Wort, aber im Prinzip ist es richtig".Dörings Wechsel zeige, dass die Linke zunehmend ihre Attraktivität verliere, gerade unter jenen, die - wie Döring - früher schon einmal in der SPD gewesen seien. Er halte daher weitere Übertritte - auch von Landtagsabgeordneten - durchaus für möglich. "Lafontaine ist längst nicht mehr die strahlende Figur, der er einmal war. Und die Linke ist auch deshalb nicht mehr so attraktiv wie früher, weil die SPD auf Bundesebene nicht mehr in einer großen Koalition mit der CDU verbunden, sondern in Opposition zur CDU ist", sagte Langguth. Auf den Einwand, dass die SPD im Saarland gerade eine Koalition mit der CDU eingehe und die Erklärung daher für den konkreten Fall nicht zutreffen könne, sagte der Professor: "Deshalb stinkt das Ganze zum Himmel." Döring hatte ihren plötzlichen Wechsel zur SPD am Donnerstag damit im Wesentlichen begründet, dass sich die SPD wieder in die "richtige Richtung" bewege. kir

Das komplette Interview lesen Sie online unter www.saarbruecker-zeitung.de/langguth

Foto: Becker&bredel

Foto: dapd