Pia Döring schluckt die Kröte

Saarbrücken. Sie hat geredet, ohne etwas zu sagen. Zumindest nichts Neues war zu erfahren, als die SPD-Abgeordnete Pia Döring (52) gestern im Landtag die "Kröte" der Landespressekonferenz entgegennahm

Saarbrücken. Sie hat geredet, ohne etwas zu sagen. Zumindest nichts Neues war zu erfahren, als die SPD-Abgeordnete Pia Döring (52) gestern im Landtag die "Kröte" der Landespressekonferenz entgegennahm. Die Parlamentsjournalisten hatten im Juni die Politikerin mit dem Preis ausgezeichnet, da sie sich bis zu diesem Zeitpunkt hartnäckig weigerte, über die Gründe ihres überraschenden Wechsels von den Linken zur SPD Auskunft zu geben. "Ein in der Dreistigkeit kaum zu überbietender Fall", urteilten die Journalisten. Döring war bereits vor der ersten Sitzung des neuen Landtags von den Linken zur SPD übergetreten, was in der Landespolitik für Furore sorgte. Die SPD-Politikerin hatte kürzlich sowohl in überregionalen als auch in regionalen Medien ihr Schweigen gebrochen (SZ vom 10. September). Allerdings nur halbwegs. Denn: Über die "politischen Gründe", die nach eigenem Bekunden zum Verlassen der Linkspartei führten, wollte sie nach wie vor keine Auskunft geben. Überraschend, denn für Döring sind SPD und Linke politisch angeblich nicht weit voneinander entfernt. SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus hatte zuvor für den LPK-Vorstand noch gehofft, dass die Politikerin jetzt "keine Kröte mehr im Hals" habe. Doch Döring sprach lieber vom Mobbing in der Fraktion, was sie nicht fünf Jahre lang aushalten wolle. "Ich habe Zeit gebraucht, um mich zu sammeln", antwortet die Abgeordnete auf die Frage, warum sie sich erst in jüngster Zeit geäußert habe.SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn, der Mitte April noch als parlamentarischer Geschäftsführer die übergetretene Pia Döring vorstellte, räumte gestern ein, "erst einen Tag zuvor mitbekommen zu haben", dass jemand von den Linken zur SPD gewechselt sei. Eine Viertelstunde vor der Pressekonferenz habe er Döring erstmals gesehen. Nein, eine Konferenz der Fraktionsführung über ihre Aufnahme habe es nicht gegeben, erklärte Pauluhn auf Nachfrage. Er hält heute den Wechsel von Döring für "moralisch vertretbarer", wenn zwischen dem Partei-Austritt und dem -Eintritt bei der SPD ein längerer Zeitraum gelegen hätte. Linksfraktions-Geschäftsführer Heinz Bierbaum sprach von einer "verlogenen Argumentation" der SPD-Politikerin. gp

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