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Es gibt Geld, aber zu wenig

Es gibt Geld, aber zu wenig

Saarbrücken. Politik ist Kunst - die Kunst des Machbaren. Und ein Stadtrats-Kulturausschuss ist kein Wunschkonzertorchester. Das machten Stadtverordnete von SPD, CDU und Grünen ihrem Kollegen von der FDP in der jüngsten Sitzung des Ausschusses klar. 275 890 Euro verteilte der Ausschuss am Donnerstagnachmittag an 38 freie Kulturinitiativen

Saarbrücken. Politik ist Kunst - die Kunst des Machbaren. Und ein Stadtrats-Kulturausschuss ist kein Wunschkonzertorchester. Das machten Stadtverordnete von SPD, CDU und Grünen ihrem Kollegen von der FDP in der jüngsten Sitzung des Ausschusses klar. 275 890 Euro verteilte der Ausschuss am Donnerstagnachmittag an 38 freie Kulturinitiativen. Man war sich einig, dass die Saarbrücker Kulturszene mehr Geld brauche, um ihre Möglichkeiten voll entfalten zu können, aber die Stadtkasse ist nicht nur leer, die Stadt ist mit etwa einer Milliarde Euro verschuldet."Die Szene hat sich sehr stark professionalisiert", hatte Thomas Altpeter den Kommunalpolitikern und ihren Sachverständigen erklärt. Vor allem "im Spektrum zwischen Musiktheater und Performances" tue sich in der freien Szene immer mehr. Das im städtischen Haushalt bewilligte Geld reiche "leider bei weitem nicht mehr aus, mit dem qualitativen und quantitativen Anwachsen der freien Szene Schritt zu halten". Es wäre gut für Saarbrücken, wenn sich die freie Szene weiterentwickeln könnte. Da stimmte die SPD-Stadtverordnete Elisabeth Potyka zu. "Wir müssen uns auf die Dauer etwas einfallen lassen", sagte sie, wollte aber "keine Versprechen machen", sondern es "im Hinterkopf behalten, dass wir da irgendwann etwas drauflegen". Zurzeit gehe es nur "um die sinnvolle Verteilung der vorhandenen Mittel".

Und da folgte der Kulturausschuss dem Vorschlag aus dem Kulturdezernat. Mit einer kleinen Änderung: Der Zuschuss für das von Marguerite Donlon geplante internationale Tanzfestival wurde von 18 000 auf 17 000 Euro gekürzt. Die 1 000 Euro spendierte der Ausschuss dem Theaterensemble Gruppe 63. Die bekommt so 2500 Euro für ihre Jugendarbeit.

Das habe man wunderbar einvernehmlich geregelt, freute sich der FDP-Stadtverordnete und Oberbürgermeisterkandidat Friedhelm Fiedler. Dumm sei nur, dass es kein Einvernehmen gegeben hat, als die FDP im Stadtrat mehr Geld für die freie Szene beantragt hat. Im Gegensatz zu anderen Städten zahlt Saarbrücken nichts fürs große Theater, das hier vom Land finanziert wird. Um so wichtiger sei es, bei der freien Szene "noch eine Schippe draufzulegen".

Es sei "wohlfeil, einfach einen Antrag zu stellen und dann zu sagen: ,Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen'", hielt Grünen-Fraktionssprecher Thomas Brück Fiedler entgegen. Die FDP habe zwar mehr Geld für die Kultur gefordert, aber nicht gesagt, wo man es denn einsparen soll. Na ja, das Projekt Stadtmitte am Fluss und den neuen Fahrradbeauftragten habe die FDP genannt - wohl wissend, dass die rot-rot-grüne Stadtratsmehrheit darauf nicht eingehe.

CDU, SPD und Grüne blieben dabei: In diesem Jahr gibt es keinen Nachschlag. Fürs nächste Jahr müsse man reden.

Auf einen Blick

Maggie Donlons Tanzfestival bekommt in diesem Jahr etwas weniger Geld. Foto: Theater
Maggie Donlons Tanzfestival bekommt in diesem Jahr etwas weniger Geld. Foto: Theater

275 890 Euro hat der Kulturausschuss unter 38 Kulturinitiativen verteilt. Der größte Einzelbetrag geht ans Kino achteinhalb (55 840 Euro), das Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) bekommt 20 000 Euro, die Saarbrücker Sommerszene 26 000 Euro, die Freunde der Saarbrücker Kammermusiktage 13 000 Euro. Fürs Jazz-Syndikat/Jazz Transfer gibt es 22 000 Euro. ols