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Ein Jahr nach dem tödlichen Zugunfall in Luxemburg
Pendlerzüge haben noch kein einheitliches Notfallsystem

Vor einem Jahr kollidierten in Luxemburg eine Regionalbahn und ein Güterzug. Ein Lokführer starb bei dem Unfall.
Vor einem Jahr kollidierten in Luxemburg eine Regionalbahn und ein Güterzug. Ein Lokführer starb bei dem Unfall. FOTO: rup
Luxemburg. Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall in Luxemburg sind französische Regionalbahnen immer noch nicht auf das europäische Steuerungssystem umgestiegen. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Bettemburg kurz vor 9 Uhr: Die Rettungskräfte sind alarmiert und eilen zur Unglücksstelle, wo eine Regionalbahn gerade mit einem Güterzug frontal zusammen gestoßen ist. Der Güterzugführer wird ins Krankenhaus gebracht. Auch die Schaffnerin des Personenzugs ist verletzt. Für den Regionalbahnführer kommt aber jede Hilfe zu spät. Er kann nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden.


Diese dramatischen Szenen spielten sich heute vor genau einem Jahr in Luxemburg ab. Und es war nicht das erste Mal, dass ein Zugunfall im Großherzogtum Leben kostete. 2006 waren ein paar Kilometer weiter in der Nähe von Zoufftgen (Lothringen) sechs Menschen nach einem ähnlichen frontalen Zusammenprall zweier Züge gestorben. Glück im Unglück war, dass zum Unfallzeitpunkt vor genau einem Jahr keine Passagiere mit der Regionalbahn Richtung Frankreich unterwegs waren.

Die Ermittlungen im vergangenen Februar zeigten, dass die Technik versagte, als ein Stopp-Signal nicht erkannt wurde. Genau um solche Frontalzusammenstöße zu verhindern, wenn Züge auf eingleisigen Bahnstrecken verkehren, wurde in der EU das Zugsteuerungssystem ETCS eingeführt. Werden rote Signale nicht beachtet, soll dieses Sicherheitssystem den Zug stoppen. Damit es funktioniert, müssen sowohl die Gleise als auch die Züge damit ausgestattet werden. Zum Zeitpunkt des Unglücks im vergangenen Jahr hatte der luxemburgische Verkehrsminister François Bausch mitgeteilt, dass 51 Prozent der luxemburgischen Passagierzüge mit ETCS fahren und man diese Zahl rasch erhöhen wolle. Ein Jahr nach dem Unfall ist auf luxemburgischer Seite das Problem offenbar gelöst. „Seit Ende 2017 fahren alle unsere Passagierzüge mit dem ETCS-System“, bestätigte auf Anfrage eine Sprecherin der luxemburgischen Bahngesellschaft CFL.



Doch nicht alle Züge Richtung Großherzogtum sind auch CFL-Züge. Der grenzüberschreitende Verkehr wird ebenso von der französischen Bahn SNCF bedient. Und hier hinken die Ausrüstungspläne hinterher. Auf den Gleisen sieht es zwar gut aus. Die Strecke zwischen Uckange und Luxemburg ist am Boden mit dem modernen Sicherheitssystem ausgestattet, wie SNCF-Sprecherin Sophie Huraux berichtet. Zurzeit werde das System dennoch ausschließlich von den Schnellzügen TGV genutzt, die Paris mit Luxemburg-Stadt verbinden. „Was die Regionalzüge TER angeht, ist kein Wagen mit dem ETCS-System ausgestattet“, sagt Huraux. Zurzeit laufe ein Projekt, um die Wagen, die im grenzüberschreitenden Verkehr nach Luxemburg eingesetzt werden, auszurüsten. So schnell wird die Umstellung aber nicht passieren. „Die erste Fahrt mit dem ETCS ist für den 1. Juli 2019 geplant“, kündigt die Sprecherin an. Bis Ende Juni 2020 soll der komplette grenzüberschreitende Fuhrpark der SNCF, 25 Zugwagen, damit ausgestattet sein.