| 21:16 Uhr

Prozess
Bürgermeister will umstrittene Aussage zu Juden künftig unterlassen

Bad Dürkheim. (lrs) Der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg, Georg Welker (parteilos), hat sich verpflichtet, eine umstrittene Äußerung über Juden, die NS-Zeit und die deutsche Staatsangehörigkeit nicht zu wiederholen. Nach einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Dürkheim akzeptierte der 71-Jährige gestern die Forderung eines Mannes aus dem Saarland.

(lrs) Der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg, Georg Welker (parteilos), hat sich verpflichtet, eine umstrittene Äußerung über Juden, die NS-Zeit und die deutsche Staatsangehörigkeit nicht zu wiederholen. Nach einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Dürkheim akzeptierte der 71-Jährige gestern die Forderung eines Mannes aus dem Saarland.



Gilbert Kallenborn (63) hatte in einem Eilverfahren durchsetzen wollen, dass Welker eine im Zusammenhang mit der „Hitler-Glocke“ von Herxheim getätigte Äußerung unterlassen muss. Es ging um den Satz: „Ich sage nur: Ich höre die Opfer, das waren auch deutsche Bürger, also nicht nur die jüdischen.“ Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hatte die Äußerung mit der Frage kommentiert, ob Welker andeute wolle, dass Juden damals keine deutschen Bürger gewesen seien. Das entspräche der Nazi-Ideologie. Kallenborn, nach eigenen Angaben jüdischen Glaubens, fühlte sich von den Äußerungen verletzt.

Welker sagte, er gebe zu, die Äußerung könne „in isolierter Form missverständlich“ sein. „Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass jüdische Bürger deutsche Bürger sind.“ Die Aussage, die in einem „Kontraste“-Interview im TV gefallen war, sei ein Reflex auf die Aussage einer Frau gewesen, die gesagt habe, wenn sie die Glocke höre, höre sie Hitler. Er habe an nicht-jüdische Opfer der NS-Zeit gedacht, die er als Pfarrer in Herx­heim begraben habe. Die Kosten für das Verfahren wollte Welker, der sich in einen Rechtsstreit hineingezogen sah, nicht übernehmen. Dafür solle Kallenborn aufkommen. Eine Entscheidung soll am 14. Februar fallen.

Kallenborn, der mehrfach wegen Zwischenrufen ermahnt worden war, sagte nach der Sitzung, Welker habe versucht, seine Aussagen zu verwässern. „Sein allergrößtes Bedenken ist, wie viel Geld er zahlen muss.“ Er warf Welker auch vor, dass er die aus dem Jahr 1934 stammende Glocke hängenlassen will. Diese trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland Adolf Hitler“. Die Glocke im Kirchturm gehört der Zivilgemeinde. Offen ist, was mit ihr passiert. Der Gemeinderat hatte eine Sachverständige um ein Gutachten gebeten. Dieses bleibt bis zur nächsten Ratssitzung am 26. Februar unter Verschluss.