Computerspiel im Test : Auf verschlungenen Pfaden

„Imperator: Rome“ ist ein Schwergewicht mit kleinen Schwächen für eroberungslustige Strategen.

Wer sich auf Paradox’ Strategie-Monster „Imperator: Rome“ vorbereiten will, sollte sich noch einmal Ridley Scotts „Alien“ vor Augen führen. Dort lernt man in einer denkwürdigen Szene: Der Feind kommt von innen. Während dieser Feind im Film ein außerirdisches Monster ist, übernehmen diese Rolle in „Imperator: Rome“ die politischen und militärischen Führer des eigenen Volkes beziehungsweise die einzelnen Bevölkerungsgruppen. Wenn man die nicht bei Laune hält, werden sie unzufrieden und ruckzuck hat man einen Bürgerkrieg am Hals.

Eigentlich geht es in „Imperator: Rome“ natürlich nicht primär um die Laune einzelner Spielfiguren, sondern darum, eine antike Zivilisation zur Großmacht zu machen. Und zwar, anders zum Beipiel als in den jüngeren Spielen der „Civilization“-Reihe, in erster Linie militärisch. Alle anderen Spielmechaniken dienen eigentlich im weitesten Sinne der Unterstützung, sei es das Wirtschafts- oder das Politik-System. Was nicht heißt, dass man sich in diese Elemente des Spiels nicht ebenfalls stundenlang versenken könnte. Aber es spricht doch Bände, dass das Siedlungsmanagement in einem auf Kriegsführung fokussierten Titel wie beispielsweise „Total War: Rome 2“ deutlich komplexer ist. Das gilt im übrigen auch für die Schlachten selber, die in „Empire: Rome“ vom Computer ausgewürfelt werden anhand etlicher Werte und Voreinstellungen. Um hier auf einen grünen Zweig kommen, bedarf es eines wesentlich höheren Abstraktionsvermögens als bei „Total War“, wo man spätestens beim zweiten Versuch mit eigenen Augen sieht, dass es zum Beispiel eine schlechte Idee ist, mit Reiterei frontal Speerträger anzugreifen.

Der große Mangel an „Imperator: Rome“ ist seine mangelnde Einsteigerfreundlichkeit. Das Programm steckt voller Schaltflächen, Menüs und Werte, deren Bedeutung man sich nach und nach erarbeiten muss. Das Tutorial ist da nur eine sehr schwache Hilfe.

Man muss also eine gewisse Zähigkeit und Leidensfähigkeit mitbringen, um sich dem Spiel so weit nähern zu können, dass sein Charme und seine Möglichkeiten zum Vorschein kommen. Danach fällt es, ähnlich wie vergleichbaren Strategietiteln von „Europa Universalis“ bis zur „Total War“-Reihe, schwer, sich wieder vom Rechner zu lösen.

Die Karte reicht von Spanien bis Indien. Foto: Paradox Interactive
Manche Ereignisse im Spiel sorgen für Stirnrunzeln. Foto: Paradox Interactive

Wertung (Schulnote): 3+