Glückshormone im Kino

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit sich dem entwaffnenden Charme dieses Films zu entziehen. Schon in der Eröffnungssequenz bekennt sich Damien Chazelles "La La Land" zur Euphorie eines Genres, das schon oft für tot erklärt wurde und hier in all seiner Quicklebendigkeit noch einmal reanimiert wird.

Während eines morgendlichen Staus verwandelt sich ein Freeway in Los Angeles innerhalb weniger Sekunden in eine Partyzone. Die akrobatische Tanzchoreographie führt über Wagendächer und Leitplanken hinweg, während das rege Treiben in einer eleganten Kamerafahrt ohne Schnitt eingefangen wird. Es ist dieser Moment, in dem sich das scheinbar Alltägliche in einen Traum aus Tanz, Musik und Gesang verwandelt, der das Musical von jeher ausgezeichnet hat.

Und Chazelle ("Whiplash") zelebriert diese Momente mit einem cineastischen Verve, wie man es schon sehr lange nicht mehr gesehen hat. Räume werden in ein buntes Licht- und Farbenmeer getaucht, sobald sich eine Stimme zum Gesang erhebt. Auf einer sommerlichen Poolparty fängt es kurz an zu schneien, einfach weil es schön aussieht. In einem Planetarium verliert die Erdanziehung alle Macht über die Liebenden und sie erheben sich schwerelos singend in den Sternenhimmel hinein. Kitsch? Ironie? Keins von beidem, sondern die unbändige Lust am Genre und seinen entgrenzten Ausdrucksmöglichkeiten.

Natürlich geht es um Liebe und um Lebensträume und darum, dass beides einander beflügelt und sich gegenseitig im Wege steht. Mia (Emma Stone ) arbeitet in einem Coffee-Shop auf einem Studiogelände und hofft eines Tages durch die Casting-Schleuse hindurch und vor die Kameras der Traumfabrik zu gelangen. Sebastian (Ryan Gosling ) ist ein chronisch verschuldeter Jazz-Pianist, der davon träumt, seinen eigenen Club aufzumachen. Erst nach einigen - durchaus überraschenden - romantischen Fehlzündungen finden die beiden zueinander. Gosling und Stone geben ein hinreißendes Leinwandpaar ab, das eine ungeheuer entspannte Sexyness abstrahlt. Wenn sie auf einer Bank sitzen und ihren Füßen zuschauen, die gerade ihre ersten Steptanzschritte machen, dann ist das auch eine augenzwinkernde Analogie für die sich verselbstständigenden Gefühle. Dass gerade die Erfüllung ihrer Träume die Liebenden auseinander treibt - auch dabei schaut man den beiden gerne zu. Denn bis dahin hat "La La Land" schon soviele cineastische Glückshormone ausgeschüttet, dass ein Schuss Melancholie und das Wissen um die Möglichkeiten wie die Vergänglichkeit der Liebe dieses atemberaubend herzerwärmende Kinoerlebnis nur noch mehr versüßt. Kein Wunder, dass der Film gerade mit sieben Golden Globes überschüttet wurde und auch bei der Oscar-Rallye als Favorit gehandelt wird...

USA 2016, 128 Min., Camera Zwo Sb; Regie und Buch: Damien Chazell; Musik: Justin Hurwitz, Marius De Vries; Darsteller: Ryan Gosling , Emma Stone , John Legend, J.K. Simmon