1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Finanzspritze für Suchtzentrum fraglich

Finanzspritze für Suchtzentrum fraglich

In der Debatte um die Zukunft des geschlossenen Drogenhilfezentrums wird die Stadt wohl keine Finanzspritze geben können. Dafür sei sie selbst zu klamm, so Zweibrückens Stadtsprecher Heinz Braun. Außerdem verdiene man ordentlich an den Patienten.

Klärt sich heute die künftige Finanzierung des nach Randalen geschlossenen Drogenhilfezentrums in der Gabelsbergerstraße? Am Nachmittag will Ralph Pleier, Geschäftsführer des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das die Suchtpraxis betreibt, mit Jugendamtsleiter Markus Wilhelm und Bürgermeister Rolf Franzen (CDU ) sprechen. Zweibrückens Stadtsprecher Heinz Braun sagte gestern auf Merkur-Nachfrage, dass man sich mit der Möglichkeit einer Finanzspritze für das MVZ "noch nicht beschäftigt" habe. "Ich glaube nicht, dass wir das machen können. Das wäre eine freiwillige Leistung", so Braun. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion werde diese angesichts der schlechten Stadtfinanzen kaum erlauben. "Wenn ich so eine Praxis betreibe, kriege ich relativ viel Geld ", nimmt er den Betreiber in die Pflicht. Dr. Karel Bures, der bis 2010 ein Drogen-Substitutionsprogramm in Zweibrücken anbot, "hat fast ausschließlich davon gelebt". Nach Merkur-Informationen wird die Behandlung von Drogenpatienten besser vergütet als die von Privatpatienten, weil verschiedene Checks durchgeführt werden, Bluttests auf Hepatitis oder HIV, Ultraschall der Leber oder EKG-Unterschung. An 60 Drogenpatienten verdiene man etwa so viel wie an 500 Kassenpatienten, sagt ein Insider, der anonym bleiben will: "Wer Drogensubstitution anbietet, macht das nicht aus Nächstenliebe, der verdient gut daran."

Ralph Pleier, der MVZ-Geschäftsführer, stellt die Situation anders dar: "Wenn man eine vernünftige Sachausstattung sicherstellt, ist die Drogensubstitution so lukrativ wie der ganze Rest des MVZ. Man wird nicht reich an den Patienten." Zu der Ausstattung gehörten Extra-Sicherheitsgitter und -Toiletten, ein Alarm, der regelmäßig gewartet werden müsse, Tresore für die Drogenlagerung. Auch müssten vom Evangelischen Krankenhaus, zu dem das MVZ gehört, für zwei Stunden am Tag zwei bis drei Mitarbeiter in die Gabelsbergerstraße fahren. "Die Kosten sind insgesamt hoch, die haben andere Praxen nicht", betont Pleier. Man betreibe ein "gemeinnütziges MVZ": "Die letzten Jahre haben wir dort kein Geld verdient. Unser großes Bestreben ist das auch nicht. Die Drogensubstitution machen wir, weil die Leute versorgt werden müssen."

Ehe man das Zentrum wieder eröffne, müsse man die "erheblichen Sachschäden" der Randale vom vergangenen Mittwoch (wir berichteten) beseitigen: "Der Schreiner muss kommen, das beschädigte Fenster war auch eine Sonderanfertigung. Bis Ersatz da ist, wird es ein paar Tage dauern", sagt Pleier. Die Zeit wolle man nutzen, um ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Gestern habe es dazu eine Ideensammlung mit MVZ-Mitarbeitern gegeben. Diese hätten etwa darauf beharrt, als Mitarbeiter einer Arztpraxis und nicht einer Justizeinrichtung keine Selbstverteidigungskurse machen zu wollen. Kommt nun ein Sicherheitsdienst für die Ausgabezeit? Pleier: "Das wurde kontrovers besprochen. Die Haltung war: wenn, dann nur vorübergehend." Eher wolle man Patienten, die bisher aggressiv waren oder nebenher weitere Drogen konsumierten, aus dem Programm werfen.

Auch berichtete Pleier, dass man - Stand gestern Mittag - alle 60 Patienten des Zweibrücker Drogenhilfezentrums an die Praxen von Dr. Santa Weisgerber in Sankt Ingbert und Dr. Peter Kielbassa in Neunkirchen weitervermittelt habe. Bei Dr. Weisgerber kamen 28 Patienten unter, wie der Merkur erfuhr. Die Praxis von Dr. Kielbassa äußerte sich nicht näher.

Dem Ordnungsamt sind seit der Eröffnung des Drogenhilfezentrums nur wenige Beschwerden von Anwohnern in der Gabelsbergerstraße bekannt. Laut Amtsleiter Klaus Stefaniak hätten sich im April 2012 Leute beschwert: "Es ging um Becher, die auf dem Boden lagen."

Nach Einbrüchen in zwei Arztpraxen und zwei Autos ermittelt die Zweibrücker Polizei nicht im Bezug auf Beschaffungskriminalität. Das sagte der stellvertretende Polizeichef Michael Hummel auf Anfrage. Ausschließen könne man diesen Hintergrund - im zeitlichen Zusammenhang mit dem geschlossenen Substitutionszentrum - nicht, aus den Praxen sei aber nur Geld gestohlen worden, keine Rezepte. Letztgenannte hätten die Diebe nutzen können, um an Drogen zu kommen.