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Not-Krankenhaus in Saarlouis ist bereit für Corona-Patienten

Kostenpflichtiger Inhalt: Versorgung in der Pandemie : Not-Krankenhaus in Saarlouis steht bereit für Corona-Patienten

Landkreis, Hilfsdienste und Bundeswehr haben das erste Not-Zentrum für Corona-Patienten eingerichtet. Binnen 48 Stunden kann es loslegen.

Wie bekommt man ein Krankenhaus in eine Sporthalle? Eine Frage, mit der sich DRK-Einsatzleiter Christian Diekow gemeinsam mit dem Krisenstab des Landkreises wochenlang intensiv beschäftigt hat. Nun ist es geschafft, nach umfangreicher Planung und Logistik: das erste Not-Krankenhaus im Kreis steht, in der Sporthalle in den Fliesen in Saarlouis.

Offiziell heißt es „Covid-19 Versorgungszentrum (CVZ)“. Es soll Corona-Patienten stationär versorgen, wenn es zu einer Überlastung der Krankenhäuser kommt. Erstaufnahmen wird es nicht geben, nur Patienten, die nach der Intensivbehandlung genesen, die geringen Therapiebedarf haben, werden weiter versorgt. „Wenn das hier in Betrieb geht, sind alle Krankenhäuser in der Umgebung zu 120 Prozent belegt, außerdem jedes dritte Reha-Bett“, erklärt Manfred Klein, Geschäftsführender Direktor der Sophienstiftung Wallerfangen, die Träger des CVZ ist.

„Wir sind alle froh, wenn wir die Arbeit hier umsonst gemacht haben“, betonte Landrat Patrik Lauer. „Aber wenn wir die Plätze brauchen, sind wir gut vorbereitet.“ Der Kreis hat nach dem Auftrag des Gesundheitsministeriums am 8. April mit dem Aufbau begonnen; geplant wurde schon seit Mitte März, denn „viel Vorarbeit, viel Fachwissen aus den Krankenhäusern, aus den Hilfsdiensten“ war notwendig, erklärte Lauer, der die „hervorragende Zusammenarbeit im Kreis“ hervorhob.

Weit über 100 Helfer aus den Hilfsorganisationen DRK, DLRG, THW, Freiwillige Feuerwehr, Malteser, Bundesverband Rettungshunde (BRH) und Notfall-Seelsorge Saarland waren bisher beteiligt; Partner des Kreises ist die Bundeswehr, die auch einen eigenen Arzt für das Zentrum abstellt.  

„Wir haben Verhältnisse geschaffen, die eine menschenwürdige Behandlung möglich machen“, sagt Klein. Einzig die Sauerstoffversorgung fehlt noch; dann könnte das CVZ binnen 48 Stunden an den Start gehen. Die Halle ist mit schwer entflammbaren und schalldämpfenden Stoffbahnen unterteilt. Zwei bis drei Betten pro Kabine, eine Steckdose für das Handy, um Kontakt zur Familie zu halten, eine Box für Kleider – von Komfort kann keine Rede sein. Aber das CVZ ist „ausdrücklich für den Notfall“ konzipiert, betont auch Bernd Paul, Kreisbrandinspekteur.

105 Betten stehen nun in der Sporthalle, darunter 54 Pflegebetten. Duschen und Toiletten für die Patienten gibt es in drei Containern im Außenbereich. Weitere Container beherbergen Büro sowie ein Lager für Lebensmittel, Material und Sauerstoff.

Die Patienten versorgt der Träger, unterstützt von Ehrenamtlichen und den Hilfsdiensten. Aktuell haben 34 Bürger, ausgebildete Ärzte oder Krankenpfleger, ihre Hilfe angeboten, die meisten davon sind noch aktiv im Beruf. Für den vollen Betrieb bräuchte man täglich, für je 24 Patienten, eine examinierte Pflegekraft, zwei Hilfskräfte und zwei Ärzte, rechnet Klein vor.

Trotz guter Vernetzung ist ein solches Zentrum Neuland für alle Partner, ein Modell gab es nicht: „Wir hatten viel Erfahrung mit Akutversorgung, wenig mit der längeren Behandlung von Patienten“, schildert Diekow. Aufgebaut habe man auf die Erfahrung mit der Katastrophenschutzübung 2019 und mit großen Festivals.

An vieles musste gedacht werden: Von hygienischen Schutzmaßnahmen wie einer Schleuse für das Personal, Unterteilung in Schwarz- und Weißbereiche über Notstromaggregat, Versorgung mit Essen und Wäsche, Beleuchtung und Klimatisierung bis zum Schutz vor Besuchern und Gaffern. Für spontane Notfälle gibt es zwei Intensivbetten mit Beatmungsgeräten in einem gesonderten Raum, wo die Zeit bis zum Transport in ein Krankenhaus überbrückt werden kann.

Bisher hat das Zentrum den Kreis rund 360 000 Euro gekostet. Vorgehalten werden soll es, „bis es einen Impfstoff gibt oder der Gesundheitsminister etwas anderes vorgibt“, sagte Lauer. In einem zweiten Schritt soll noch ein CVZ in Lebach in der Sporthalle an der Ziegelhütte mit 65 Betten aufgebaut werden.