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Kita in Wallstraße: Eigenverantwortung als Lernziel

Kita in Wallstraße : Eigenverantwortung als Lernziel

In den Zweibrücker Kindertageseinrichtungen werden die Weichen für den Nachwuchs mitgestellt. Und das überall mit anderen Schwerpunkten und Besonderheiten. In einer Serie stellt der Merkur die rund 20 Einrichtungen in der Rosenstadt vor. Heute: der protestantische Kindergarten Wallstraße.

„Wenn Ihr jetzt rausgeht, macht Ihr zuerst den Kontrollgang und sammelt alles auf, was da nicht hin gehört. Tut Ihr mir diesen Gefallen?“ fragt die Erzieherin Rita Schäfer. Eifrig ziehen die beiden sechsjährigen Jungs der evangelischen Kita Wallstraße los. Gründlich kontrollieren sie das große Außengelände zwischen Wall- und Kaiserstraße und kehren stolz mit Papierstreifen zurück. „Man findet immer etwas“, sagen sie. Während sie ihre Unterschrift in das Kontrollgang-Formular setzen, scheinen die beiden Schulabgänger noch einmal zu wachsen. „Unsere Kinder dürfen in Absprache mit uns selbständig  entscheiden, ob sie drinnen oder draußen spielen“, erklärt Kita-Leiterin Monika Dobicki.

Bei nahezu jedem Wetter verbringen die Kindergruppen täglich Zeit an der frischen Luft: im Außengelände, auf einem anderen Spielplatz, beim Gang durch die Innenstadt oder einem Ausflug in den Wald. Dem Bewegungsdrang der Kinder tragen auch der Spielbereich im Flur und die eigene Turnhalle Rechnung.

Entscheidungsfreiheit gilt auch für das Spiel im Innenbereich.

Für jede der drei Gruppen gibt es ein kleineres Spiel- oder Rückzugszimmer, in dem die Kinder selbstverantwortlich agieren dürfen, weitgehend ohne Aufsicht. In der Werkstatt können sie malen oder mit Holz arbeiten. Alle drei Gruppenzimmer verfügen über zwei Ebenen. Auf der Hochempore ist zur Zeit die Bauecke eingerichtet. „Wir probieren da im Team immer wieder Neues aus und bieten unseren Kindern damit neue Möglichkeiten“, beschreibt die Teamleiterin. So, wie sich die älteste der Zweibrücker Kindertagesstätten im Laufe der Jahre durch verschiedene Anbauten weiter entwickelt hat, entwickele sich auch das pädagogische Konzept kontinuierlich.

Das elfköpfige Wallstraßen-Team hat eine U3-Gruppe für die Kleinsten eingerichtet, um sich intensiv mit ihnen befassen zu können, ohne den Älteren dadurch Aufmerksamkeit zu entziehen.

Im Mittelpunkt der Pädagogik in der Wallstraße steht das Kind mit seiner Persönlichkeit, die es wahrzunehmen und zu respektieren gelte.

Statt fest vorgegebener Lernbereiche dürfen die Kinder heute viel mehr selbst entdecken, was sie interessiert. Themen, die für die Kinder gerade wichtig sind, werden wahr- und auch vertiefend aufgenommen.

„Das Lernen geht vom Kind aus. Was es mit Freude wissen und lernen will, behält es auch“, beschreibt Kita-Leiterin Monika Dobicki. Oft entstehe daraus ein Projekt für die gesamte Gruppe oder sogar den ganzen Kindergarten. Die Kinder sollen sich mit ihren Fragen und Anliegen in der Kindertagesstätte angenommen und wohl fühlen.