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Streit um Online-Filmrechte: „Verschenken Sie nichts, was Ihnen nicht gehört“

Streit um Online-Filmrechte : „Verschenken Sie nichts, was Ihnen nicht gehört“

Weshalb eine geplante EU-Verordnung über die europaweite Vermarktung von Filmrechten die Branche in Aufregung versetzt.

Deutschlands Dokumentarfilmer waren nicht die einzigen, die unlängst Straßburgs EU-Parlamentarier eindringlich davor warnten, „nichts zu verschenken, was Ihnen nicht gehört“. Hintergrund des Hilferufs der AG-Dok – mit 850 darin organisierten Filmschaffenden der größte Berufsverband der deutschen Filmbranche – sind EU-Bestrebungen, per Verordnung eine europaweite Vermarktung von Online-Rechten an Filmen und Serien einzuführen. Konkret würden die Mediatheken-Angebote der europäischen Fernsehsender künftig damit nicht nur in ihrem jeweiligen Herkunftsland, sondern europaweit abgerufen werden können. Die Folgen für den europäischen Filmmarkt wären nicht nur nach Einschätzung der deutschen Dok-Filmer verheerend. Aufgeschreckt ist die gesamte Branche. Weil Produzenten der Auslandsverwertung von Filmen beraubt würden, die nach nahezu einhelliger Branchenmeinung unerlässlich ist für die Finanzierung vieler Produktionen. Decken die Lizenzrechte doch bis dato oft ein Viertel der Kosten ab.

Der Alarmruf der europäischen Filmschaffenden hat gefruchtet. Vorerst. Der zuständige Ausschuss für Kultur und Bildung (Cult) hat dem EU-Parlament dieser Tage empfohlen, bei der Vergabe von Online-Filmrechten das bestehende Territorialprinzip beizubehalten. Mehr als ein Etappensieg ist dies jedoch nicht, da im Herbst zunächst der EU-Rechtsausschuss und dann Kommisison und Ministerrat noch anders entscheiden könnten. Alfred Holighaus, Präsident der Spitzenorganisation der Deutschen Filmwirtschaft (Spio), wird denn auch mit den Worten zitiert, „die Messe ist noch nicht gelesen“.

Der zunächst gescheiterte Vorstoß, das Territorialprinzip auszuhebeln, geht maßgeblich auf die Vorsitzende des Cult-Ausschusses, Petra Kammerevert (SPD), zurück, die zugleich Vorsitzende des Programmausschusses des WDR-Rundfunkrates ist. Kritiker unterstellen ihr Lobby-Arbeit im Dienst der TV-Anstalten. Fraglos würden die Sender von einer Novellierung erheblich profitieren, wären doch mit dem Erwerb der Lizenzrechte in einem Land Filme europaweit frei zugänglich. Ein Ansinnen, das die AG-Dok eine „Rechte-Fledderei zum Nulltarif“ nennt. Schon jetzt sei die Marktmacht der TV-Anstalten auf nationaler Ebene erdrückend, sodass „es unseren Produzenten (und erst recht den Urhebern) in Verhandlungen mit den Sendern so gut wie unmöglich (ist), die Rechte zur Mediathekennutzung zurückzubehalten“, hieß es in ihrem Appell an die Adresse des EU-Kulturausschusses. Bald werden sie einen neuen aufsetzen müssen, diesmal an die Adresse des Rechtsausschusses gerichtet.