30 Jahre Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes

Kostenpflichtiger Inhalt: 30 Jahre Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes : Millionen für das Saarlandmuseum

Man muss sie feiern: 30 Jahre lang tut die Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes schon Gutes. Nicht nur finanziell.

Geld ist nicht alles. Vor allem nicht, wenn man mit der Präsidentin der Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes spricht. Dabei hat Professor Inge Weber den wohl erfolgreichsten Kultur-Förderverein des Landes ins Leben gerufen. Im Schnitt rund 100 000 Euro jährlich fließen über ihn an die Museen der Stiftung, schon 30 Jahre lang. Eine weitgehend ehrenamtlich erarbeitete Millionen-Summe, von der Weber kein Aufhebens machen will, weil sie das Wirken ihres Vereins nach anderen Kriterien misst.

„Kommunikation ist alles“ steht denn unausgesprochen als Motto über ihrem Engagement. Das mag verblüffen, denn Weber selbst pflegt einen feinen, leisen Ton. Trotzdem: Beharrlich werben kann sie eben auch. Deshalb finanzierte ihr Verein Anfang der 90er Jahre die erste Stelle für Öffentlichkeitsarbeit im Saarlandmuseum. Marketing - damals fast als Provokation. Und heute? Es ist wiederum kein Zufall, dass Weber, auf die Weiterentwicklung der Stiftung angesprochen, eine bessere Außenwirkung als Ziel nennt: „Wir müssen das Museum als einen Ort der Begegnung vermitteln.“ Die Zeiten einsamer stummer Andacht seien vorbei, die Menschen wünschten sich gemeinsame Erlebnisse, Austausch, Lebendigkeit. Weber hält das auch für das Erfolgsgeheimnis ihres Vereins. „Man schätzt das Wir-Gefühl, möchte gerne dabei sein, wenn etwas passiert.“

 Die 1400 Mitglieder sieht sie jenseits finanzieller oder auch zeitlicher Leistungen – etwa von rund 30 unentgeltlichen Mitarbeiterinnen im Museumsshop – als „Botschafter und Multiplikatoren“ für die Kunst und die Museen, als wahre „Freunde“. Letzteres ist keine Floskel: Webers Fördergesellschaft bewies sich in Zeiten der Not als unerschütterlich. Als die Stiftungs-Institutionen durch den Museums-Neubau-„Skandal“ und Spesen-Affären des damaligen Vorstands in ein Image-Loch ungeahnten Ausmaßes rutschten, waren es Weber und ihre Mitstreiterinnen, die die Stellung hielten. Ganz konkret: Am St. Johanner Markt richteten sie einen vorläufigen Museumsshop ein, machten die Moderne Galerie im öffentlichen Leben auch während der Schließungsphase präsent, warben unermüdlich für das Bau-Vorhaben.

Die Präsidentin der Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen  Kulturbesitzes, Inge Weber. Foto: Wolfgang Klauke/Bildarchiv. Foto: Wolfgang Klauke © Bildarchiv Fördergesellschaft

Die „lähmenden Jahre“ bis zur Eröffnung des Erweiterungsbaus 2017 zu überbrücken, sei ihre „härteste Aufgabe“ in all den Jahren gewesen, sagt Weber. Fast die Hälfte der damals 2000 Mitglieder sei ihr von der Fahne gegangen. Immerhin, der Verein hat wieder aufgeholt, ist – darauf legt Weber Wert – sozial breit aufgestellt, offen für alle, die bereit sind, 50 Euro Beitrag zu zahlen. Der Gegenwert? Beachtlich. Freier Eintritt zu allen Ausstellungen aller Stiftungs-Museen, Vorab-Besuche, Künstler-Begegnungen, Direktoren-Führungen. Weber: „Ich wollte keinen elitären Sponsorclub gründen, in den nur eintritt, wer sich die hohen Beitrittskosten leisten kann.“

Gleichwohl bietet auch die Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes Zusatz-Angebote, die bezahlt werden müssen und die Vereinskasse auspolstern. Das sind vor allem Fahrten zu Messen und Top-Ereignissen der Kunst-Szene. Der touristische Sektor, auch aufwendige Kultur-Fernreisen, bieten ein gutes Einnahme-Geschäft. Man arbeitet mit einer Reiseagentur zusammen, gestaltet die Routen aber mit. Denn es bestehen exzellente, über Jahre gewachsene Kontakte in die internationale Kunst- und Museumsszene, bis in die Vorstände kultureller Spitzeneinrichtungen wie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Ohne Webers Netzwerk-Fleiß undenkbar. Die studierte Psychotherapeutin treibt zweifelsfrei auch kulturpolitischer gestalterischer Ehrgeiz an, sonst wäre sie kaum über Jahre Kuratoriumsmitglied oder Vorsitzende des Stiftungs-Beirats geblieben. Wobei es für sie als Fördervereins-Präsidentin nach eigenem Bekunden tabu ist, den Museumsdirektoren in ihre Ausstellungsprogramme oder Ankaufs-Wünsche hineinzureden. Die Stiftungsvorstände schlagen der Fördergesellschaft Neuerwerbungen für eine Mitfinanzierung vor.

21 Kunstwerke und Nachlässe zählen nur dank der Finanz-Hilfe des Fördervereins (500 000 Euro) zum Stiftungs-Bestand. Darunter sind Werke, ohne die die aktuelle Präsentation im erweiterten Museum kaum stimmig wäre: Albert Weisgerbers „Prozession in St. Ingbert“ (1907), Max Slevogts „Orang Utan“ (1901) oder etwa Gemälde von Günther Förg oder W. Tokarski. Doch dass Jonathan Meeses „Love like blood“ (2004) in Saarbrücken hängt, unzweifelhaft ein polarisierender Publikumsmagnet, hat dann doch mit Weber zu tun, genauer mit ihrer Begeisterungsfähigkeit. Als sie das Bild in noch nassem Zustand sah, hat sie spontan ausgerufen: „Das müssen wir haben!“

Auch als Privatfrau umgibt sie sich nur mit Gegenwartskunst: „Bilder sind für mich keine Dekoration, sondern Gesprächspartner. Sie rufen andere, innere Bilder auf.“ Künstler-Namen verrät sie nicht, dafür ihre Lieblingsmuseen: Das Louisiana Museum für Moderne Kunst (Dänemark) und die Fondation Maeght in St. Paul de Vence. 

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