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Un-su Kim bietet mit "Die Plotter" schwarzen Humor und viel Spannung

Lesetipp zum Welttag des Buches : Schwarzer Humor und schriller Witz

Was für ein Cover: Die Blüte einer schönen weißen Dahlie auf schwarzem Grund – übersäht mit Blutspritzern. Was für eine Hauptfigur: Der „Held“ heißt Raeseng, wurde als Baby in einer Mülltonne vor einem Nonnenkloster abgelegt.

Schule – Fehlanzeige, ein Schwerverbrecher, Old Racoon, adoptierte ihn, in seiner Bibliothek wächst er auf, jetzt ist er Auftragskiller.

Und was für eine Handlung: Es geht um „die Plotter“, die in Südkorea Mordpläne für die Herrschenden entwerfen. Raeseng ist ein Angestellter dieser Tötungsmaschinerie, ein Killer der depressiven Art in einer zutiefst bösen, kapitalistischen Gesellschaft. Auf dem „Fleischmarkt“ werden die Mordopfer bestimmt, die Aufträge an die Killer und auch die Todesart festgelegt. Die Opfer landen am Ende beim alten Bear, der sie in seinem Haustierkrematorium verbrennt und zu feinem Pulver verarbeitet.

Aber was für ein Schreibstil: Autor Un-su Kim ist ein großartiger Beobachter, er schreibt mit großem Einfühlungsvermögen und geistreichen Anspielungen. Sein Raeseng erinnert an Parzifal, Homers Achilles und an Odysseus. Das Buch ist also viel mehr als ein Thriller, es begeistert mit pechschwarzem Humor, schrillem Witz, kommt mal zärtlich, mal verstörend daher, kaltblütig und warmherzig.

Un-su Kim: „Die Plotter“. Thriller. Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Europa Verlag. München 2018. 360 Seiten. 24 Euro.