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Sich eingraben in die Zeit Heinrichs mit Hilary Mantels Tudor-Trilogie

Lesetipp zum Welttag des Buches : Sich eingraben in die Zeit Heinrichs

(ce) Zu sprechen ist zuerst über Ihren Ohrensessel oder Ihre Gartenliege. Denn für diese Bücher braucht man eine Leseecke, für Hilary Mantels Tudor-Trilogie, die sie in diesem Jahr mit „Spiegel und Licht“ abschloss.

Abertausende Seiten akribischer Historien-„Malerei“ warten auf Leser, die gerne in Details baden. Über 50 Millionen Mal verkauften sich weltweit die ersten beiden Bände „Wölfe“ (2009) und „Falken“ (2012) – ein Phänomen. Oder auch nicht. Schließlich hat die Renaissance-Epoche Heinrichs VIII. (1491-1547) alles zu bieten, was bereits Shakespeares Dramen seit Jahrhunderten zu Publikumsrennern macht: Gewalt, Intrigen, Sex and Crime.

Auch Hilary Mantels Kosmos funkelt vor Gefährlichkeit und Farbenpracht, und er entfaltet zusätzliche Magie, weil der Leser die Hof- und Staatsgeschäfte aus einem vermeintlich authentischen Blickwinkel erlebt, aus der Thomas Cromwells (1485-1540). Der gilt als einer der großen Bösewichte englischer Geschichte, war Motor der dortigen Reformation, zwischen 1532 und 1540 als Berater, Minister und Vize-Regent an der Seite Heinrichs VIII. – ein Machtmensch gigantischen Formats. Und just der analysiert sich in Mantels Romanen selbst, erhellt und verdunkelt sein Profil – ein faszinierendes Erzäh­l-Modell. Ein Plus dabei: Die scharfzüngie Autorin kann alles, nur keinen Historien-Kitsch. Laut Rezensenten-Urteil ist ihr „Spiegel und Licht“ dann doch ein wenig aus der Form geraten, sprich zu füllig geworden. Trotzdem scheint es angemessen, sich just für dieses monumentale Gesamtwerk gerade jetzt einen Rückzugs- und Genussraum zuzulegen.

Hilary Mantel: „Spiegel und Licht“. Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. DuMont Verlag. 1100 Seiten. 32 Euro.