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Luma-Projekt in Arles: Eine Milliardärin baut ihren Traum

Arles : Eine Schweizer Milliardärin baut ihren Traum

Maja Hoffmann hat in Arles eines der größten privaten Kunst- und Kulturprojekte Europas eröffnet. Nicht alle Einwohner sind erfreut.

Die Begeisterung für den Luma-Turm kennt im Café de la Roquette keine Grenzen. „Das ganze Projekt ist ein großer Gewinn für Arles“, schwärmt die junge Kunststudentin Marie Arlot. Sie ist extra aus Paris angereist, sitzt nun mit ihren Freunden auf dem idyllischen Place Paul Doumer im Schatten der Bäume, genießt die Spätsommersonne und den Kaffee. Den ganzen Morgen war die Gruppe auf dem Luma-Ausstellungsgelände unterwegs und ist nun „ganz berauscht von den vielen Eindrücken“.

Der markante Luma-Turm des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry gehört zu den einzigartigen Bauwerken, die polarisieren: man findet sie schön oder hässlich, dazwischen gibt es keine ästhetischen Schattierungen. 56 Meter hoch, zieren ihn rund 11 000 Aluminiumkästen, die den Himmel widerspiegeln und im Licht der Sonne Südfrankreichs wie Kristalle metallisch glänzen. Im ersten Augenblick stellt sich unweigerlich ein Wow-Effekt ein, der dann aber bei jedem Betrachter unterschiedliche Assoziationen auslöst. Das Urteil des Kritikers des Architekturmagazins „L‘Architecture d‘Aujourd‘hui“ fällt wenig nett aus. Er fühlt sich an das halb entstellte Gesicht von Arnold Schwarzenegger in dem Kinofilm „Terminator“ erinnert.

Der in diesem Sommer eröffnete spektakuläre Bau ist Teil eines riesigen Ausstellungskomplexes, hinter dem der Name einer Frau steht: Maja Hoffmann, Schweizer Milliardenerbin des Hoffmann-La Roche-Pharmakonzerns, die viele Jahre ihrer Kindheit in Arles verbracht hat. Schon während ihres Film-Studiums sammelte die heute 65-Jährige zeitgenössische Kunst. Ende der 1990er begann sie, mit Künstlern und Institutionen zahlreiche Kunstprojekte zu produzieren. So sei allmählich die Idee eines Ortes der Kreation und des Austausches zwischen Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern entstanden, sagte sie. In Arles hat sie auf einem ehemaligen Bahngelände mit dem Luma-Projekt für geschätzte 150 Millionen Euro ihren Traum verwirklicht. Der Name ist ein Kunstwort aus den Vornamen ihrer beiden Kinder Lukas und Marina. Nun präsentiert sie auf dem Parc des Ateliers mitten in der 55 000-Einwohner-Stadt einen elf Hektar großen Komplex mit Ausstellungshallen, einer Künstlerresidenz, einem Park, einem Café und Restaurant, dessen Blickfang der spektakuläre Turm von Gehry ist. Mit dem Luma-Projekt wird Arles in die Weltliga der Kunst- und Kulturszene katapultiert, was von der Stadtverwaltung natürlich begrüßt wird. Die Arbeitslosigkeit in Arles liegt mit rund 15 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt, die meisten Leute leben von Einnahmen aus dem Tourismus. Claire de Causans, die Beauftrage für Kultur, ist überzeugt, dass sich diese private Investition sehr positiv auf die Entwicklung der Stadt auswirken wird.

Genau das wird aber von vielen Kritikern bezweifelt. Sie befürchten, dass die angestammten Bewohner aus ihrer Stadt vertrieben werden und Arles zu einer Art Spielwiese der Reichen wird. Die Quadratmeterpreise der Immobilien haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. In der historischen Innenstadt werden kleine Bäckereien, Metzger oder Haushaltsgeschäfte aus den engen Gassen gedrängt und durch hippe Cafés und Life­style-Läden ersetzt. Und brummt im sommerlichen Arles das Leben, verfällt die Stadt danach über viele Monate in eine Art Winterstarre, weil die immer zahlreicher werdenden Sommerresidenzen der reichen Franzosen dann leer stehen. Viele befürchten, dass sich diese Art des Luxustourismus durch das Luma-Projekt von Maja Hoffmann noch wesentlich beschleunigt und die einfachen Menschen auf der Strecke bleiben. Diesen Vorwurf wollen die Luma-Verantwortlichen allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Im Zuge des Projektes seien 380 Arbeitsplätze geschaffen worden, unterstreicht Direktor Mustapha Bouhayati. Das habe Vorteile für die gesamte Region.

Die Luma-Gegner haben sich aber längst formiert. Sie beobachten die Entwicklung mit größter Skepsis und formulieren ihre oft sehr scharfe Kritik unter anderem im Internet im Blog „Les Voisins Vigilants“ (Die wachsamen Nachbarn). Die Macher fordern etwa zu einem Spaziergang durch das historische Viertel La Roquette auf. Dort werde zwar erfreulich viel gebaut, doch die Frage sei, für wen die Häuser renoviert werden. Die Einwohner von Arles fühlten sich inzwischen wie die ferngesteuerten Figuren in dem populären Videospiel SimCity, schreiben „Les Voisins Vigilants“. Dabei kann ein einzelner Spieler eine Stadt nach seinem Belieben aufbauen und verändern.

Bei aller Kritik an dem Projekt wird deutlich, dass sich viele Skeptiker weniger an der aktuellen Entwicklung reiben. Denn auch sie sehen die positiven Seiten des Projektes und erkennen, dass diese Art von hochpreisigem Tourismus vielleicht die einzige Möglichkeit ist, ihrer Stadt eine Zukunft zu geben. Grund zur Unruhe ist eher das ungute Gefühlt, dass die Bürger von Arles ihr Schicksal fast bedingungslos in die Hand einer scheinbar allmächtigen Schweizer Milliardärin geben.