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Kritik zum Album "Will Of The People" von Muse

Rockmusik : Neues Album von Muse: Bombast und Zärtlichkeit

„Will Of The People" heißt das neue Album von Muse – zwischen prächtigem Stadionrock und Balladenschmelz ist alles dabei.

Mitunter klingt das neunte Studioalbum von Muse wie eine Best-of-Zusammenstellung – allerdings gespielt von anderen Musikern. Aber das englische Trio ist ja bekannt dafür, kreativ in allen popkulturellen Bereichen zu wildern und dies alles ihrem eigenen Sound zu unterwerfen. Und so macht es auch nichts, dass der Refrain des Glamrock-artigen Titeltracks „Will Of The People“ ein wenig klingt wie „Beautiful People“ von Marilyn Manson. Die Message dahinter ist laut Sänger, Gitarrist und Mastermind Matthew Bellamy der Wunsch, eine Revolution des einem Scherbenhaufen gleichenden westlichen Wertesystems zu schaffen, ohne in Totalitarismus abzudriften, wie schon so oft geschehen.

Es macht auch nichts, dass „Liberation“ deutliche Anleihen bei Queen nimmt. Der operettenhafte Dreiminüter mit seinen Piano-Strophen und dem hymnischen Refrain überzeugt mit schöner Melodie und wartet nur darauf, in den großen Arenen live abgefeiert zu werden. Ganz zärtlich kommt „Ghosts (How Can I Move On)“ daher. Die fast nur von Bellamys Pianospiel getragene Ballade schildert die Verluste von so vielen Menschen während der Corona-Pandemie. Er zeigte sich überrascht, dass Schlagzeuger Dom Howard und Bassist Chris Wolstenholme diese überhaupt auf dem Album haben wollten – eine sehr gute Wahl.

Fünf Minuten lang ordentlich was auf die Ohren gibt es beim am Metal schnuppernden „Kill or be Killed“. Es ist laut Bellamy eine Art „Zusammenschnitt vom Besten von Muse“ – also eine kleine Hommage an sich selbst und an die Anfänge der Band, die seit fast 30 Jahren in gleicher Besetzung besteht. „You Make Me Feel Like It's Halloween“ klingt mit seiner Kirchenorgel wie eine Musesche Version eines Musicals. Der Text erzählt vordergründig eine Horror-Geschichte – es könnte sich aber auch um die Schilderung von häuslicher Gewalt handeln.

Die verdeckten Schichten unter dem Sound-Bombast zu entdecken, macht Spaß – sowohl, was die Texte als auch die Musik angeht. Immer wieder greift Bellamy seine Lieblingsthemen Emanzipierung von staatlicher Bevormundung, Dystopie, religiöse Fügsamkeit und natürlich die Apokalypse auf – und schraubt seine fast vier Oktaven fassende Stimme in schwindelerregende Höhen.

Muse: Will Of The People
(Warner Music)