Gelungener sommerlicher Pop von Kyle Craft, Imperial Teen, Fruit Bats und Kishi Bashi.

Nachhaltiger Pop : Musik für die Hängematte

Gelungener sommerlicher Pop von Kyle Craft, Imperial Teen, Fruit Bats und Kishi Bashi.

Wer noch nachhaltigen (sprich: nicht allzu zuckrigen) Pop für den Sommer sucht, sich also nicht mit dem gängigen Radio-Futter oder vorgefertigten Playlisten abspeisen lassen möchte, der sollte diese vier von Cargo vertriebenen Alben testen.

Zwei feine Vorgänger hatten auf das Potential von Kyle Craft vorbereitet. Doch erst mit „Showboat Honey“ (Sub Pop/Cargo ✮✮✮✮) angemessen verführerisch betitelten Drittwerk erstrahlt der dichte Pop aus Portland, Oregon, in voller Pracht. „Sunday Driver“, der neunte Track, taugt perfekt als Einstieg. In herrlicher Siebzigerjahre-Nostalgie rollt (das Piano), schneidet (die Gitarre) und rumpelt (das Schlagzeug) die von Craft mit großer Dringlichkeit vorgetragene Sehnsuchts-Hymne in die Ohren. Zehn weitere Songs können annähernd mithalten.

Foto: Cargo Records

Mehr als zwei Jahrzehnte schon versuchen Imperial Teen ihre musikalische Vision zu definieren. Jetzt aber erst finden sie sich „zeitlos“: „Now We Are Timeless“ (Merge/Cargo ✮✮✮✮). Die Band-Mitglieder leben verstreut in unterschiedlichsten US.-Gegenden – und das hört man: urbane New York City-Rock-Gesten verbinden sich mit Bay Area-Luftigkeit und dem Industrial-Herzschlag von Denver. Aber man kennt sich schon lange und denkt trotz diverser Inspiration in eine gemeinsame Richtung. Einst hatten sie für persönliche Ikonen wie Courtney Love’s Hole und die Breeders Shows eröffnen dürfen, längst drechseln sie ihr eigenes Ding, schrabbeln, riffen und schwelgen nach Lust und Laune – immer köstliche Vokal-Harmonien auf den Lippen. Ja, jetzt sind Imperial Teen zeitlos.

Foto: Cargo Records

Die Siebzigerjahre-Inspiration von Eric D. Johnson alias Fruit Bats strahlt einen schon vom Cover unverhohlen an. Diese Schrift! Das Reh! Der Strand! Wie Kyle Craft orientiert sich also auch dieser Indie-Pop-Held am warmen Sound eines sehr kreativen, mithin qualitativ unterschätzten Jahrzehnts… Auf „Gold Past Life“ (Merge/Cargo ✮✮✮✮) wird reichlich Luft zum Atmen gelassen, jeder Akzent, jedes Solo wirkt extrem leichthändig und zielt doch unmittelbar in die Bauchgegend. Etliche „Uuuhhhh’s“ und „Aaaahhh’s“ prägen Lieder, die förmlich nach längeren Hängematten-Aufenthalten rufen. Easy Listening sind sie dennoch nicht. Und außerdem eindeutig mehr Folk als Rock. Conor Oberst scheint häufig nah.

Foto: Cargo Records

Karou Ishibashi ist ein Songschmied mit japanischen Wurzeln. Er nennt sich Kishi Bashi. Und wer ihn kennt, weiß dass sein Metier ein mit opulentem Geigenstrich veredelter Pop ist. „Omoiyari“ (Joyful Noise/Cargo ✮✮✮✮) heißt „Mitgefühl/Rücksicht“ und wessen Seele könnte das nicht gebrauchen.

Foto: Cargo Records

Ob wirklich jedes dieser vier Alben noch im Spätsommer rotieren wird, muss sich zeigen, im Moment aber sind sie die Wonne. Einzige Einschränkung: wen hohe männliche Stimmen nerven: Finger weg.

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