1. Leben
  2. Treff Region
  3. Musik

Another veröffentlichen ihr Debüt-Album „I Slept On The Floor“

Debüt von Another Sky : Starkes Erstlingswerk mit viel Herzblut

✮✮✮✮✮ Another Sky liefert mit „I Slept On The Floor“ ein großartiges Debüt-Album ab.

Another Sky – und insbesondere deren Sängerin – sind es leid, dass in ihrem Zusammenhang stets betont wird, dass Catrin Vincent eine männliche (Falsett-)Stimme habe. „Ich habe mich immer gefragt, warum das eine Rolle spielt“ gibt sie kopfschüttelnd zu Protokoll. Als gäbe es nicht genügend anderes zu berichten – beispielsweise, dass „I Slept On The Floor“ ein wirklich großartiges Debüt-Album geworden ist. Starke Songs, tolles Team-Play, Herzblut und, ja: eine memorable Stimme.

Äußerst interessant sind bereits die Einflüsse der einzelnen Band-Mitglieder: Gitarrist Jack Gilbert liebt Coldplay und Talk Talk, Bassistin Naomi Le Dune steht auf Radiohead, Schlagzeuger Max Doohan ist von Bonobo und Four Tet beeinflusst und Catrin Vincent lehnte sich schon als Jugendliche an Joni Mitchell und Tracy Chapman an, um – wie sie sagt – einem miefigem, homophonen, rechtsbraunen Kleinstadt-Idyll zu entkommen… All das kann man hören, aber noch vieles mehr: Fischer-Z, The XX, Wild Beasts… Plus Wut. Plus Zartheit. Plus die Lust am Tanzen. Plus die Lust den Hörer zu berühren.

Ausgerechnet die beiden besten Tracks dieses feinen Albums haben die bittersten Texte: „The Cracks“ transportiert die berechtigte Verzagtheit einer Generation, der man gerade sehenden Auges die Zukunft klaut. Einen derart strahlend großen Melodiebogen haben Coldplay schon lange nicht mehr hin bekommen… „Brave Face“ bezieht sich auf eine Freundin der Band, die in einer toxischen Beziehung systematischen Missbrauch erduldet. Musikalisch freilich wird selbst diese Themenpalette sehr erhebend, strahlend schön umrankt. Sie wird von großer, wuchtiger Empathie regelrecht durchdrungen.

 tr musik Another Sky I slept on the floor
tr musik Another Sky I slept on the floor Foto: Caroline

Und die oben genannten Einflüssen sind tatsächlich omnipräsent. Ein kleines Wunder ist, dass sich eine stets behutsam am Köcheln gehaltene Intimität jederzeit der potentiellen Vereinnahmung durch Mainstream-Medien – inklusive der großen Festival-Bühnen – widersetzen kann. „I Slept On The Floor“ (Fiction/Caroline International) sei „eine Reise von der Jugend ins junge Erwachsenenalter und beschreibt den Umzug in eine große Stadt“. Es handelt sich um London, wo sich das Quartett auf der Goldsmith University traf und zu Another Sky formierte. „Ein anderer Himmel“ passt schon irgendwie zu Konzept, Anspruch und Vision dieser Lieder, welche Raffinesse und rhythmische Präzision, Träumerei und Tanzbarkeit mit ansteckender Sehnsucht zusammenführen. Und über allem schwebt diese überirdische Stimme…

Das Album habe eigentlich nur eine Nachricht, sagt sie: „Du bist nicht allein“. Klingt profan, wird aber von Another Sky unfassbar glaubwürdig vermittelt. Man mache sich also dieses Werk zum Vertrauten bevor der Herbst kommt.