Neue Alben von Fortuna Ehrenfeld und Kettcar

Die Musik in vier Wörtern erklärt : Neues von Grand Hotel Van Cleef

Kettcar sowie Fortuna Ehrenfeld haben bei dem Hamburger Label starke Alben veröffentlicht.

Vor einigen Wochen veröffentlichten Kettcar eine EP, die nun auch in physischer Form vorliegt. Hieß ihr 2017er Album „Ich vs. Wir“, so heißt das Minialbum „Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)“ (Grand Hotel van Cleef/Indigo ✮✮✮✮). Die Band betont, dass die fünf Songs nicht aus den Albumsessions übrig waren, sondern brandneu sind. Man sähe die EP als „Komplementärwerk, das den Vorgänger ergänzt“, heißt es im Begleitschreiben ihrer Plattenfirma, die zwei der Kettcars mit Thees Uhlmann (Tomte) betreiben.

Die Hamburger präsentieren brandneue Songs, nicht, wie manche annehmen, übriggebliebenes vom letzten Album. Foto: Indigo

Marcus Wiebusch gibt schon im Auftakt „Palo Alto“, einem typischen Kettcar-Song, den präzisen Beobachter. Für „Scheine in den Graben“ haben sich die Hamburger Verstärkung geholt: Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen), Jen Bender (Großstadtgeflüster), Bela B (Die Ärzte), Jörkk Mechenbier (Love A), Sookee, Felix Brummer (Kraftklub), Marie Curry (Neonschwarz), Gisbert zu Knyphausen, Safi und David Frings (Fjørt) gaben sich im Studio die Klinke in die Hand, um zum Gelingen dieses energiegeladenen Songs über Menschlichkeit (Zitat: „Empathie most wanted“) beizutragen. „Notiz an mich selbst“ und „Natürlich für alle“ fallen dagegen etwas ab. Beschlossen wird die EP von der in Melancholie getränkten Ballade „Weit draußen“ mit Zeilen wie „Jeder kann glücklich werden / aber nie nie nie alle“.

Auf Grand Hotel Van Cleef sind auch das Album „Helm ab zum Gebet“ und die EP „Die Lieder vom Regenradar und den Mandelviolinen“ (beide: Indigo ✮✮✮✮) von Fortuna Ehrenfeld erschienen. Das ist das Projekt des Kölner Musikers Martin Bechler (Gesang, Gitarre, Keyboard), der von Jenny Thiele (Keyboard, Synthesizer, Gesang) und Paul Leonard Weißert (Schlagzeug) begleitet wird.

Hinter Fortuna Ehrenfeld versteckt sich der Kölner Musiker Martin Bechler. Foto: Indigo

Dank der positiven Resonanzen auf das letzte, zweite Album „Hey Sexy“ wurde Bechler in dem bestärkt, was er künstlerisch macht. Seine Erkenntnis: Er wird gehört. Davon beflügelt, machte er sich an sein drittes Album – allerdings nicht alleine, sondern mit Unterstützung der erwähnten Bandmitglieder sowie Gastsänger Enno Bunger („Die Umarmung der Magneten“).

Bechler wird von Jenny Thiele und Paul Leonard Weißert begleitet. Foto: Indigo

Fortuna Ehrenfeld spielen mit Kontrasten. In den Texten spricht ein Proletarier von Herzen über eben sein Herz, während die Musik, ein Potpourri aus Liedermacherei, Indiepop, Neue Deutscher Welle-Nostalgie, HipHop-Beats, Blasmusik und Minimal Electro, einen großen Bogen von NDW inspirierten Songs wie „Das ist Punk das raffst du nie“ oder „Tequila“ hin zu den Pianoballaden „Die Welt in Teile“ (Album) und „Bella Ciao“ (EP) und der Blasmusik-Hymne „Vereinsheim“ (EP) schlägt.

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