Todd Thibaud, Rich Hopkins und Markus Rill steigen mit Rock-Alben wieder in den Ring.

Blue Rose-Sammlung : Roots-Power vom Blue Rose-Label

Todd Thibaud, Rich Hopkins und Markus Rill steigen mit Rock-Alben wieder in den Ring.

Vor 22 Jahren erschien mit „Favorite Waste Of Time“ ein Album, das bis heute zu den besten Veröffentlichungen des Blue Rose-Labels gezählt werden darf. Es kam von Todd Thibaud, einem Singer/Songwriter aus Boston, der mit diesem unwiderstehlichen Reigen eine bis dato nicht dagewesene Power-Pop-Mentalität ins Graswurzel-Repertoire der schwäbischen Qualitäts-Firma hinein warf. „Squash“ knüpfte 3 Jahre später nahtlos an. Seither schwankt der Mann genüsslich zwischen Intimität und Rock-Pose. Der bittersüße Power-Pop der Anfangstage diente leider häufig nur noch als Dekoration. So zurückgenommen wie auf „Hill West“ (✮✮✮✮) klang Thibaud aber noch nie. In der winterlichen Isolation der Berge von Vermont spielte er Weisen ein, bei denen der Hörer jederzeit ein Bei-sich-Ankommen des Künstlers spürt, seine komplette Hingabe an sechs Saiten und Stimme – inklusive dem sanften Ertasten fabelhafter Melodien. Dazu knistert der Kamin. Zugleich wird häufig der infizierende Druck einer treibenden Rhythmus-Sektion vermisst. Nicht bei „Great Unknown“ oder „Life Worth Living“ – hier genügt der reduzierte Ansatz zur maximalen Magie-Entfaltung, woanders reicht das nicht. Selbst nachträglich hinzu gefügten Gastbeiträgen (Ukulele, Banjo, Geige, Klavier…) fehlt Temperament.

Foto: Blue Rose Records

Zwei weitere Blue Rose-Urgesteine wollen uns den Frühsommer versüßen: Rich Hopkins trat 1992 auf den Plan – zunächst als überzeugender Neil Young-Nacheiferer. Seine Ambition dieses Stigma mittels eigenem Charisma zu verlassen, war jedem der feinen Nachfolge-Werke mühelos zu entnehmen. Die Schnittmenge mit dem gehuldigten Kanadier lautet freilich bis auf weiteres: Mitreißende Saiten-Magie! Was umfänglich auch für „Back To The Garden“ (✮✮✮✮) gilt. Hopkins kredenzt mit seinen Luminarios erneut: staubigen Desert-Rock, hymnischen Rock’n’Roll, Jingle-Jangle-Pop – verquirlt mit Leidenschaft, gewürzt mit himmelstürmenden Gitarrenausflügen. Manchmal hat ein entfesselter Tom Petty so ähnlich geklungen…

Foto: Blue Rose Records
Foto: Blue Rose Records

Dass es auch hierzulande Menschen gibt, die ihr Roots-Handwerk verstehen, wissen wir spätestens seit 1997, als Markus Rill mit erquicklichem Country-Rock die Americana-Landkarte betrat. Von Anbeginn waren eine gegerbte Sandpapier-Stimme, variantenreiche Saiten-Finesse und eine infizierende Songhandschrift des Würzburger’s Stärke. Dazu gab’s verlässlich kongeniale Mitstreiter und eine markant-lässige Bühnen-Präsenz. „Songland“ (✮✮✮✮) ist eine 16 Tracks starke Kostprobe dieser Meisterschaft, die mit „Swampland Of The Mind“ und „Length Of Rope“ wunderbar Höhepunkte hat. Auf ersteres wären die Walkabouts stolz gewesen, auf letzteres Johnny Cash…

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