Neue Alben von Hauschka, Stubbleman, Yann Tiersen und Deaf Center

Klaviermusik neu gedacht : Tastende Schönheit in ruhigem Fluss

Die neuen Alben von Hauschka, Stubbleman, Yann Tiersen und Deaf Center.

Schon hübsch wie einige CD-Cover dieses kleinen Specials zu sogenannter „Neuer Klavier-Musik“ explizit auf die Natur verweisen.

Volker Bertelsmann ist Hauschka und Kenner wissen, dass der Pianist gerne seine Tasteninstrumente manipuliert, um damit Töne zu erzeugen, die das Erwartbare sprengen. Für sein aktuelles Album „A Different Forest“ (Sony Music ✮✮✮✮) hat er auf Klangexperimente verzichtet und wählte den reinen Ton eines Klaviers. Jedes dieser elf introvertiert seelenruhigen, sanft perlenden Stücke steht im Bezug zu einer ganz persönlichen „Walderfahrung“. Für 44 Minuten ist das Leben in der Tat ein langer ruhiger Fluss. Und ein reueloser Genuss.

A Different Forest von Hauschka: 44 Minten reueloser Genuss. Foto: Sony Music

Pascal Gabriel ist Stubbleman und Kenner wissen, dass der Komponist und Produzent einst in einer Punkband spielte und mit Can, Kylie Minogue und Debbie Harry gearbeitet hat. Davon ist auf „Mountains And Plains“ (Made To Measure/Indigo ✮✮✮✮) wiederum nichts zu spüren. Seine aktuellen Lieder sind nämlich die Ruhe selbst. Sie sind quasi der Soundtrack zu einer Reise, die den Künstler von der Ost- zur Westküste der USA führte. Wie Hauschka erklärt auch Gabriel die Bezüge und Inspirationen seiner Weisen im Booklet. Ebenfalls spannend liest sich das vielfältige Instrumentarium: Moog Sub 37 Synthesizer, Stingray Bass, Korg 700, Big Trees Pedal, Godin Guitar. Und immer wieder Found Sounds – unterwegs aufgelesene Klänge. Diese Reise hätte man wahrlich auch gerne gemacht.

Mountains and Plains von Stubbleman: Die Ruhe selbst. Foto: Indigo

Yann Tiersen ist Yann Tiersen und Kenner wissen, dass der französische Klangbastler auf einer bretonischen Felseninsel lebt und dass er mit den bezaubernden Klavierläufen im bezaubernden „Die fabelhaften Welt der Amelie“-Film zu Weltruhm gelangte. Damit wird er natürlich immer verbunden sein. Doch lohnt auch das was der Mann sonst zu bieten hat. Ganz besonders berückend geriet Tiersen „All“ (Mute/PIAS ✮✮✮✮✮), weil er noch nie so erfrischend großzügig mit Geräuschen einer natürlichen, aber auch städtischen Umgebung umgegangen ist – von Kindern über Verkehr bis zu Singvögeln. Wodurch bei aller Entrücktheit seines charismatischen Spiels eine erfrischende Portion Lebensbezug, ja, Lebensfreude, auf den Hörer überspringt.

All von Yann Tiersen: Überspringende Lebensfreude. Foto: Mute Records
Low Distance von Deaf Center: dunkel dräuendes Zeitlupenwerk. Foto: Sonic Pieces

Experimenteller noch sind Deaf Center mit „Low Distance“ (Sonic Pieces ✮✮✮) unterwegs. Im Kern sind es „Schönheit, Geheimnis und Unsicherheit“, die von „Klavier, Synthesizer und Störgeräuschen“ präsentiert und gespielt werden. Otto A. Totland – eine Hälfte dieses norwegischen Duos – hatte zuletzt zwei unfassbar schöne Solo-Piano-Werke erschaffen, deren Magie jene dieses dunkel dräuenden, teils sperrigen Zeitlupen-Werkes bei Weitem übersteigt.

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