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Jeep: Die Legende feiert 75. Geburtstag

Der Urvater aller Jeeps: Im Auftrag des US-Militärs baute Willys-Overland 1941 den Willys MB.
Der Urvater aller Jeeps: Im Auftrag des US-Militärs baute Willys-Overland 1941 den Willys MB.
Frankfurt. Jeep feiert sein 75-jähriges Jubiläum: Vom Ur-Jeep bis zum Grand Cherokee hat sich eine lange Reihe der legendären Geländegänger angesammelt. Zeit für einen Blick auf eine Auslese von prominenten Fahrzeugen. unserer Mitarbeiterin Gundel Jacobi

Olivgrün, an drei Seiten offen und vorn eine abklappbare Windschutzscheibe. US-Soldaten sitzen im Jeep und verteilen Kaugummis an die deutsche Bevölkerung. So kennt man aus historischen Aufnahmen den Urtyp des Geländeklassikers, der am Kriegsende in Deutschland zum Symbol der Befreiung wurde.


Begonnen hatte die Geschichte des "leichten Aufklärungsfahrzeugs mit Vierradantrieb" schon ein paar Jahre früher. Die US-Armee suchte nach einem vierrädrigen Ersatz für seine Motorräder mit Seitenwagen. Man ahnte auf dem amerikanischen Kontinent, dass es zum Einsatz in Europa kommen würde. 135 Fahrzeughersteller wurden angeschrieben, um das 4x4-Gefährt mit einer Nutzlast von 0,25 Tonnen innerhalb möglichst kurzer Zeit auf die Räder zu stellen.

Gerade mal zwei Hersteller reagierten auf die Anfrage, und mit dem Prototyp Willys Quad bekam Willys-Overland nach nervenaufreibenden Verhandlungen, Nachbesserungen und Kompromissen für beide Seiten den Zuschlag für den Regierungsauftrag. Schließlich rollte der Vierteltonner Willys MB 1941 aus dem Werk in Toledo, Ohio.



Seit dieser Zeit ist der Jeep als feste Größe unter den Offroadern nicht mehr wegzudenken. Die Marke wurde über die Jahrzehnte unter den Fittichen von sieben Herstellern weiterentwickelt - aktuell gehört sie zum Fiat- Chrysler-Konzern -, doch einen Jeep erkennt man bis heute weltweit. Daran ändert auch Konkurrent Land Rover mit seinem kürzlich eingestellten Urgestein Defender nichts. Jener kam 1948 auf den Markt - als englische Antwort auf den Allrad-Amerikaner.

Zahlreiche Mythen ranken sich darum, wie aus Willys MB die Bezeichnung Jeep entstanden ist. Folgende Version könnte die richtige sein: Da es sich um einen Regierungsauftrag handelte, arbeiteten die Ingenieure am "Governmental Project" - der Einfachheit halber "GP" genannt. Aufgrund häufiger Änderungen des Militärs während der Entwicklung, kamen regelmäßig die durchnummerierten Anweisungen à la GP1, GP2 … GP7 und so weiter. Im Sprachgebrauch setzte sich schließlich die Kurzform "Dschiepie" durch. Von da an waren es nur noch wenige Schritte zum volkstümlichen Namen Jeep , der konsequent in den allseits bekannten Markennamen mündete.

Geschäftstüchtige Köpfe witterten ihre Chance fernab militärischer Einsätze und brachten den zivilen Jeep CJ-2A als Serienmodell zum Kriegsende 1945 auf den Markt - für 1090 US-Dollar. Statt der neun senkrechten Streben am Kühlergrill hatte er nur noch sieben. Zugunsten größerer Scheinwerfer wurden zwei Streben rausgenommen. Bis heute ist der massige Kühlergrill mit den sieben typischen Lufteinlass-Schlitzen, vorzugsweise eingerahmt von runden Scheinwerfern, das deutlichste Jeep-Erkennungszeichen. Hatte der CJ-2A sein Haupteinsatzgebiet in der Landwirtschaft, war der Station Wagon von 1946 als Arbeitstier mit großem Laderaum oder siebensitziges Familienfahrzeug gedacht.

Mit dem Jeepster kam 1948 eine zweitürige Cabrio-Limousine in den Verkauf. Menschen hatten in der Nachkriegszeit aber andere Sorgen als solche Freizeitspaß-Modelle, sodass der flotte Jeepster zu einem Flop und 1951 seine Produktion eingestellt wurde. Wer ihn aktuell in seiner Scheune finden sollte, hat ein seltenes Sammlerobjekt am Haken.

In den fünfziger Jahren erschien der M38A1, ursprünglich für den Korea-Krieg entwickelt. Warum die Zivil-Ausführung CJ5 als gerundeter Jeep auch heute noch so vertraut aussieht? Weil die Kundschaft damals wie heute auf Freizeit-Geländewagen abfährt. Bis 1983 lief er nahezu unverändert vom Band. Mittlerweile ist er moderner und hört er auf den Namen Wrangler , die Ähnlichkeit ist weiterhin verblüffend.

In den sechziger Jahren sorgte vor allem der Cherokee-Vorgänger Wagoneer mit Vierradantrieb und Automatikgetriebe für Furore. Diese Ausrichtung eines luxuriösen 4x4-Fahrzeugs würde man heute als Premium-Segment bezeichnen - einschließlich Sechs- und Achtzylindermotoren bis zu 250 PS an Bord. Bald darauf ging der erste Cherokee 1974 an den Start, zunächst ausschließlich als Zweitürer, um seinen sportlichen Charakter darzustellen. Viele weitere Cherokee-Versionen folgten - vom S über den Chief und Laredo bis hin zum spektakulären Golden Eagle.

Der 1993 vorgestellte Grand Cherokee sollte ursprünglich der Nachfolger des Cherokee werden. Aber er lief gleich so gut, dass er parallel zum preiswerteren Cherokee als eigene Baureihe doppelt so hohe Verkaufszahlen einfuhr. Das aktuelle Modell lehrt mit günstigen Preisen Mitbewerber vom Schlag Mercedes GLE, Range Rover und Porsche Cayenne das Fürchten.

Jeep wollte mit allen seinen Modellen stets den perfekten Ritt über Stock und Stein. Bis heute steht die Marke für mobile Abenteuer, bei denen Unwegsamkeit keine Grenze bedeuten soll. Zum 75-jährigen Markenjubiläum haben die Verkaufsstrategen für die aktuellen Modelle Wrangler , Renegade, Cherokee und Grand Cherokee eine Sonderserie "75th Anniversary Special Edition" aufgelegt: reichlich ausgestattet, mit bronzefarbenen Rädern, speziellen Sitzbezügen, 75-Anniversary-Plaketten und wie der Ur-Jeep in Grüntönen lackiert.

Der 1992 erstmals vorgestellte Grand Cherokee wurde zu einem großen Verkaufserfolg.
Der 1992 erstmals vorgestellte Grand Cherokee wurde zu einem großen Verkaufserfolg.
Zum 75. Geburtstag bietet Jeep derzeit auch den Wrangler als Sondermodell an. Fotos: Jeep
Zum 75. Geburtstag bietet Jeep derzeit auch den Wrangler als Sondermodell an. Fotos: Jeep