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Kurvenkünstler mit vier Motoren

Der NSX wird Honda keine großen Stückzahlen, aber einen beträchtlichen Imagegewinn verschaffen.
Der NSX wird Honda keine großen Stückzahlen, aber einen beträchtlichen Imagegewinn verschaffen.
Offenbach. Im September bringt Honda den neuen NSX in den Handel. Bei Bedarf erweist er sich als sanfter Sportler, kann aber auch fuchsteufelswild werden. Der Hybridantrieb mit drei E-Motoren sorgt für beste Kurveneigenschaften. unserem Mitarbeiter Michael Kirchberger

Ein Kassenschlager sei der Sportwagen NSX nicht gewesen, räumt Honda ein, der nach eigenen Angaben größte Motorenhersteller der Welt. Aber ein äußerst prestigeträchtiges Auto, das technische Maßstäbe setzte und der japanischen Marke einen erheblichen Imagegewinn brachte. Von 1991 bis 2005 wurde der schlanke Zweisitzer gebaut. In Deutschland fanden in diesen 14 Jahren lediglich 381 Exemplare einen Besitzer.



Jetzt startet die zweite Generation des NSX, und wieder gebührt ihm große Aufmerksamkeit. Leichtbau, Leistung und ein Hybridantrieb der besonderen Art verschaffen dem 180 000 Euro teuren Supersportler eine Alleinstellung. Er ist 4,49 Meter lang. Über den Sitzen spannt sich eine flache Carbon-Dachkuppel. Der Benzinmotor, ein doppelt aufgeladener 3,5-Liter-V6, schimmert matt durch die Heckscheibe.

Der muntere Materialmix setzt sich im Innenraum fort, Leder, Carbon und Leichtmetall dominieren. Im Cockpit wird das Tempo digital angezeigt. Neu ist das Neungang-Doppelkupplungsgetriebe. Kleine Schaltpaddel am Lederlenkrad erlauben den manuellen Übersetzungswechsel. Vier Fahrmodi stehen zur Wahl. Quiet heißt das Programm, in dem sich der NSX sanft und geschmeidig durch den Verkehr dirigieren lässt. Die Kraftentfaltung ist souverän, der Motor begnügt sich mit moderaten Drehzahlen, die Lenkung ist direkt, aber ordentlich unterstützt.

Das ändert sich in den Fahrprogrammen Sport und Sport+ deutlich. Der Honda fährt die Krallen aus und faucht mit vernehmlicher Stimme die Gerade entlang. Fuchsteufelswild wird er schließlich im Modus Track. Dann sind alle Funktionen auf maximale Leistung und Effizienz getrimmt. Auch die Launch-Control, eine Beschleunigungs-Automatik für den schärfsten Antritt, bietet sich dann an. Sie ermöglicht den Sprint von 0 auf 100 km/h in kaum mehr als drei Sekunden.

Das Potenzial resultiert aus der Kombination von vier Motoren . Der V6 mit zwei Turboladern bekommt Unterstützung von drei Elektromaschinen. Der Elektromotor an der Hinterachse liefert 48 PS/35 kW und 147 Newtonmeter Drehmoment. Zwei weitere E-Motoren treiben jeweils eines der Vorderräder mit 37 PS/27 kW und 73 Nm an. Alle drei Elektromotoren werden vom Fahrdynamik-Computer unabhängig voneinander in Gang gesetzt. Die vorderen übernehmen neben dem Vortrieb das kurvenabhängige Beschleunigen oder Verzögern der Räder. Das kurvenäußere Rad bekommt mehr Kraft, das Kurveninnere wird abgebremst: So zieht es den NSX in den Radius hinein. Das bringt ein absolut stabiles und agiles Fahrverhalten, das überschäumenden Kurvenspaß beschert.



Ihre Energie beziehen die E-Maschinen von einer acht kWh starken Lithiumionen-Batterie, die durch Rekuperation (Rückgewinnung der Bremsenergie) wieder aufgeladen wird. Sie erlaubt im Quiet-Modus rund zwei Kilometer rein elektrischer Fahrt, was im Stadtverkehr tatsächlich zu auffällig leiser Fortbewegung führt. Der Treibstoffverbrauch ist trotzdem nicht niedrig. Zehn Liter Superbenzin auf 100 Kilometer lautet die Normangabe. Bei normaler Landstraßenfahrt zeigte der Bordcomputer schon 13,2 Liter an.

Erfreulich ist dagegen die überaus komfortable Federung, die bei entspannter Landstraßenfahrt der einer Business-Limousine kaum nachsteht. Wenn die Gangart forscher wird, reagieren die adaptiven Dämpfer blitzschnell und verhindern fast alle Wankbewegungen der Karosserie.

Ohnehin ist der NSX ein eher komfortabler Sportwagen . Das Ein- und Aussteigen gelingt ohne allzu große Mühe, die Türen öffnen weit, und die Ellbogenfreiheit ist ordentlich. Die automatische Tankklappe anderer Honda-Baureihen findet sich auch beim NSX. Allein der Kofferraum mit einem Volumen von nur 100 Litern reicht für die Anforderungen des Alltags kaum aus. Immerhin sollen eine Golftasche oder zwei als Bordgepäck zugelassene Trolleys hineinpassen.

Der NSX wird im amerikanischen Bundesstaat Ohio gebaut. Die Zuteilung für Deutschland ist auf 50 der 1500 pro Jahr produzierten Exemplare begrenzt.

Zum Thema:

Ausführung:SportwagenPreis:180 000 EuroLänge:4,49 MeterBreite:1,94 MeterHöhe:1,20 MeterRadstand:2,63 MeterLeergewicht:1783 KilogrammZuladung:210 KilogrammGepäckraum:100 LiterMotor:V6-Benziner + drei ElektromotorenHubraum:3493 ccmLeistung gesamt:581 PS/427 kWDrehmoment:646 Newtonmeter bei 2000 U/minAbgasnorm:Euro 6CO{-2}-Ausstoß:228 g/kmSpitze:308 km/h0 auf 100 km/h:3,1 Sekunden Normverbrauch:10,0 Liter Super

Edle Sportlichkeit herrscht im Innenraum des NSX. Fotos: Honda
Edle Sportlichkeit herrscht im Innenraum des NSX. Fotos: Honda