| 19:10 Uhr

Rennmonster auf Schmusekurs

Nissan hat das Sportcoupé GT-R überarbeitet. Liebhaber haben den Wagen Godzilla getauft.
Nissan hat das Sportcoupé GT-R überarbeitet. Liebhaber haben den Wagen Godzilla getauft.
Brühl. Der hochmotorisierte, ja brachiale Nissan GT-R erhält eine Modellpflege. Auf den ersten Blick kaum verändert, sollen Verbesserungen im Detail nicht nur für bessere Fahrleistungen sorgen. Die japanische Rennmaschine für die Straße ist nun auch alltagstauglicher geraten. unserer Mitarbeiterin Gundel Jacobi

Auf den ersten Blick hat der erneuerte Nissan GT-R nichts von seiner ursprünglichen Grobschlächtigkeit verloren. Das unverwechselbare japanische Modell ist seit seinem Debüt 2007 der kantige Solist unter den sonst so elegant gezeichneten Straßenrennern. Andere Hersteller hätten nach neun Jahren Produktionszeit ein komplett neues Modell auf den Markt gebracht. Nissan dagegen vertraut auf eine Modellpflege, um seinen GT-R konkurrenzfähig zu halten.


Godzilla, wie ihn seine Fans in liebevoller Ehrfurcht getauft haben, kommt äußerlich nur milde verändert daher: ein weit aufgerissenes Maul, veränderte Scheinwerfer. Die Ingenieure haben an Stellen eingegriffen, die erst bei genauerer Betrachtung deutlich werden. So verbessert eine breitere Kühlergrillöffnung mit markentypischer Strebe die Beatmung des 3,8-Liter-V6-Triebwerks.

Eine stärker konturierte Motorhaube, Veränderungen an Spoilerlippe, Stoßfänger, Seitenschwellern, dem Diffusor am Heck und an den hinteren Luftauslässen sollen die Aerodynamik verbessern und den Abtrieb verstärken. Traten an den hinteren Dachsäulen beim Vorjahresmodell noch unerwünschte Luftverwirbelungen auf, gehören diese nun dank einer Umgestaltung der Vergangenheit an. Eine derartige Detailversessenheit hat dem GT-R nicht nur in seiner Fangemeinde Kultstatus eingebracht.

Mehr war im Innenraum nötig, um ihn vom alten Plastik-Muff zu befreien. Piloten des GT-R dürfen sich nun nicht nur über mehr Leder, Kunststoffteile im Karbon-Look und ein neues Lenkrad freuen. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Anordnung der Armaturentafel zerklüftet wirkte. Jetzt ist alles an seinem Platz. Die Menüsteuerung der Multimedia-Einheit erhielt ergänzend zum berührungsempfindlichen Bildschirm einen IT-Commander genannten Dreh-Drücksteller. Nostalgisch muten die analogen Rundinstrumente und der rustikale Handbremshebel an. Und es fehlen zeitgemäße Assistenzsysteme.

Der altgediente, handmontierte Biturbo-V6 wurde in der aktuellen Ausbaustufe auf eine maximale Leistungsausbeute von 570 PS/419 kW getrieben. Er schiebt den GT-R ohne Hybridtechnologie, dafür mit Allradantrieb und gesteigertem Drehmoment bei Bedarf ungestüm bis auf über 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. Auf der Rennstrecke in Spa demonstrierten professionelle Rennfahrer, dass dem Wagen das europäische Juni-Wetter gut bekommt. Auf trockener wie auch auf nasser Strecke spielt der Wagen seine Trümpfe aus, bis dem Beifahrer speiübel wird.



Es muss aber nicht immer das Prinzip Volle Kraft voraus sein; der Neue beherrscht nun auch die kultivierte Fahrt auf öffentlichen Straßen. Das Rezept: Ein auf Knopfdruck komfortableres Abrollverhalten, zurückhaltendere Auspuffklänge und eine gedämpfte Geräuschkulisse im Innenraum samt akustischer Lärmunterdrückung machen aus dem GT-R einen reisetauglichen Grand Tourisme.

Ab August ist der GT-R für knapp unter 100 000 Euro zu haben - im Club der Ü-300-km/h-Sportler ein relativ günstiger Preis für ein relativ altes Auto.

Zum Thema:

Ausführung:CoupéPreis:99 900 EuroLänge:4,71 MeterBreite:1,89 MeterHöhe:1,37 MeterRadstand:2,78 MeterLeergewicht:1745 KilogrammZuladung:455 KilogrammGepäckraum:315 LiterMotor:V6-BenzinerHubraum:3799 ccmLeistung:570 PS/419 kWDrehmoment:637 Nm von 3300 bis 5800 U/minAbgasnorm:Euro CO{-2}-Ausstoß:275 g/kmSpitze:315 km/h0 auf 100 km/h:2,8 SekundenNormverbrauch:11,8 Liter Super

Der alte Plastik-Muff ist weg. Leder sorgt für einen Edel-Look.
Der alte Plastik-Muff ist weg. Leder sorgt für einen Edel-Look.
Die dicken Auspuffrohre lassen die Kraft erahnen. Fotos: Nissan
Die dicken Auspuffrohre lassen die Kraft erahnen. Fotos: Nissan