Als Fahren noch harte Handarbeit war

Als Fahren noch harte Handarbeit war

Freunde alter englischer Autos versammeln sich alle zwei Jahre in der englischen Provinz, um die Kollektion eines Land-Rover-Enthusiasten zu bestaunen. Nicht weniger als 130 Modelle aller Jahrgänge sind in der Dunsfold-Sammlung zu sehen.

Dieser gelbe Land Rover stand in Diensten des britischen Automobilclubs AA. Fotos: Jacobi.

Im Vorbeifahren würde man nie darauf stoßen. Südwestlich von London, mitten auf dem Land, zeigt der Sammler Phillip Bashall seine Kollektion von 130 historischen Land-Rover-Modellen, viele davon Vorserien-Fahrzeuge und Prototypen.

Sein Vater Brian begann 1968 damit, sich die ersten Modelle vom Baujahr 1948 an zu sichern. Sohn Phillip hatte bis 1990 rund 20 Fahrzeuge beisammen.

"Danach ist die Sache mengenmäßig etwas aus dem Ruder gelaufen", sagt Phillip Bashall, der als Restaurator von Land-Rover-Modellen seinen Lebensunterhalt verdient. 1993 veranstaltete er ein erstes offenes Wochenende, an dem er seine Sammlung von damals 50 Fahrzeugen rund 300 Interessierten präsentierte.

Seitdem wird die Dunsfold-Kollektion in der gleichnamigen Region der Fangemeinde im Abstand von zwei Jahren gezeigt. Aus allen Teilen der Welt strömen die Land-Rover-Begeisterten in die englische Provinz, um sich die historischen Fahrzeuge anzuschauen. In diesem Jahr kamen rund 6000 Besucher nach Springbook . Erstmals versammelt waren 15 der verbliebenen 20 Prototypen von 1948, dazu gesellten sich weitere 115 Modelle der Land-Rover-Geschichte von Anfang bis heute.

Jedes der Fahrzeuge hat eine Geschichte, die Phillip Bashall aus dem Stegreif erzählen kann, so etwa über ein Repräsentationsfahrzeug, das im Jahre 1967 in Deutschland vom britischen Militär ausgebaut wurde und bis 1993 als Gefährt für Paraden und öffentliche Auftritte diente. Die britische Königin Elisabeth II. und ihre Mutter ("Queen Mum ") nutzten es bei Deutschland-Besuchen. Angetrieben von einem 65 PS starken Vierzylinder legte das Gefährt in den 26 Jahren lediglich 4000 Kilometer zurück - verständlich angesichts des geringen Federungskomforts.

Eine Besonderheit dieses Modells sind die extra breiten Stoßfänger. Versagte ein Fahrzeug im Konvoi den Dienst, konnte es von diesem Auto geschoben werden, so dass die Parade nicht ins Stocken geriet.

Ein Prototyp aus dem Jahre 1967 stand Besuchern der Ausstellung für Probefahrten zur Verfügung. In den kleinen Geländegänger war versuchsweise ein amerikanischer Achtzylinder-Motor eingebaut worden, der über für damalige Zeiten stattliche 125 Pferdestärken verfügt. Anstelle eines Blechdachs hatte man ein Metallgestänge mit olivgrünem Stoff überzogen. Darunter fühlt man sich wie in einem Zelt, beim Fahren umgibt einen eine köstliche Mischung aus dem Blubbern des V8 und Ächzen des Aufbaus. Es entsteht aber keinesfalls das Gefühl, dass die Konstruktion über einem zusammenbrechen könnte. Die vier Gänge lassen sich mit etwas Kraft gut einlegen, das Fahrwerk gibt sehr direkt Rückmeldung über die Beschaffenheit des Untergrunds.

Beide Fahrzeuge zeigen das typische Land-Rover-Gesicht, das sich im Grunde seit 1958 kaum verändert hat und bis heute beim unverwüstlichen Defender zu sehen ist. Die Produktion des Klassikers wird bekanntermaßen zum Leidwesen der Land-Rover-Gemeinde in diesem Jahr eingestellt. Das ist für Phillip Bashall der Anlass, sich den letzten Defender zu sichern. Er träumt von einem Museum, in dem er seine Sammlung dauerhaft präsentieren kann. Dabei müsste ihm der Hersteller wohl finanziell ein wenig unter die Arme greifen.

Bashall hat eine Internet-Seite:

dunsfoldcollection.co.uk

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