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Immobilien: Nach „Atempause“ – Experten rechnen mit steigenden Bauzinsen​

„Finanztest“-Vergleich : Immobilien: Nach „Atempause“ – Experten rechnen mit steigenden Bauzinsen

Die Inflation und hohe Baukosten sorgen dafür, dass der Traum vom Eigenheim für viele unerreichbar wird. Wer Bauherr werden will, muss nun die nächste Hiobsbotschaft verdauen.

Wer plant, sein Geld in eine Neubau-Immobilie zu investieren, hat es derzeit nicht leicht. Denn die Entwicklungen auf dem Immobilien-Markt sind derzeit ungünstig. Insbesondere die extrem gestiegenen Materialkosten machen das geplante Eigenheim für viele Familien zu einem unerschwinglichen Traum. Allein im Mai hat sich der Neubau gegenüber dem Vorjahr so stark wie seit 1970 nicht mehr verteuert.

Entlastung gab es zuletzt an anderer Stelle: Die Bauzinsen sind im Juli überraschend stark gesunken. Doch auch hier zeigt der Trend inzwischen wieder nach oben.

Rohstoffpreise für Neubau-Immobilien explodieren – das sind die Ursachen

Nach Angaben des Statistischen Amtes Saarland ist der Preisindex regelrecht explodiert. Im Saarland kostete der Neubau von Wohngebäuden im zweiten Quartal 2022 ganze 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits vor knapp einem Jahr eingesetzt hat.

Die massiv gestiegenen Materialpreise setzten die Bauunternehmen unter Druck. Erwartungsgemäß werden die Kosten an zukünftige Bauherren weitergegeben. Aber worauf sind die erheblich gestiegenen Rohstoffpreise wie etwa Holz, Stahl und Dämmstoffen zurückzuführen?

  • Langjährige Hochkonjunktur in der Baubranche: Im vergangenen Jahr gab es eine stark angestiegene Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland.
  • Im Sommer kam der niedrige Pegel durch die anhaltende Trockenheit hinzu. Dieser hat die Rhein-Schifffahrt und damit den Rohstofftransport eingeschränkt.
  • Durch den Krieg fielen die Ukraine und Russland als Lieferanten von jährlich fünf Millionen Tonnen Material aus.

Übrigens: Immobilien-Preise für Wohnungen brechen bis zu 30 Prozent ein – droht ein Crash?

Zinsen für Neubau-Immobilien steigen wieder nach „Atempause“

Abseits der hohen Materialkosten und der Folgen für den Bau steht vor allem die Bekämpfung der Inflation im Vordergrund. Am Donnerstag, 8. September, hat die Europäische Zentralbank die bislang größte Zinserhöhung ihrer Geschichte beschlossen. Damit steigt der Leitzins im Euroraum um 0,75 Prozentpunkte auf nun 1,25 Prozent. Das hat auch Folgen für den Immobilienmarkt.

Nachdem die Bauzinsen im Juli leicht zurückgegangen waren, rechnen die Experten der Zeitschrift „Finanztest“ (10/2022) damit, dass es sich bei der Abwärtsbewegung lediglich um eine „Atempause“ gehandelt hat. Denn ein Blick auf den Kapitalmarkt zeige, dass die Zinsen für Immobilien-Kredite bald weiter in die Höhe klettern könnten.

Zins-Prognose: Darauf müssen sich Immobilien-Käufer einstellen

Wer seinen Immobilien-Kauf derzeit zu 80 Prozent finanzieren möchte, kann bei zehnjähriger Zinsbindung und dreiprozentiger Tilgung laut „Finanztest“ günstigstenfalls mit einem Bauzins von 2,49 Prozent (DTW) rechnen. Im Juli waren es noch 2,46 Prozent. Das günstigste Angebot bei 20-jähriger Zinsbindung liegt momentan bei 2,79 Prozent (Creditweb), und damit überraschend etwas unter dem günstigsten Vormonatsangebot (2,86).

Immobilien-Käufer müssen sich laut der Zeitschrift wohl längerfristig auf Zinssätze um drei Prozent und höher einstellen. Zwar sei das im langjährigen Vergleich noch immer günstig. Für viele Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer dürfte das angesichts hoher Immobilienpreise und explodierender Nebenkosten aber trotzdem nur ein schwacher Trost sein.