Turnnachwuchs: Wenn 650 Kinder durch die Halle fliegen

Turnnachwuchs : Wenn 650 Kinder durch die Halle fliegen

Jedes Jahr begeistert der Salto-Cup Hunderte von saarländischen Nachwuchs-Turnern. Was häufig vergessen wird: Die Veranstaltung wird von wenigen Leuten über Monate vorbereitet.

Mit ruhiger Stimme bittet Magdalena Munz, die Vorsitzende der Saarländischen Turnerjugend (STJ) um Aufmerksamkeit, als sie am Sonntag um 12.45 Uhr bei der 32. Auflage des Salto-Cups die Regeln für das Vereinsspiel erklärt. Der Abschlusswettbewerb ist für alle 29 teilnehmenden Vereine die letzte Möglichkeit, noch einmal Punkte für die Gesamtwertung zu sammeln. Tatsächlich schafft es Löwenbändigerin Munz, dass die rund 650 Kinder der Jahrgänge 2008 und 2013 ihr aufmerksam zuhören. Sie schließt ihre Erklärung mit den Worten: „Von den Eltern wünsche ich mir, dass sie die Kinder ganz doll anfeuern. Und den Kindern wünsche ich ganz viel Spaß. Es geht los in drei, zwei, eins.“

Und passend zu ihrem Schlusssatz und dem nun aus den Boxen wummernden „I like to move it“ beginnt ein 20-minütiges, vollkommen unübersichtliches Gekreische und Gewusel, bei dem Nachwuchs-Turner aus dem gesamten Saarland quer durchs Sportzentrum Erbach flitzen. Alleine der Geräuschpegel ist Beweis dafür, dass die Kinder große Freude an der Veranstaltung haben. Welche Menge an Arbeit dahinter steckt, bleibt von außen jedoch oft unerkannt.

„Wir organisieren den Salto-Cup eigentlich mit fünf, sechs Menschen vom Vorstand der STJ. Was im Vorfeld alles zu tun ist: Halle besichtigen, Helfer-Aufruf starten, Pressemitteilung schreiben, Anmeldeverfahren der Vereine betreuen, dass sie sich und die Kinder online anmelden. Rückmeldung geben, ob alles richtig eingetragen ist“, leitet Magdalena Munz ein. „Dann Ausschreibung fertig machen, Flyer gestalten, drucken und unter die Leute bringen, das Event bewerben, die Sponsorensuche. Wir fangen immer im Mai, Juni an.“ Das Kern-Organisationsteam leiste so gemeinsam „bestimmt über 300 Stunden“ an Arbeit ab, so Munz. Ehrenamtlich – natürlich. Doch nur mit der Vorbereitung ist die Arbeit noch lange nicht getan.

„Am Wochenende selbst ist samstags immer der Aufbau, die Startkarten werden verteilt, die Startunterlagen gepackt. Jedes Kind bekommt ja ein Präsent, dieses Jahr Flummis, die müssen gepackt und gezählt werden. Und vorher auch bestellt“, erzählt sie. Am Tag selbst wird das gesamte Unterfangen nochmal deutlich unübersichtlicher. Die Stationen, jeweils fünf aus den Bereichen Geschicklichkeit, Fitness und Gerätturnen, müssen aufgebaut und betreut werden. Neben Ausrichter SSV Homburg-Erbach, der sich unter Leitung von Turn-Abteilungsleiter Helmut Fess um die Verpflegung kümmert, sind so parallel bis zu 50 Freiwillige als Kampfrichter, Helfer, Aufpasser, Zeit-Stopper oder Weiten-Messer im Einsatz. „Das ist immer ein Drahtseilakt, dass sich genug Leute melden.“ Freudig berichtet die 25-Jährige aber, dass der überwiegende Teil der Vereine von Jahr zu Jahr wieder kommt und auch gerne bereit ist, bei der Durchführung vor Ort zu helfen.

Die Veranstaltung endete gegen 14.45 Uhr. Für den Vorstand der STJ und einige Abbau-Helfer ging der Tag noch weiter. „So gegen halb acht“, sei sie zu Haus gewesen. „Müde. Aber glücklich, dass die Kinder einen so schönen Wettbewerb hatten.“

Den Sieg in der Vereinswertung sicherte sich übrigens der TuS St. Arnual (74 Punkte) vor dem TV Schaffhausen (73) und dem TV Bildstock (71) und dem TC Saarlouis (68). Ausrichter SSV Homburg-Erbach belegte gemeinsam mit dem TV Rohrbach (beide 61 Punkte) den geteilten siebten Platz. Da das Sportzentrum Erbach im kommenden Jahr renoviert werden soll, wird der Salto-Cup 2020 in der Joachim-Deckarm-Halle in Saarbrücken ausgetragen.

Emilia (9) aus Beckingen beim Handstand. Foto: Thomas Wieck
Jessica (6) aus Schaffhausen. Foto: Thomas Wieck

Alle Ergebnisse unter www.stb.saarland/stj/wettbewerbe