Wehrlein wirft Hut in den Ring

Wehrlein wirft Hut in den Ring

Vettel sagt ab, Verstappen ist nicht zu kriegen, Alonso wohl ein zu heißes Eisen – immer mehr zeichnet sich Pascal Wehrlein als Favorit auf die Nachfolge von Weltmeister Nico Rosberg bei Mercedes ab.

Pascal Wehrlein fühlt sich bereit. Bereit für die riesigen Fußstapfen des zurückgetretenen Formel-1-Weltmeisters Nico Rosberg , bereit für Siege als Pflichtprogramm und bereit für den unvermeidlichen Vergleich mit Lewis Hamilton . "Natürlich", sagte Wehrlein, habe er "das Zeug, Nachfolger von Rosberg zu werden".

Als erster der gehandelten Kandidaten für den begehrtesten freien Arbeitsplatz der Formel 1 brachte sich der 22-jährige Worndorfer damit auch öffentlich in Stellung. Bis Jahresende will die Mercedes-Teamführung um Motorsportchef Toto Wolff und Aufsichtsratschef Niki Lauda den passenden Kandidaten finden. Und immer mehr deutet darauf hin, dass man dem früheren DTM-Champion nach 21 Rennen für das Team Manor (ein WM-Punkt) den Sprung an die Spitze des Feldes zutraut.

Wolff jedenfalls sagte der Gazzetta dello Sport, er bevorzuge "am wenigsten" die Option, sich auf dem Markt nach einem Top-Fahrer umzusehen, wenn man "einen der beiden Juniorpiloten Pascal Wehrlein oder Esteban Ocon" einsetzen könne. Bei den Mercedes-Feierlichkeiten in Sindelfingen am Samstag bezeichnete er Wehrlein als eine Option. Allerdings nicht als einzige.

Der langjährige Wolff-Liebling bringt auf dem Papier die besten Voraussetzungen mit. In den letzten zwei Jahren sammelte er unzählige Testkilometer mit dem Mercedes und sicherte sich damit ein Alleinstellungsmerkmal: "Kein Fahrer hat mehr Erfahrung im Umgang mit den 2017er Reifen als ich", merkte Wehrlein selbstbewusst an. Mehrfach in diesem Jahr war er für Pirelli in einen alten Silberpfeil gestiegen, sein Wissen könnte angesichts des neuen Reifen- und Aerodynamik-Reglements in der neuen Saison Gold wert sein.

Weiterhin hat der 22-Jährige gelernt, sich in die Mercedes-Hierarchie einzugliedern. "Jedes einzelne Mitglied ist Teil der Balance", sagte Wolff: "Deswegen kann man nicht jemanden reinwerfen, der sein eigenes Ding durchziehen will und diese Dynamik nicht versteht."

Dabei könnte es zu Wehrleins Trumpf werden, dass er nach seiner Rookie-Saison noch keinen Vertrag für 2017 besitzt. Ocon dagegen wurde vor drei Wochen von Mercedes für die nächste Saison bei Force India untergebracht. Dort steht auch der Mexikaner Sergio Perez unter Vertrag, der genauso Gegenstand der Spekulationen ist wie der Finne Valtteri Bottas (Williams), den Wolff einst in die Königsklasse gebracht hatte.

Deswegen allein ist Wehrlein im Casting aber längst nicht am Ziel. Den Franzosen Ocon etwa könnte Mercedes beim Kundenteam Force India wohl zum Preis rabattierter Aggregate auslösen - ein vergleichsweise geringer Preis, wenn Wolff und Lauda in dem 20-Jährigen den Top-Kandidaten sehen.

Eine "große" Lösung erscheint dagegen zunehmend unwahrscheinlich. Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel wies selbst darauf hin, bei Ferrari "einen Vertrag für 2017" zu haben. Red-Bull-Teamchef Christian Horner schob längst mit einer SMS an Wolff jeglichen Abwerbungsversuchen bei Max Verstappen (Niederlande) und Daniel Ricciardo (Australien) einen Riegel vor. Und die Lösung mit dem zweimaligen Champion Fernando Alonso (McLaren) ist den Mercedes-Oberen wohl doch eine Spur zu explosiv. "Was ich auf jeden Fall vermeiden will, ist ein Alonso/Hamilton-Szenario, wie es das 2007 gab. Das ist ein Territorium, das ich wirklich nicht betreten möchte", sagte Wolff. Seinerzeit beharkten sich die McLaren-Teamkollegen auf und abseits der Strecke derart, dass Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen den WM-Titel abstaubte.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Formel 1 kehrt in der Saison 2018 nach zehnjähriger Abstinenz nach Frankreich zurück. Gastgeber wird der Circuit Paul Ricard in Le Castellet sein. Dies teilte Christian Estrosi, Präsident der Region Provence Alpes Côte d'Azur, gestern in Paris mit. Zwischen 1971 und 1990 machte die Motorsport-Königsklasse 14 Mal in Le Castellet Station. Von 1991 bis 2008 fand das Rennen in Magny Cours statt. Seither waren mehrere Versuche der Rückkehr gescheitert. Estrosi wies auf eine Studie hin, wonach zur Wiederaufnahme mehr als 66 000 Zuschauer erwartet werden. Die Wirtschaft der Region dürfte von dem Rennen mit rund 65 Millionen Euro profitieren. Die voraussichtlichen Kosten für belaufen sich demnach auf etwa 30 Millionen Euro. sid/dpa