Turnstars Schäfer und Bretschneider müssen bei WM zuschauen

Turn-WM in Doha/Katar : Das traurige deutsche Turn-Traumpaar

Pauline Schäfer und Andreas Bretschneider sind bei der WM in Doha wegen Verletzungen zum Zuschauen verurteilt.

Andreas Bretschneider trägt einen Luftpolster-Schuh und stützt sich auf Krücken, Pauline Schäfer rätselt mit den Ärzten über die Schwere ihrer Fußverletzung. Das prominenteste deutsche Turn-Paar muss die bittere Pille schlucken und kann die Turn-WM in Doha/Katar nur am heimischen Bildschirm erleben. „Was soll’s? Es macht keinen Sinn, dass wir uns jetzt fertigmachen“, sagt der Chemnitzer Reckspezialist. Er nimmt die schmerzliche Situation gelassen. „Es war meine vierte Operation in dreieinhalb Jahren. Da weiß man, wie man damit umzugehen hat“, bekannte der Student der Wirtschaftswissenschaften, der gerade in sein Master-Studium mit Spezialisierung Steuerrecht gestartet ist.

Bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig war ihm beim Einturnen am Boden die Achillessehne im linken Fuß gerissen. „Vor reichlich drei Jahren ist mir das Gleiche mit dem rechten Fuß passiert. Wenn jetzt die Reha genauso gut läuft, dann bin ich in sechs Monaten wieder dabei“, meinte der Olympia-Teilnehmer, der mit dem nach ihm benannten „Bretschneider“, dem gehockten Doppelsalto mit zwei Schrauben am Reck, das noch immer höchstdotierte und damit schwierigste Element der Turn-Geschichte kreierte.

Zum Gewinn einer WM- oder Olympia-Medaille konnte es der 29-Jährige aber bisher nicht nutzen. Der Erfolg im Stuttgarter DTB-Pokal 2016 und vier Siege am Reck beim Weltcup in Cottbus stehen aber neben den WM-Plätzen fünf und sechs in seiner Erfolgs-Bilanz. Letzte Woche wurden an der operierten Ferse die Fäden gezogen, in sechs Wochen hofft er den gepolsterten Schuh loszuwerden. „Ich gehöre halt zur älteren Generation der Turner, da passiert so was. Ich hatte im letzten Jahr schon massive Probleme mit der Achillessehne. Irgendwie habe ich schon befürchtet, dass sie irgendwann reißt“, gibt Bretschneider zu. Zwischen seinen Fuß-Operationen war er nach Olympia 2016 auch an beiden Schultern operiert worden.

Geteiltes Leid ist halbes Leid – im Falle des Turn-Pärchens trifft dies wohl aber nur bedingt zu. Auch seine Freundin Pauline Schäfer, im vorigen Oktober die erste deutsche Turn-Weltmeisterin seit 30 Jahren, erwischte es in der WM-Vorbereitung. Zu sehr hätte Bretschneider der Saarländerin gewünscht, den Titel verteidigen zu können. Doch nach ihrem Sturz bei der WM-Qualifikation in Stuttgart Mitte September blieb der Schwebebalken-Spezialistin aufgrund eines Knochenmarködems im linken Fußgelenk zu wenig Zeit. Sowieso war es nicht das Jahr der Saarsportlerin des Jahres 2017. Schon bei der EM in Glasgow im August lief es nicht bei Schäfer – sie verpasste nach einem Absteiger am Schwebebalken die fest eingeplante Medaille, und es wurden erste Risse im Verhältnis zu Trainerin Gabi Frehse deutlich, die später in der Trennung der beiden gipfelten.

Jetzt gilt es, erst einmal wieder körperlich fit zu werden. Schäfer hat „immer noch Beschwerden, kann nicht richtig springen. Ich habe alles versucht, aber es ging nicht“, stellt sie bedauernd fest. Strombehandlungen, Laser-Therapie, Physiotherapie bestimmen nun zunächst ihren Alltag. „Ich bin froh, dass ich die Probleme jetzt habe und nicht in einem Jahr, wenn bei der WM in Stuttgart die entscheidende Olympia-Qualifikation ansteht“, versucht sie sich zu trösten – und wird auch von ihrem Partner stets aufgerichtet.

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