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Leicht verletzt bei erster Qualifikation
Schäfer will mit vereinten Kräften zur WM

Pauline Schäfer zeigte bei der WM-Qualifikation am Schwebebalken eine gute Leistung, verletzte sich aber später am Boden leicht.
Pauline Schäfer zeigte bei der WM-Qualifikation am Schwebebalken eine gute Leistung, verletzte sich aber später am Boden leicht. FOTO: dpa / Marijan Murat
Stuttgart. Turn-Weltmeisterin aus dem Saarland muss erste Qualifikation in Stuttgart leicht verletzt abbrechen. Von Katja Sturm

Pauline Schäfer war nicht begeistert. Bundestrainerin Ulla Koch persönlich hatte die Ambitionen der 21-Jährigen auf eine vordere Mehrkampf-Platzierung während der ersten WM-Qualifikation der Turnerinnen in Stuttgart vor dem letzten Gerät beendet. Vorausgegangen war ein Sturz der Schwebebalken-Weltmeisterin bei einem gestreckten Doppelsalto am Boden, bei dem sich die gebürtige Saarländerin leicht am Fuß verletzte. Vorsichtshalber wurde sie daraufhin aus dem Wettkampf genommen.


Den Sieg auf dieser ersten Station auf dem Weg zu den Titelkämpfen Ende Oktober in Doha sicherte sich die Stuttgarterin Kim Bui. Die Olympiavierte am Barren, Elisabeth Seitz, kam bei ihrer Rückkehr aus einer dreimonatigen Zwangspause wegen einer Entzündung im Bauchraum nach zwei Absteigern vom Schwebebalken nur auf Platz fünf. Bei den Männern überzeugte der Unterhachinger Lukas Dauser 16 Monate nach seiner schweren Knieverletzung beim Turnfest in Berlin mit einem Sechskampferfolg.

„Es ist nichts kaputt“, stellte Schäfer mit Blick auf das angeschlagene Sprunggelenk fest. Sie habe sich vermutlich nur die Kapsel gestaucht. „Nächste Woche bin ich wieder einsatzbereit“, sagte Schäfer. Und bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig am letzten September-Wochenende will sie sich dann endlich die Krone im Vierkampf sichern. Dabei und für eine möglichst optimale Vorbereitung auf die Reise nach Katar hilft die Konkurrenz derzeit mit.



Nach der geräuschvollen Trennung von Trainerin Gabi Frehse wurde Schäfer in Stuttgart an jedem Gerät von einem anderen Coach betreut. Auch die abzuarbeitenden Trainings- und Belastungspläne für die Sportsoldatin werden in gemeinsamer Abstimmung geschrieben. „Sie setzt das professionell um“, erklärte Koch: „Wir haben eine sehr gute Lösung gefunden.“ Eine, bei der sich die Turnerin nicht an neues Personal gewöhnen musste.

In Chemnitz, wo derzeit wegen der Sanierung der Halle nur eingeschränkt geübt werden kann, helfen der Topathletin sogenannte Stationstrainer, die unter der Regie von Chefin Frehse auch vorher schon für Stufenbarren und Schwebebalken mitverantwortlich waren. An Boden und Sprung schauen zudem die für die Männer zuständigen Kollegen auf die Sportlerin.

Die Situation ist eine vorübergehende. Nach der WM soll bei einem erneuten Gespräch mit allen Beteiligten am 20. November überlegt werden, wie es für Schäfer weitergeht. Eine Rückkehr zu Frehse ist laut Koch nicht ausgeschlossen, „da gibt es viele Möglichkeiten“. Doch das langjährige Erfolgsduo hatte sich zuletzt auseinandergelebt. Schon während der EM im August in Glasgow, bei der Schäfer nach einem Absteiger am Balken eine mögliche Medaille im Gerätefinale verpasste, waren Disharmonien zwischen den beiden deutlich geworden.

Koch erklärt diese damit, dass Schäfer erwachsen geworden sei. Dass die Turnerin mehr selbstbestimmen wolle, wann sie was trainiert. Zudem hatte sie schon im vergangenen Jahr das Abitur an einer Abendschule in Angriff genommen und muss dies mit den Übungsstunden in Einklang bringen. Die duale Karriere soll sie nach Ansicht der Bundestrainerin auf jeden Fall fortsetzen können. Ein Abgang aus dem Stützpunkt in Sachsen steht deshalb aktuell nicht zur Debatte, aber auch, weil Schäfer in einer festen Beziehung mit Turnkollege Andreas Bretschneider lebt.